Öffentlicher Nahverkehr im Kreis Böblingen Leonberger sind künftig schneller in Stuttgart

Von Gerlinde Wicke-Naber 

Busse und Bahnen boomen - auch im Kreis Böblingen. 144.400 Fahrgäste sind hier im Schnitt an jedem Werktag damit unterwegs. Über eine Neuerung freuen können sich bald die Bürger aus dem Raum Leonberg.

Der Expressbus zum Flughafen – hier bei seiner Inbetriebnahme im Dezember 2016 – soll künftig öfter fahren.Foto: factum/Archiv

Kreis Böblingen - Mehr Fahrgäste, schnellere Verbindungen, neue Linien – die Bilanz des öffentlichen Nahverkehrs im Kreis Böblingen kann sich sehen lassen. Der Landrat Roland Bernhard und Horst Stammler, der Geschäftsführer des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS), haben in dieser Woche Zahlen, Fakten und Pläne präsentiert.

Zahlen 144.400 Fahrgäste sind im Schnitt an jedem Werktag mit Bussen und Bahnen im Kreis Böblingen unterwegs. Knapp 75.000 Personen fahren mit einer S-Bahn-, 74.000 Menschen nehmen einen Bus, und 21.000 Fahrgäste sind mit einer Regionalbahn unterwegs (manche Personen nutzen auch an einem Tag mehrere Verkehrsmittel). Im Kreis gibt es drei S-Bahn-Linien, 89 Buslinien sowie vier Regionalbahnlinien, davon sind zwei Nebentalbahnen: die Ammertal- sowie die Schönbuchbahn.

Am größten ist der Anteil des ÖPNV bei Wegen zwischen dem Landkreis und der Stuttgarter Stadtmitte. 55 Prozent dieser Strecken werden mit Bus oder Bahn zurückgelegt. Innerhalb des Kreises nutzen die Menschen nur bei 14 Prozent der Strecken ein öffentliches Verkehrsmittel. Um zwei Prozent stieg im ersten Halbjahr der Verkauf von Tickets gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr zuvor an. 26,8 Millionen Euro investiert der Kreis Böblingen in diesem Jahr in den Bestand und Ausbau des Nahverkehrs.

Tarifzonenreform Profitieren werden die meisten Fahrgäste von der geplanten Tarifzonenreform, die zum 1. April in Kraft treten soll. Dann werden aus den bisher 52 Zonen fünf Ringzonen. Ganz Stuttgart ist dann nur noch eine Tarifzone. Im Kreis Böblingen braucht man von Holzgerlingen nach Leonberg künftig nur noch ein Ticket für zwei statt bisher für fünf Zonen zu lösen. „Der Tarif wird damit einfacher“, sagt Horst Stammler, der Geschäftsführer des VVS. Und für viele Fahrgäste wird er auch deutlich billiger. So reduziert sich beispielsweise der Preis eines Einzeltickets von Böblingen in die Stuttgarter Innenstadt von momentan 5,30 Euro auf dann 4,20 Euro. Das Monatsticket für die gleiche Strecke kostet dann nur noch 96 Euro statt momentan 119 Euro.

Neuheiten Freuen können sich Bürger aus dem Raum Leonberg. Im Dezember schon startet eine neue Expressbus-Linie von Leonberg nach Stuttgart. Diese fährt in 30 Minuten von der Leonberger Altstadt zum Rotebühlplatz. Die neue Buslinie ist gedacht zur oft überfüllten S 6 als Alternative. Die bereits bestehende Expressbus-Linie von Leonberg zur Universität und zum Flughafen erhält nun nachmittags einen Halbstundentakt. Damit kann man statt bisher einmal künftig zweimal pro Stunde zum Flughafen fahren.

Der 15-Minuten-Takt bei der S 1 und S 6 und S 60 wird nach und nach ausgeweitet. Bis 2021 soll es den ganzen Tag über einen solchen Takt geben. Bei den Buslinien gibt es deutliche Verbesserungen. So erhält Renningen die Stadtbuslinie 637, die auch neue Wohngebiete anfährt. Zwischen dem Bahnhof und dem Bosch-Standort gibt es künftig einen 15-Minuten-Takt. Eine bessere Anbindung an Böblingen und Calw haben künftig auch die Aidlinger und Grafenauer durch verbesserte Taktzeiten.

Bauprojekte Der Ausbau und die Elektrifizierung der Schönbuchbahn verteuern sich voraussichtlich um vier Millionen Euro. Die Bauarbeiten kämen aber gut voran, sagte der Landrat Roland Bernhard. Besorgt ist er, weil wegen des Stuttgart-21-Ausbaus eine Kappung der Gäubahn am Bahnhof Stuttgart-Vaihingen droht. Dort müssen die Fahrgäste dann in die S-Bahn umsteigen. Das bedeutet eine Fahrzeitverlängerung von bis zu 19 Minuten. „Das kann man für drei bis vier Monate machen, aber nicht für zwei bis drei Jahre. Dann sind die Fahrgäste weg“, kritisierte Bernhard. Im Herbst werde der Böblinger Kreistag entscheiden, welchen Kostenanteil der Kreis für die geplante Hermann-Hesse-Bahn, die den Kreis Calw und den Schwarzwald an die Region Stuttgart anbinden soll, tragen wird.