Menschen, die in Leinfelden-Echterdingen, direkt an den Gleisen leben, wehren sich gehen die seit Jahren zunehmende Belastung durch Lärm undErschütterung. Foto: Thomas Krämer

Nach einem Jahr Kärrnerarbeit hat eine Interessengruppe rund um Ulrich Löchner Vertreter der Bahn zu einem Gespräch an die Gleise nach Unteraichen holen können. Das Unternehmen hat bei diesem Termin auch ein paar Dinge versprochen.

Leinfelden-Echterdingen - Wenn sich aufgrund der Pandemie größere Zusammenkünfte nicht verbieten würden, hätten die Menschen, die in Leinfelden-Echterdingen direkt an den Gleisen oder in den Häusern dahinter wohnen, Grund zum Feiern. Denn der Gruppe rund um Ulrich Löchner, die mittlerweile Bürgerinitiative für menschen- und umweltverträglichen Schienenverkehr in LE (BIMUSLE) heißt, ist es „nach einem Jahr Kärrnerarbeit“ – wie Löchner sagt – gelungen, Vertreter der Bahn nach Unteraichen zu holen, sie zu einem Gespräch zu bemühen, die Probleme also an den Mann zu bringen.

Auf einer Brücke, die über die S-Bahn-Strecke bei Unteraichen und die Rohrer Straße führt, hat die Initiative Verantwortlichen der DB Netze – vor laufender Kamera eines Fernsehsenders – 120 gesammelte Unterschriften überreicht, sowie Fotos von Rissen in Häusern gezeigt. Die Risse kommen, ihrer Meinung nach, höchstwahrscheinlich vom S-Bahnverkehr. „Unser Grundproblem ist der Erschütterungsschall“, sagt Löchner. Immer dann, wenn ein Zug an den Häusern vorbeirauscht, erfassen Erschütterungswellen die Gebäude, berichtet er. Die Wellen bringen Decken und Häuser zum Schwingen. Ein Wummern und Dröhnen entsteht im Haus und breitet sich dort aus.

Zum Erschütterungsschall kommen schlagende Geräusche

Hinzu kommen schlagende Geräusche, die dann zu hören sind, wenn eine Bahn über eine schadhafte Stelle im Gleis fährt. Solche Stellen gibt es laut Löchner entlang der Strecke, die mitten durch Leinfelden-Echtendingen führt, noch immer mehrere. Auch wenn die Bahn, just wenige Tage vor dem Treffen, eine bei Unteraichen ausgebessert hatte.

Ulrich Löchner und seine Mitstreiter wohnen teils seit Jahrzehnten an der Strecke. Sie stören sich nicht am S-Bahn-Verkehr. Doch seit zwei, drei Jahren habe der Lärm und der Erschütterungsschall durch die Züge deutlich zugenommen, beklagen sie. „Das gab es früher nicht“, sagt Löchner. „Für uns ist dieser Zustand nicht akzeptabel und stellt insbesondere nachts eine erhebliche Beeinträchtigung unserer Lebens- und Schlafqualität dar“, heißt es in einem Flugblatt, welche die Gruppe in Briefkästen der Anrainer geworfen hat. 120 Menschen haben das Papier mit der Überschrift „Stoppt den Schienenlärm!“ unterschrieben.

Anwohner wollen ernst genommen werden

Ziel der Aktion: Die Deutsche Bahn dazu zu bewegen, schadhafte Stellen im Gleis zeitnah auszubessern. Das Unternehmen solle sich um die Strecke trotz des auf den Fildern noch laufenden S-21-Planfeststellungsverfahren kümmern. Die Anwohner wollen mit ihren Problemen ernst genommen werden. Bisher hatten Mitarbeiter der DB Netze erklärt, dass der Zustand der Gleise ordnungsgemäß sei und Nacharbeiten nicht erforderlich wären. Nach dem Termin schreibt ein Bahnsprecher auf Nachfrage unserer Zeitung Ähnliches: Das Fahrgastaufkommen sei auch in der Region Stuttgart in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gestiegen. Das Angebot wurde ausgeweitet. Dennoch seien die Züge, die auf den Linien S 2 und S 3 Richtung Filderstadt und Flughafen unterwegs sind, nicht länger geworden. Die Bahnen, die dort eingesetzt werden, würden den heutigen Anforderungen entsprechen und regelmäßig gewartet werden. Der Zustand der Gleise würde regelmäßig inspiziert, beanspruchte Schienen durch neue ersetzt. „Unabhängig davon hat die Bahn zugesagt, weiter zu untersuchen, was die von den Anwohnern vorgebrachten Beeinträchtigungen auslösen könnte.“ Die Deutsche Bahn nehme die Hinweise aus Unteraichen sehr ernst.

Auch die Stadt, die sich eigentlich nicht zuständig fühlt, weil es Sache der Anlieger sei, hier Veränderungen durchzusetzen, hat sich vorgenommen, Druck zu machen und die Bürger in dieser Angelegenheit zu unterstützen. Wie genau, ist noch offen.

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