Die Stadt Freiberg macht aus dem öffentlichen Training der belgischen Nationalmannschaft ein Spektakel. Das Team genießt das Bad in der Menge und lobt den Trainingsplatz und das Hotel.
Kurz nach dem öffentlichen Training wird es im Wasen-Stadion in Freiberg noch einmal laut – und hektisch. Fünf belgische Nationalspieler und Chef-Trainer Domenico Tedesco nähern sich der Bande, an der hunderte Schüler der Oscar-Paret-Schule Freiberg warten. Das Gedränge ist groß, die Freude der Dritt- bis Zwölftklässler aber noch größer. Stolz halten Kinder Papierfetzen mit Autogrammen in die Höhe, zeigen ihren Freunden Selfies mit FC Arsenal Stürmer Leandro Trossard und Wolfsburgs Mittelfeldmann Aster Vranckx. Einige lassen sich Bälle signieren, andere ziehen sich sogar ihre Schuhe aus, um diese unterschreiben zu lassen. „Ich denke, das war ein gelungener Tag für uns und die Region“, sagt Torwart Koen Casteels kurze Zeit später in der Pressekonferenz.
Nur einen Tag nach der Ankunft der belgischen Mannschaft in ihrem sogenannten Basecamp für die EM 2024 verwandelt sich der Trainingsplatz in ein Volksfest mit Würstchenbude, Trainer-Interviews und Autogrammen. Die Belgier scheinen sich in ihrer neuen EM-Heimat wohlzufühlen – und Torhüter Casteels spricht nach dem Training ein Lob an das Schlosshotel Monrepos aus.
Die Stadt Freiberg verteilte im Vorhinein über 1000 Tickets für das Training an Schülerinnen und Schüler – keine einfache Angelegenheit. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht, welche Klassen mitdürfen“, sagt René Coels, Schulleiter der Oscar-Paret-Schule. „Wir haben fünf Jahre zurückgeblickt und zwei Jahre voraus, welche Klasse ins Schullandheim fahren konnte, und welche eine Ausfahrt verpasst haben.“ Am Ende wurden schwierige Entscheidungen getroffen, die unter anderem bei den Zehntklässlern für Unmut sorgten – eine der wenigen Stufen, die zum Unterricht mussten.
80 weitere Tickets verloste die Stadt an ihre Bürger. Für eine der glücklichen Gewinnerinnen eine besondere Erfahrung. Sarah trägt am Donnerstag ein nagelneues Belgientrikot, sie ist gebürtige Freibergerin, ihre Mutter kommt aus Belgien. „Ich bin bei Fußballturnieren eigentlich immer für Deutschland und Belgien.“ Zehnmal habe sie sich für die Trainingstickets beworben, bis ein Versuch dann endlich klappte: „Ich war bis gestern noch im Urlaub, habe nur zwei Stunden geschlafen, aber ich dachte, das lasse ich mir nicht entgehen.“
Insgesamt sind am Donnerstag schätzungsweise 1700 Zuschauer und ein Dutzend Medienteams im Wasen-Stadion, um die belgischen Kicker zu bestaunen. Viel Arbeit für die Stadtverwaltung um Noch-Bürgermeister Dirk Schaible und seinen Stellvertreter Stefan Kegreiß. „Ich kann mittlerweile aus dem Nähkästchen plaudern: Schon vor zwei Jahren wurden wir vom belgischen Verband angefragt, ob sie auf unseren Plätzen trainieren können“, sagt Schaible am Rande des Trainings. „Wir haben uns die Auflagen angeschaut und direkt gesagt, das können wir nicht stemmen.“
Doch die Belgier ließen nicht locker und sicherten der Stadt Hilfe zu – irgendwann gab die Stadt nach und ist nun froh über die Zusammenarbeit. In den vergangenen Monaten hat ein Team aus Freiberger Bauhofmitarbeitern und belgischen Greenkeepern einen zertretenen Nebenplatz des Stadions auf UEFA-Niveau aufgepäppelt. „Vergangene Woche hatte ich noch mal echt Sorge um den Platz“, so Schaible. Grund dafür war das Neckarhochwasser, das zwar Freiberger Gärten und Felder flutete – aber nicht den Sportpark Wasen.
Casteels zufrieden mit Schlosshotel Mponrepos
Die belgischen Fußballer wirken am Donnerstag derweil locker, spielen über das halbe Feld Sechs gegen Sechs und sorgen mit einigen schön heraus gespielten Toren für Jubel auf der Tribüne. Kevin De Bruyne und Axel Witsel winken mehrmals in die Menge, die Schüler antworten mit lautem Geschrei. Dass sich die Nationalspieler wohlfühlen, bestätigt Torhüter Koen Casteels auf einer Pressekonferenz nach dem Training.
Er habe ein sehr gutes Gefühl mit der Region, sagt der Torwart des VfL Wolfsburg. „Und auch der Empfang war echt schön. Es hat uns sehr gefreut, dass heute so viele Leute da waren und wir einigen Kindern eine Freude machen konnten.“ Auch zum heiklen Thema Rasenplatz äußert sich Casteels. Während sich die Schweizer Nationalmannschaft Anfang der Woche über ihren Trainingsplatz auf der Waldau beschwerte, gebe es in Freiberg nicht viel zu meckern. „Der Rasen geht ein bisschen schnell kaputt, aber das ist schon alles in Ordnung“, so der belgische Torhüter. „Und der neue Trainingsrasen neben dem Stadion soll ja noch besser sein.“
Vom Schlosshotel Monrepos sei er derweil „positiv überrascht“, sagt Casteels. Die Mannschaft habe mitbekommen, dass das Hotel viel in den Ausbau investiert und Extras wie einen Pool und neue Fernsehgeräte möglich gemacht hat. „Es ist nicht der allergrößte Luxus, aber das brauchen wir nicht.“ Die Umgebung sei sehr schön und ruhig, die Zimmer und Betten gut. „Wir haben direkt bemerkt, dass die Hotelangestellten alles dafür tun, dass wir uns wohlfühlen.“