Matthias Völlm hilft beim Umbau der Oelmühle, wo er kann: Zurzeit verlegt er Fliesen. Derweil verkauft seine Frau die restliche Naturkost. Foto: factum

Die Oelmühle im Stadtteil Münchingen von Korntal-Münchingen wird dieses Jahr 100. Doch die Inhaber Gisela und Matthias Völlm haben gerade anderes als Feiern im Sinn.

Korntal-Münchingen - Laden zu vermieten“ steht an der Eingangstür der Oelmühle und auch ein Hinweis darauf, dass der Bio-Betrieb von Gisela und Matthias Völlm an der Stuttgarter Straße derzeit geschlossen hat. Wegen Umbaus. Offen ist nur jeden Samstag für drei Stunden, denn es sind noch Lebensmittel wie Nudeln und Wein da – und die müssen weg.

Die Oelmühle gibt es jetzt seit 100 Jahren. Doch bevor sie das Jubiläum feiern, verändern die Völlms ihr Geschäft grundlegend. Gesundheitliche und persönliche Gründe spielen eine Rolle. „Wir haben für den Laden leider keinen Nachfolger aus der Familie gefunden. Also haben wir beschlossen, dass wir das Geschäft so umbauen, dass wir damit leben können“, sagt Matthias Völlm. Der 64-Jährige meint damit: „Wir erhalten, was das Besondere bei uns ist: die Bio-Backwaren.“

„Backwaren und Naturkost passen zusammen“

Zugleich wird die Naturkost erheblich reduziert – komplett davon trennen können und wollen sich die Völlms dann doch nicht. „Die Backwaren und die Naturkost passen so gut zusammen“, meint Gisela Völlm. Gleichwohl müssten sie aufpassen, „dass wir uns nicht verzetteln“: Sobald die Oelmühle wieder öffnet – Stand jetzt Ende Oktober – finden die Kunden noch Mehle, Aufstriche und kalt gepresste Spezialöle sowie ein Mal pro Woche Milch.

Die Entscheidung fiel den Völlms nicht leicht. „Wir haben uns schwer getan, zumal einige Kunden sagten, dass sie nun nicht wüssten, wohin“, sagt Gisela Völlm. Sie hat den Laden liebevoll hergerichtet und bedient die Kunden mit großer Freude, während ihr Mann alles von Hand backt. „Es tut weh, das alles kaputt zu machen“, bedauert die 62-Jährige.

Absatz sinkt bei Bio-Produkten

Doch für die Unternehmer war die Naturkost trotz eines Stamms treuer Kunden schon vor mehr als einem Jahr ein „Auslaufmodell“, wie sie es nannten: Der Absatz sinkt, weil Bio-Produkte mittlerweile nicht nur in Bio-Läden verfügbar sind, sondern auch in Discountern, Supermärkten, Drogerien. Anders war das vor 30 Jahren, als Matthias Völlm in den Betrieb seiner Eltern einstieg. Das Angebot an Naturkost wurde in der Oelmühle deshalb stetig erweitert, der Laden vergrößert, die Öffnungszeiten wurden verlängert.

Jetzt verkleinern sich die Völlms und hoffen, dass sie die Fläche, auf der bislang Naturkost verkauft wurde, rasch vermieten. Nach dem Umbau wird dieser Teil der Oelmühle von den Backwaren und deren Verkauf getrennt sein. Dazu baut Matthias Völlm einen Teil seiner Backstube zu einem Laden um, zudem gibt es einen Extra-Eingang an der Stuttgarter Straße.

Mitarbeitern brauchten keine Kündigung

Mit möglichen Mietern führe er bereits Gespräche, sagt Matthias Völlm, der froh ist, dass er seinen Mitarbeitern nicht kündigen musste: Sie hätten sich vor einiger Zeit beruflich umorientiert und seien von sich aus gegangen. „Das ist ein Wink, dass unser Weg gut ist“, meint Matthias Völlm. Die fehlenden Mitarbeiter bedeuteten aber zugleich noch mehr Arbeit als sonst. Künftig werden Matthias und Gisela Völlm noch zwei Mitarbeiter beschäftigen und bei Bedarf Aushilfen einstellen.

Beim Umbau hilft Matthias Völlm, wo er kann. Zurzeit verlegt er Fliesen, die Bauleitung hat er ohnehin. Er sei erleichtert, im Chaos das Ziel zu sehen, sagt er und atmet auf. Langweilig wird dem umtriebigen Paar auch nach der Wiedereröffnung der Oelmühle nicht: Die Völlms verkleinern sich auch privat, zudem wollen sie sich mehr um die Familie kümmern – fünf Kinder und elf Enkel haben sie. Mehr Sport treiben wollen die zwei ebenfalls, sie lieben Radtouren. Und dann ist da noch der stolze Geburtstag ihres Geschäfts. Den feiern sie vielleicht im November groß, wenn sich alles eingependelt hat.

Vorreiter beim Vollkornbrot

Familienbetrieb Von Eugen und Eberhard Völlm übernahmen Gisela und Matthias Völlm die Oelmühle 1996. Sein Urgroßvater Wilhelm Völlm baute neben der Münchinger Oelmühle (1919, woher die alte Schreibweise kommt) drei weitere Ölmühlen in Ditzingen, Murr und Marbach. Bis Anfang der 1960er wurde aus Mohn und Raps Speiseöl gepresst. Mit der Entstehung großer Raffinerien sattelten die Völlms auf den Ölhandel um.

Vorreiter Eugen Völlm produzierte 1955 das erste Vollkornbrot. Brote aus Vollkornmehl waren damals eine Seltenheit. Gebacken wurden sie erst im Münchinger Backhäusle, dann von einem Bäcker. Sein Sohn Matthias Völlm baute schließlich den Backbetrieb auf. Die Oelmühle bietet neben 15 Brot- und zehn Brötchensorten Süßgebäck, Baguette oder Toastbrot. Die meisten Produkte sind ausDinkelmehl und Urkornsorten. Die Naturkost umfasste bislang das gesamte Sortiment.

Öffnungszeiten Derzeit öffnet die Oelmühle samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr für den Ausverkauf. Nach der Wiedereröffnung Ende Oktober sind die Völlms donnerstags von 16 bis 18.30 Uhr da, freitags von 7 bis 18.30 Uhr und samstags von 7 bis 12.30 Uhr.

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