Ökumenischer Gottesdienst in der vollbesetzten Domkirche St. Eberhard in Stuttgart Foto: Sellner

Beim ökumenischen Gottesdienst am Sonntag in St. Eberhard wurde deutlich, wie viel Katholische und Evangelische Kirche am Ende des Reformationsjahrs noch trennt. Es zeigte sich aber auch: Die Basis ist in Bewegung geraten.

Stuttgart - Am Ende des Reformationsjahres 2017 in Stuttgart feiern evangelische und katholische Christen in der Domkirche St. Eberhard am Sonntag einen ökumenischen Gottesdienst. Dabei entsteht ein irritierender Eindruck: Während der katholische Stadtdekan Christian Hermes die Eucharistiefeier leitet, sitzt Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler allein im Altarraum und beobachtet das Geschehen.

Dabei hat er im Rahmen dieses ökumenischen Gottesdienstes soeben erst seine Predigt beendet. Er war darin auch auf das Verhältnis von Evangelischer und Katholischer Kirche eingegangen. Nicht alles im Reformationsjahr sei gut gelaufen, so Vosseler. An der Kirchenbasis aber seien beachtliche Fortschritte erzielt worden, Protestanten und Katholiken seien sich näher gekommen: „Dahinter können und wollen wir nicht mehr zurück.“ Stadtdekan Hermes sprach anschließend von einer „wunderbaren Predigt“; beide sind sich kollegial wie menschlich zugetan, Nun aber bei der Eucharistiefeier, die die Protestanten Abendmahl nennen, sitzt der Stiftskirchenpfarrer daneben, wie einer der nicht dazu gehört.

Wunsch nach mehr Ökumene

Und das gehören protestantische Christen nach offizieller katholischer Lehre auch weiterhin nicht. Während in der evangelischen Kirche grundsätzlich alle getauften Christen zum Abendmahl eingeladen sind, dürfen bei der Eucharistiefeier in der Regel nur katholische Christen die Kommunion empfangen; der Grund sind verschiedene Auffassungen über die Ausgestaltung der Eucharistiefeier beziehungsweise des Abendmahls.

In der Praxis wird dies in vielen katholischen Gemeinden heute offener gehandhabt. So weit, dass der Pfarrer der Hauptkirche der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in der katholischen Domkirche an der Eucharistiefeier teilnehmen kann, ist es jedoch noch nicht. Als der katholische Stadtdekan die Hostien an die Gläubigen verteilt, sitzt Vosseler im Abseits - obwohl für ihn das Abendmahl, mit dem Christen die Auferstehung von Jesus Christus feiern, „das Schönste überhaupt ist“.

Hermes weiß um den irritierenden Eindruck, den dieses Ausgeschlossensein hinterlässt. Er versucht dem entgegenzuwirken: „Leider haben sich die Bischofskonferenzen im Stil der Echternacher Springprozession bewegt (drei Schritte vor und zwei zurück). Wir alle sehnen uns danach, nicht nur das Wort zu teilen, sondern auch das Mal Jesus Christi gemeinsam zu feiern.“ Groß sei der Wunsch nach Fortschritten in der Ökumene. - So irritierend die Rollenverteilung während der Eucharistiefeier wirkt, der bleibende Eindruck dieses gemeinsamen Gottesdienstes ist ein versöhnlicher.

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