Das S-Bahn-Fahren ist für manche Menschen zu teuer. Foto: dpa


Der Böblinger Kreisetat macht ein Sozialticket möglich – wenn die Prioritäten überdacht werden und an anderer Stelle nicht so viel ausgegeben wird. Dennoch sieht man bisher davon ab.

Böblingen - Sparen ist en vogue. Auch der Kreis Böblingen will sparen und positioniert sich gegen das Sozialticket. Man wisse nicht, wie sich die Konjunktur entwickle, heißt es. Man wisse auch nicht, wie hoch der Bedarf an einem solchen Preisnachlass wirklich wäre. Dabei spricht der jüngste Armuts- und Reichtumsbericht des Kreises eine deutliche Sprache: Die Schere zwischen den Bedürftigen und den Wohlhabenden geht immer weiter auseinander, lautet das Ergebnis. Und das in einem der wirtschaftsstärksten Landkreise Deutschlands. Gerade diese Tatsache spricht dafür, ein Sozialticket einzuführen.

Zuschuss für Bedienstete im Landratsamt

Das Geld dafür ist vorhanden im 460 Millionen Euro schweren Kreishaushalt. Einige der Posten sind freiwillige Leistungen. Die Bediensteten im Landratsamt erhalten einen Zuschuss, wenn sie Bahnen oder Busse benutzen: fast 200 000 Euro jährlich. Ein Katzenprojekt am Tierheim wird unterstützt, der Blasmusikverband Baden-Württemberg und vieles mehr. Allein mit diesem Geld könnte ein Teil des verbilligten Tickets bezahlt werden. Auch bei anderen Haushaltsposten könnte der Rotstift angesetzt werden – die derzeit errechneten 1,3 Millionen Euro jährlich für das Ticket wären rasch beieinander.

Sollten die Kosten wegen eines wachsenden Bedarfs steigen und die Konjunkturlage nicht mehr so viel Geld in die Kreiskasse spülen, könnte der Kreis der Berechtigten auf ein Ticket eingeschränkt werden. Die derzeitige Haltung der Kreisverwaltung ist jedenfalls nicht akzeptabel. Mehr noch: sie ist geradezu kleinmütig.

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