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Präsident Weber kritisiert Ankauf von Staatsanleihen und kündigt mehr Wachsamkeit an.

Stuttgart/Berlin - Die Verbraucherpreise steigen nur moderat. Doch jetzt wirft die EU-Zentralbank die Geldpresse an, um Anleihen verschuldeter Staaten zu kaufen. Das nährt Sorgen vor einer höheren Inflation.

Trotz der deutlichen Verteuerung von Kraftstoffen und Heizöl ging die Inflation im April von 1,1 Prozent im Vormonat auf 1,0 Prozent zurück. Doch Ökonomen warnen: Künftig könnten die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigten Maßnahmen im Kampf gegen die Schuldenkrise einen Preisauftrieb auslösen. Die EZB hatte am Montag mit dem Kauf von Anleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten begonnen, die damit ihre Defizite finanzieren. Dazu druckt die Notenbank praktisch Geld. "Das ist langfristig der Einstieg in eine höhere Inflation", sagte Bankenprofessor Wolfgang Gerke.

Bundesbankpräsident Axel Weber erklärte, der Ankauf von Staatsanleihen berge "erhebliche stabilitätspolitische Risiken, und daher sehe ich diesen Teil des Beschlusses auch in dieser außerordentlichen Situation kritisch". Dennoch könne sich die deutsche Bevölkerung "darauf verlassen, dass wir hier besonders wachsam sein werden". Die Bundesbank und das Euro-System stünden nach wie vor für Preisstabilität ein.

Der Konjunkturexperte des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Michael Bräuninger, dämpfte dagegen die Sorgen. Solange die EZB rechtzeitig die Papiere verkaufe, gebe es keinen Grund zur Sorge, sagte Bräuninger unserer Zeitung.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) übte scharfe Kritik an den weltweit tätigen Hedgefonds und forderte ein Verbot hochriskanter Geschäfte mit Kreditversicherungen. "Da wird zwischen den Banken mit Produkten gewettet, die außerhalb jeder Kontrolle sind und mit denen man komplette Staaten umschmeißen kann", sagte Mappus.

Als Konsequenz aus der Krise müsse "am besten weltweit, aber zumindest auf europäischer oder deutscher Ebene" alles dafür getan werden, sogenannte Leergeschäfte zu verbieten. Man müsse "jetzt endlich mal sichtbar Pflöcke einrammen".

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