Das Hallenbad in Nellingen ist das letzte verbliebene Bad, das die Stadt Ostfildern betreibt. Foto: Markus Brändli

Um das hohe Defizit beim Hallenbad Nellingen abzufedern, reduziert die Stadt Ostfildern die Öffnungszeiten für die Allgemeinheit. Was ist mit Schulen und Vereinen?

Mit einem Defizit von 453 000 Euro ist das Nellinger Hallenbad ein Zuschussbetrieb. Angesichts der angespannten Haushaltslage sieht sich die Stadt Ostfildern gezwungen, den öffentlichen Badebetrieb einzuschränken und die Schwimmhalle an private Nutzer zu vermieten. Schulen und Vereine sollen stärker zum Zug kommen. Mit sieben Gegenstimmen segnete der Gemeinderat nun das deutlich reduzierte Betriebskonzept ab.

 

Gegen die ursprünglichen Pläne der Stadt, den öffentlichen Badebetrieb von derzeit 36,5 auf 20 Stunden pro Woche zu reduzieren, hatten sich die Kommunalpolitiker heftig gewehrt. Nun hat die Stadtverwaltung ein überarbeitetes Konzept vorgelegt, das immerhin 24,5 Stunden Schwimmen für alle möglich macht. So ließen sich mittelfristig rund 197 000 Euro einsparen. Ein hoher Kostenfaktor ist das Aufsichtspersonal.

Die Schwimmhalle in Nellingen wurde 1969 gebaut. Foto: Stadt Ostfildern

Den Feinschliff an den Plänen will die Stadt im zweiten Schulhalbjahr in einer Informationsveranstaltung mit den Nutzern diskutieren. Die Schwimmhalle auf dem Schulcampus in Nellingen ist das einzige verbliebene Hallenbad der Stadt mit 40 000 Einwohnern. „Wir sind bei den Vereinen auf großes Verständnis gestoßen“, berichtete Oberbürgermeister Christof Bolay von ersten Rückmeldungen. Angesichts der angespannten Haushaltslage sei die Akzeptanz da. Da das Bad dringend sanierungsbedürftig ist, hat die Stadt Ostfildern bereits einen Antrag für Fördermittel gestellt – rund elf Millionen Euro soll es kosten, das Bad aus dem Jahr 1969 rundzuerneuern.

Frühschwimmen im Hallenbad Nellingen

Bei der Mehrheit des Gemeinderats kam das überarbeitete Betriebskonzept gut an. „Das ist ein deutlicher Einschnitt“, sagte Carola Eisemann (Freie Wähler). Dennoch sieht ihre Fraktion angesichts der angespannten Haushaltslage keine Alternative. Aus ihrer Sicht muss für eine ausgeglichene Nutzung gesorgt werden: „Das Frühschwimmen sollte erhalten bleiben.“

Angesichts des immensen Defizits durch das Hallenbad sieht auch Ulrike Berger-Kögler (CDU) keine Alternative zu einem schlankeren Betriebskonzept: „Die Steigerung der Einnahmen ist beachtlich.“ Es gehe darum, das Hallenbad zukunftsfähig zu machen und zu erhalten: „Schwimmen ist gesund und kann Leben retten.“

Als „Übergangslösung“ könnten die Grünen die deutliche Reduzierung der öffentlichen Badezeit mittragen, sagte Margarete Schick-Häberle. Dauerhaft fordern die Grünen aber wieder mehr Badezeiten für die Öffentlichkeit. Die Vermietungen schafften Einnahmen, brächten aber Einschränkungen mit sich. Die Fraktion beantragte, das neue Betriebskonzept nur bis zur Sanierung des Bades anzuwenden, die in absehbarer Zeit ansteht. Dafür fand sich allerdings keine Mehrheit.

Öffnungszeiten im Hallenbad Nellingen – kein Zurück?

Mit der Reduzierung des Badebetriebs könne man in einer Stadt mit 40 000 Einwohnern nicht zufrieden sein, sagte Ünal Yalcin (SPD). Doch angesichts des Haushaltsdefizits sieht er keine Alternative. Angesichts des Bädersterbens in vielen Kommunen gelte es, das Nellinger Hallenbad zu erhalten und für die nächsten zehn bis 15 Jahre zukunftsfähig aufzustellen.

Das Hallenbad Nellingen ist ein stark defizitärer Betrieb. Foto: Markus Brändli

Anders als ihre Fraktion stimmte Martina Sandhorst-Schäfer gegen die Kürzungspläne: „Es ist richtig, dass die wirtschaftliche Situation der Stadt schwierig ist und gespart werden muss. Aber es bleibt dabei, dass in Sachen Hallenbad in den vergangenen Jahren bereits überproportional gespart wurde.“ Die reduzierten Öffnungszeiten lehnten auch Joachim Werner (FDP) und Jutta Zwaschka (Linke) ab. Aus Werners Sicht gibt es kein Zurück, wenn die Zeiten erst eingeschränkt seien.