Abstimmung in die Zukunf Foto: Jonas Dietz

Die Bezirkssynode des evangelischen Kirchenbezirks hat am Freitag, den 21. November wieder in Waiblingen getagt. Es ging um Veränderung, um das Wesen der Kirche und an einer Stelle entstand heitere Unruhe.

Die Bezirkssynode ist das Regionalparlament der Evangelischen Kirche im Kirchenbezirk Waiblingen. Selbstverständlich begann auch dieses Treffen mit einem Gottesdienst, in dem es viel Bewegung gab. Denn viele Menschen wurden in neue Ämter eingesetzt, obwohl dies die letzte Sitzung der derzeitigen Wahlperiode war. Am ersten Advent werden die Kirchengemeinderätinnen und -räte neu gewählt und damit wird sich auch die Bezirkssynode nach sechs Jahren Amtszeit wieder verändern. Verändern, aber nicht aufhören. Das zog sich durch viele Punkte der Bezirkssynode an diesem Abend.

 

Die letzten sechs Jahre, so Dekan Ulrich Eberhardt, war die „schwerste Amtsperiode in der Geschichte der Landeskirche“. Denn sie begannen mit Umständen, die für alle Menschen zu der Zeit ungewöhnlich waren: Mit Lockdown, mit Schutzmasken und Onlinesitzungen. Dann bewegte sich auch viel im Bezirk. 28 Pfarrerwechsel hat der Vorsitzende der Synode Max Müller in seinem Abschlussbericht gezählt. Dazu die traurige Gewissheit, dass der Kirchenbezirk in den letzten sechs Jahren ein Drittel seiner Mitglieder verloren hat und einige Pfarrstellen gestrichen wurden, so dass sich Kirchengemeinden zu größeren Verbünden zusammengeschlossen haben, damit sie miteinander Kirchen sein und bleiben können.

So war es an dieser letzten Sitzung auch kein besonderer Aufreger mehr, dass sich nun nicht nur Kirchengemeinden, sondern ganze Kirchenbezirke zusammentun. Zur Abstimmung stand: Aus den drei evangelischen Kirchenbezirken Backnang, Schorndorf und Waiblingen einen Kirchenbezirk „Rems-Murr“ zu machen mit der Dekanatsstadt Waiblingen. Der Vorschlag wurde einstimmig ohne weitere Diskussion angenommen. Auch in den anderen Bezirkssynoden wurde so beschlossen und so können sich die künftigen Gremien daran machen diesen Auftrag in den kommenden drei Jahren – so der Plan – auch umzusetzen. Die Struktur soll die Arbeit in den Gemeinden und den Pfarrämtern ermöglichen.

Dass das der Fall ist und wie wichtig und segensreich das heute schon funktioniert, wurde den Bezirkssynodalen bewusst gemacht, als Ann-Katrin Jetter, Klinkseelsorgerin am Rems-Murr-Klinikum und Andreas Gruhn, Klinikseelsorger am Zentrum für Psychiatrie in Winnenden von ihrer Arbeit berichteten. Es wurde klar: Strukturen sind das eine, aber in der Zuwendung zum Menschen in ihren verschiedenen Lebenslagen und Notsituationen ist das Wesen und der Kern der christlichen Kirche zu finden. Sowohl Patientinnen als auch das Personal sind dankbar, dass es Menschen gibt, denen sie ihre Fragen, Gedanken und Emotionen mitteilen können und mit den Seelsorgern Wege suchen können gegebenenfalls wieder ins Leben zu finden.

Dazu helfen mitunter auch die Musik und der Gesang. Und auch hier gibt es Neuerungen, wie Bezirkskantor Immanuel Rössler zu berichten weiß, denn in drei Jahren soll das neue Gesangbuch erscheinen. Hier merkte man, dass bei vielen das Herz schlägt. Es gab interessierte Nachfragen und offensichtliche Freude über ein schönes neues Buch mit neuen und alten Liedern. Und hier kam dann doch noch einmal heitere Unruhe auf, als Immanuel Rössler verriet, dass auch das neue Gesangbuch eine Geschichte von Zusammenlegung und Fusion zu erzählen hat. Denn es soll nicht nur das neue Gesangbuch für Württemberg werden, sondern auch von Österreich und – man traut es sich kaum zu schreiben – Baden!

Daraufhin musste mancher sich lächelnd noch einen leckeren Cocktail von der Bar der Familienbildung holen. Auf deren Bechern stand: „Nicht schütteln, sondern sich rühren!“ Es rührt sich was in der evangelischen Kirche und vielen macht es immer noch Spaß – trotz der zurückliegenden sechs schweren Jahre.

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