Die Organistin der Johanneskirche zündete am ersten Advent in der Johanneskirche mit ihrem Jubiläumskonzert nicht nur eine Kerze an, sondern zeigt, was man aus einer kleinen, praktischen Orgel alles rausholen kann.
Vor fünfzig Jahren, am damaligen ersten Advent, der genauso wie in diesem Jahr ein 30. November war, bekam die evangelische Johanneskirche ihre Orgel. Elf Jahre lang hatte die Gemeinde lediglich ein Orgelpositiv aus dem Kirchenbezirk Bad Cannstatt ausgeliehen. Nun gab es also eine richtige, in die Architektur der Johanneskirche eingearbeitete Orgel. Auf engstem Raum sind seitdem Altar, Kanzel und Orgel miteinander vereint. Ein kleines, funktionales Epizentrum des sonntäglichen Gottesdienstes, das in seiner Praktikabilität an die Architektur des Bauhauses erinnert. Immerhin ist innerhalb dieser Einheit auch noch die Sakristei untergebracht.
Am Sonntag nun stand aber nicht der Gottesdienst, sondern die Schönheit der Jubilarin im Mittelpunkt. Die Königin der Instrumente ist das „Opus 75“ des Orgelbauers Kurt Oesterle, der 1975 diese Orgel in die Kirche einpasste. Eine Orgel, die es natürlich nicht mit den großen Orgeln der Welt aufnehmen kann, auch wenn sie 122 Register hat. Aber doch steht da ein schönes, feines Instrument. Jahrzehntelang wurde die Orgel vor allem von Lieselotte Munck gespielt, die auch Generationen an Klavierschülern ausgebildet hat. Seit 2019 ist nun Andrea Schöne Organistin an der Johanneskirche und erfreut immer wieder die Musikliebhaber mit einem jährlichen Konzert, welches sie im Sommer in der Fellbacher Partnerstadt Tain l'Hermitage aufführt.
Ausgerechnet in der Woche vor dem Konzert entdeckte der Orgelbauer, dass mehrere Blasebälge in der Orgel nun zu ersetzen seien. Dank eines zeitaufwändigen Notfalleinsatzes war aber am Sonntag alles perfekt für ein schönes Konzert am Abend des ersten Advents. An dem es gar nicht auffiel, dass Tom Maier, auch sehr kurzfristig dazukam, um zu registrieren, weil die eigentliche Person leider nicht konnte.
Und so wurde es also ein abwechslungsreiches Konzert. Mit einem prächtigen Eingang von Sigrid Karg-Elert und anschließend dem Concerto G-Dur von Johann Sebastian Bach. Nachdem mit der Sicilienne von Maria Theresia von Paradis einmal eine Frau als Komponistin zu hören war, war die bis dahin andächtige Zuhörerschaft nach „Danse Nicoise“ von Hans-André Stamm nicht mehr zu halten. Applaus brandete auf. Zurecht! Für das Stück und die Darbietung. Und so waren es im Verlauf vor allem die modernen Stücke „Toccata in seven“ von John Rutter oder die „Toccata“ von Jules Grison, die für Begeisterung sorgten, auch wenn man gerade bei den opulenten Stücken manchmal den Eindruck hatte, dass die kleine, praktische Orgel „Opus 75“ an ihre Grenzen kommt. Es ist Andrea Schöne zu verdanken, dass sie es mit Bravour schaffte, alles aus der Jubilarin herauszuholen und am ersten Advent musikalischen Glanz in die Johanneskirche gezaubert hat.
Markus Eckert
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