So könnte die erste Stufe der Neuen Mitte Fellbach aussehen: Die Visualisierung zeigt rechts die neue Stadtbahn-Endhaltestelle, das Mobiliy-Hub (im Hintergrund) und den Kirchplatz. Foto: Drees & Sommer / Stadt Fellbach

Der Gemeinderat bringt das 12,5-Millionen-Euro-Projekt auf den Weg. Wichtigster Punkt zum Auftakt des Gesamtvorhabens ist die Verlegung samt Neubau der Stadtbahn-Endhaltestelle.

In früheren Statements der Verantwortungsträger in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) war schon mal von einem „Jahrhundertprojekt“ die Rede. Ganz so zeit- und raumgreifend wurde es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nicht. Aber als Bauvorhaben, welches das Fellbacher Stadtbild für die kommenden Jahrzehnte prägen wird, wurde die künftige Neue Mitte dann doch bezeichnet.

 

Oberbürgermeisterin Gabriele Zull skizzierte es als „großes Stadtentwicklungsprojekt, das wir miteinander umsetzen“, damit Fellbach sich „für die nächsten Jahrzehnte zukunftsfähig machen kann“. Der SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann lobte diesen „wichtigen Meilenstein“, die Baubürgermeisterin Beatrice Soltys wählte die Formulierung „wichtiger Meilenschritt“.

Mehrheit votiert für langes Bahnsteigdach

Am Ende jedenfalls stand das einmütige Votum fest: Der Gemeinderat hat einstimmig den Baubeschluss für dieses Großvorhaben, das unter dem Begriff Neue Mitte firmiert und eine weitgehende Umgestaltung des Bereichs nördlich des Rathauses vorsieht, auf den Weg gebracht. Eine kleine kontroverse Debatte gab es zwar noch darum, ob man nicht aus Kostengründen auf eine komplette Überdachung der neuen Stadtbahn-Endhaltestelle verzichten sollte, doch die Mehrheit votierte in einer vorweggenommenen Detailentscheidung gegen dieses Ansinnen der CDU-Fraktion.

Trotz der anhaltenden Finanzmisere in der Stadt am Fuße des Kappelbergs setzt man in Fellbach also auf die große Lösung, um der Stadt „ein neues Herz“ (Soltys) zu bescheren – und investiert 12,55 Millionen Euro, wobei allerdings die Hoffnung auf Zuschüsse besteht, sodass sich dieser Gesamtbetrag noch um zwei bis drei Millionen Euro auf um die zehn Millionen Euro senken könnte.

Die Neuplanungen sind notwendig, weil die Stuttgarter Straßenbahnen AG künftig auf der Strecke Richtung Fellbach mit 80-Meter-Zügen unterwegs ist. Diese doppelt so langen Züge passen nicht an die derzeitige Stadtbahn-Endhaltestelle für die U1, weshalb die Haltestelle nun 100 Meter früher endet, nämlich auf Höhe des Alten Friedhofs. Dort wird die neue, längere Endhaltestelle errichtet. Zugleich soll langfristig der Kirchplatz umgestaltet werden, weshalb der schöne Schaugarten dort weichen muss. Zudem ist für die Rathaustiefgarage eine veränderte Zufahrt nötig.

Ziel ist es, so die Baudezernentin, mit der neuen Haltestelle einen „würdigen Willkommensplatz zu gestalten“. Im Lokalparlament gab dann Peter Widmann vom Stuttgarter Beratungsunternehmen Drees & Sommer einige wichtige Details zum Zeitplan in den vorgesehenen fünf Baustufen bekannt, die für die Öffentlichkeit, also für all jene, die dort häufig unterwegs sind und vor allem die Stadtbahnnutzer von Interesse sind.

Visualisierung der Neuen Mitte Fellbach aus der Vogelperspektive mit neuer Endhaltestelle (rechts oben) und Lutherkirche (links) Foto: Stadt Fellbach

Im vierten Quartal 2026, also noch in diesem Jahr, beginnen im Zuge der sogenannten Baustufe 0 die erforderlichen Vorarbeiten. Dazu gehört die Rodung und Fällung von Bäumen, der Abbau des prächtigen Schaugartens sowie diverser Kunstwerke, Beschilderungen und Beleuchtungsmasten. Die Interimszufahrt zur Tiefgarage von der Cannstatter Straße über den Marktplatz auf der Ostseite des Rathauses wird erstellt.

Im März 2027 beginnt dann die Baustufe 1. Weil in dieser Zeit die Stadtbahnen nicht fahren können, wird ein Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen ab der Haltestelle Antwerpener Straße eingerichtet. Dieser Ersatzverkehr wird nach Widmanns Angaben voraussichtlich vier Monate, also bis Ende Juli dauern. Danach kann die Station Schwabenlandhalle, die in dieser Zeit also die Endhaltestelle darstellt, wieder angefahren werden. Während der Bauzeit wird zudem die Tainer Straße als Einbahnstraße in Richtung Westen geführt.

In den dann folgenden Monaten geht es dann um die neue Tiefgaragenzufahrt und um den neuen Mobility Hub direkt an der Mauer zum Alten Friedhof. Wichtigster Part ist natürlich der Bahnsteig. Die Inbetriebnahme der neuen Stadtbahn-Endhaltestelle Lutherkirche ist laut Zeitplan für das zweite Quartal 2028 vorgesehen.

SPD fordert: Kirchplatz darf keine Steinwüste werden

In der Debatte äußerten sich die Rednerinnen und Redner durchweg positiv zu diesen Perspektiven für die Fellbacher Stadtmitte. Die Fraktion der Freien Wähler/Freien Demokraten „steht weiterhin hinter diesem Projekt“, sagte deren Chef Martin Oettinger. Andreas Möhlmann (SPD) erklärte: „Diese neue Haltestelle ist für alle Stadtbahnfahrer das Eingangstor zu unserer neuen Mitte.“ Er mahnte allerdings auch: „Es gilt, den Kirchplatz so zu beplanen, dass er keine Steinwüste wird.“

Geradezu begeistert äußerte sich Yara D’Addeo vom Jugendgemeinderat: „Die Neue Mitte wird nicht irgendein Ort sein. Sie wird das neue Herz unserer Stadt. Sie wird der Ort sein, an dem Menschen ankommen, umsteigen, sich begegnen, warten, weiterfahren. Und sie wird für viele das erste sein, was sie von Fellbach sehen: unser Eingangstor, unser Willkommensschild.“