Schläuche in die Röhre: Münchens Feuerwehr war der S-Bahn-Flut nicht gewachsen, also kam auch noch das Technische Hilfswerk. Foto: dpa

Münchens ohnehin störungsanfällige S-Bahn liegt einen ganzen Werktag lang flach, und bis zu einer Entlastung dauert’s Jahre.

München - Für 250 000 Fahrgäste am Tag ist die Münchner S-Bahn zur Olympiade von 1972 geplant worden; heute nutzen sie gut 840 000. Sie fährt längst an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, und gerade das Herz dieses Systems – die Stammstrecke unter der City, in der mit tausend Zügen am Tag alle Linien gebündelt verlaufen – ist so anfällig, dass keine Woche ohne Störung vergeht. Es reicht ein bunter Luftballon von der Wiesn, der gegen die Oberleitung fliegt und – weil aluminiumbedampft – einen Kurzschluss auslöst. Dann stecken stecken wieder tausende von Fahrgästen stundenlang in der Röhre fest.

An diesem Dienstag war’s das Wasser. Fünfzig Zentimeter hoch stand es auf einer Länge von 150 Metern über den Gleisen, gleich westlich vom Hauptbahnhof. Woher es in solcher Menge gekommen ist, kann sich die Deutsche Bahn nicht erklären. Hatte man auch seit Menschengedenken nicht mehr. Jedenfalls lag die Stammstrecke von Dienstag Vormittag bis Mittwoch früh flach. Und weil sich Münchens Öffentlicher Nahverkehr sehr auf die Stammstrecke fokussiert, gibt es kaum leistungsfähige Ausweichrouten. Das Fluchen auf die S-Bahn gehört bei Pendlern dazu.

München 31

Die Entlastung bleibt auch noch länger aus als versprochen. Bei der zweiten Stammstrecke, für die seit kurzem die Baugruben ausgehoben werden, ist der Deutschen Bahn kürzlich die Idee gekommen, dass sie nicht nur zwei Fahrröhren braucht, sondern auch noch einen durchgängigen Rettungsstollen. Der benötigt weitere Umplan-, Genehmigungs- und Bauzeit. Statt 2026 soll die zweite Stammstrecke nun erst 2028 in Betrieb gehen, und eine Lokalzeitung nennt das Projekt in offenkundiger Anspielung – tja, worauf? – bereits „München 31“, weil sie sich vor dem Jahr 2031 ohnehin nichts mehr erwartet.

In der Not treiben Stadt, Land und Bund nun wenigstens gedanklich voran, was Gegner der Stammstrecken-Fixiertheit schon lange anmahnen: eine ringförmige S-Bahn mit mehr Netz- als Nadelöhr-Struktur, also auch mit mehr Kreuzungspunkten zur U-Bahn. Doch das ist eine noch fernere Zukunftsmusik – für eine Stadt, die Jahr für Jahr um bis zu 30 000 Menschen wächst.

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