Die drei kleinen Piepmätze haben es gut erwischt: Sie thronen auf einem typischen Schwalbennest, das ihre Eltern aus unzähligen Lehmkügelchen und Stroh gebaut haben. Foto: dpa

Weil sie der Kot und das Brutgeschehen stören, entfernen immer mehr Hausbesitzer verbotenerweise die Nester von Schwalben. Ökologen halten jetzt dagegen.

Göppingen - Eigentlich haben die Mehlschwalben alles richtig gemacht: Als typische Kulturfolger haben sie sich den Menschen angepasst und brüten an deren Häusern unter Dachvorsprüngen statt an eher seltenen Felsstandorten. Doch immer mehr Menschen stören sich am Kot und am Brutgeschehen der Vögel, die eigentlich als Glücks- und Frühlingsboten gelten und entfernen unerlaubterweise die Nester, sobald das Haus neu gestrichen oder umgebaut wird. Der Naturschutzbund (Nabu) hält mit seiner Plakette Schwalbenfreundliches Haus dagegen. Und mancherorts in der Region werden Schwalbenhäuser mit künstlichen Nestern aufgestellt.

Es fehlen lehmige Pfützen und Stroh für den Nestbau

„Bis zu 70 Prozent ist der Bestand der Vögel in manchen Orten im Kreis Göppingen zurückgegangen“, erläutert der Kreisökologe Ulrich Lang. Damit stünden die Mehlschwalben zwar noch nicht auf der roten Liste der gefährdeten Arten, aber Lang spricht von einem drastischen Rückgang. Ursachen dafür sieht Lang viele: Eine große Rolle spiele die Versiegelung der innerörtlichen Flächen, so dass die Vögel kaum noch eine offene Wasserstelle zum Trinken oder lehmige Pfützen und Stroh für den Nestbau fänden.

Und auch das Insektensterben dürfte ein Thema für den Rückgang der Schwalben sein, auch wenn das für die jeweilige Vogelart kaum nachzuweisen sei. Und natürlich setze auch der Mensch den Tieren zu, wenn Hausbesitzer die Nester entfernten, obwohl das verboten ist. In den Wintermonaten werde das als Ordnungswidrigkeit verfolgt, aber in der jetzt beginnenden Brutzeit käme das Tierschutzgesetz ins Spiel mit Strafen bis zu 50 000 Euro, erklärt Rudi Apel aus Görwihl im Landkreis Waldshut, der Schwalbenberater des Nabu in Baden-Württemberg.

Schwalbenfreundliche Hausbesitzer werden vom Nabu ausgezeichnet

Apel hat vor elf Jahren die landesweite Auszeichnung „Schwalbenfreundliches Haus“ erdacht, die seit 2017 auch bundesweit verliehen wird. Damit seien seither rund 1450 Hausbesitzer ausgezeichnet worden, die Schwalben bei sich nisten lassen. So wie beispielsweise Familie Eickholt aus Esslingen-Rüdern, wo die Schwalben den nahen Gartenteich gerne zum Baden und Trinken nutzen.

Kunstnester, die schon für unter zehn Euro im Handel zu haben sind, sind Apel eigentlich lieber als die Schwalbenhäuser wie sie jetzt auch der Kreis Göppingen in Donzdorf-Winzingen, Hattenhofen und Böhmenkirch-Treffelhausen aufstellen lassen möchte. Denn Schwalben seien so treue Bewohner, dass sie nach ihrer Rückkehr im Frühling immer wieder dasselbe Gebäude und am liebsten auch dasselbe Nest anflögen. Und gegen die Verschmutzung am Haus ließen sich Kotbretter anbringen.

Auf den richtigen Standort kommt es an

Aber wenn ein Schwalbenhaus zu weit entfernt vom alten Standort stehe, könne es gut sein, dass die neuen Nester leer bleiben. „Ich erlebe das ständig und werde von den Kommunen nach den Gründen gefragt. Wenn ich wüsste woran es liegt, könnte ich mit Schwalbenhäusern reich werden“, sagt Apel.

Auch in Renningen-Malmsheim (Kreis Böblingen) wartet der örtliche Nabu noch auf neue gefiederte Mieter für das vor drei Jahren aufgebaute Schwalbenhaus, erklärt der Vorsitzende Udo Schäfer. Immerhin habe er im vergangenen Herbst kurz vor dem Abflug der Mehlschwalben in den Süden beobachtet, wie einzelne Tiere das Schwalbenhaus angeflogen haben. Der Hobbyornithologe wertet dies als Zeichen für einen hoffentlich baldigen Einzug.

Das Geld kommt von der Stiftung Naturschutzfonds

Die Göppinger Ökologen hoffen, dass sie die richtigen Standorte innerorts gefunden haben. „Alle kommunalen Vertreter waren begeistert von der Idee, ehrenamtliche Betreuer sind auch gefunden“, berichtet Ulrich Lang, der nur noch auf den Förderbescheid der Stiftung Naturschutzfonds zwecks Finanzierung wartet. Und wenn auf den benachbarten Grünflächen nun noch artenreiche Blühstauden angepflanzt würden, hätten die Schwalben auch genügend Insekten für ihren Nachwuchs.

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