Kein Ort mit Aufenthaltsqualität: Paulinenbrücke bei Nacht Foto: Torsten Schöll

Kaum Licht, viele dunkle Ecken und kaum Menschen: Seit Jahren ist das Areal unter der Paulinenbrücke ein Unort. Die CDU-Fraktion im Bezirksbeirat Süd sieht die Sicherheit unter der Brücke gefährdet.

Der Bereich unter der Paulinenbrücke hat noch nie zu den Schokoladenseiten der Stadt gezählt. Seit geraumer Zeit kommt erschwerend hinzu, dass das Areal zur Dauerbaustelle geworden ist. Der Ort sei „zunehmend dem Verfall ausgesetzt“, kritisiert nun die CDU im Bezirksbeirat-Süd. Der dunkle Bereich löse bei Passanten vor allem abends und nachts Ängste aus. Die Fraktion will den Unort deshalb künftig am liebsten mit Videokameras überwachen lassen.

 

Hier bekommt Armut in der Stadt ein Gesicht

In Zeiten, als es hier noch eine Tankstelle gab, galt die Paulinenbrücke als Brennpunkt. Seitdem hatte sich zwar viel verbessert, nach wie vor bekommt hier aber die Armut der Stadt ein Gesicht: Obdachlose sowie Drogen- und Alkoholszene sind unter der Brücke an der Tübinger Straße weiterhin präsent.

Eigentlich nichts Neues: Doch vor allem der andauernde Baustellenbetrieb macht den Ort zunehmend wieder zur Schmuddelecke. „Das subjektive Sicherheitsgefühl der Passantinnen und Passanten, insbesondere der Schülerinnen und Schüler, ist seit geraumer Zeit erheblich beeinträchtigt“, betonen nun die CDU-Bezirksbeiräte Bruno Wagenblast und Roland Petri im Bezirksbeirat Süd.

Schüler vom Karlsgymnasium sind beunruhigt

Laut der Fraktion gebe es neuerdings Rückmeldungen von Schülern des nahen Karlsgymnasiums sowie „von anderen Personen“, die sich entsprechend negativ über den Zustand unter der Brücke äußern. Der Durchgang wird von einer Vielzahl an Schülern auf ihrem Schulweg frequentiert, ebenso von Passanten auf dem Weg zu den Geschäften und ins Einkaufszentrum Gerber.

Mit einem entsprechenden Antrag will die CDU-Fraktion im Bezirksbeirat jetzt von der Stadt prüfen lassen, ob der Bereich künftig mit Videokameras überwacht werden kann, um „eine abschreckende Wirkung auf potenzielle Straftäter“ zu erzielen. Ob sich hier in der jüngeren Vergangenheit tatsächlich gehäuft Straftaten zugetragen haben, ist der Fraktion nicht bekannt.

„Als Frau fühlt man sich abends nicht wohl“

Dass der Ort zumindest gefühlt wieder problematisch ist, bestätigt im Bezirksbeirat Süd auch SPD-Gremiumsmitglied Marion Eisele. „Als Frau fühlt man sich hier abends nicht wohl“, sagt sie und betont, dass der Straßenabschnitt seit einiger Zeit schlecht beleuchtet ist. Ein höheres Sicherheitsgefühl würde sich deshalb schon einstellen, wenn es unter der Paulinenbrücke bei Nacht heller wäre. Wegen der Dunkelheit würde im Übrigen auch eine Videoüberwachung nicht funktionieren. Tatsächlich scheinen an der Westseite der Brücke angebrachte Leuchtstoffröhren außer Betrieb zu sein.

Verschiedene Gremiumsmitglieder zeigten sich vom Vorstoß der CDU überrascht: „Wir sehen unter der Brücke eine hohe soziale Kontrolle“, sagt Jens Hermann (Puls). Anette Vogt (Grüne) erklärt, dass die Polizei in dem Bereich ohnehin große Präsenz zeige. Zudem werde mit der künftigen Interimsfeuerwache Süd, die in den kommenden Jahren unter der Brücke ihren Platz finden wird, der Ort noch weiter belebt.

Stadt soll einschreiten

Auch wenn am Ende nicht alle Bezirksbeiratsmitglieder die Installation von Videokameras für sinnvoll halten, darüber, dass es für ein besseres Sicherheitsgefühl unter der Brücke an der Grenze zwischen Süd und Mitte Maßnahmen braucht, sind sich bei der Gremiumssitzung am Dienstagabend fast alle einig. Die Stadt, fordert nun der Bezirksbeirat, solle entsprechende Untersuchungen einleiten, wie das Sicherheitsgefühl unter der Paulinenbrücke wieder verbessert werden kann. Mit oder ohne Videokameras.