Frauenanteil in den Parlamenten der OECD-Länder Foto: OECD Gender Data Portal

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlicht am Weltfrauentag Empfehlungen zur Geschlechtergleichheit.

Berlin - Mit 37 Prozent weiblich besetzter Parlamentssitze steht Deutschland im Vergleich der OECD-Länder noch ganz gut da: Denn auch im Jahr 2015 stellten Frauen in den Parlamenten der meisten Länder noch immer eine Minderheit dar. Die von den Vereinten Nationen (UN) empfohlene 30-Prozent-Quote hat bisher nicht einmal die Hälfte der OECD-Länder erreicht. Das geht aus einer Erhebung der OECD hervor, die sie mit einer Reihe von Empfehlungen zur Förderung der Gleichstellung an diesem Dienstag, dem Weltfrauentag, veröffentlichte.

„Frauen dazu zu ermutigen, eine größere Rolle in öffentlichen Einrichtungen zu übernehmen, ist nicht nur moralisch richtig, sondern auch gut für die Leistung dieser Institutionen“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría bei der Veröffentlichung der Empfehlungen während einer OECD-Konferenz. Ein Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen zu erreichen, benötige einen Kulturwandel, so Gurría. Mit konkreten Maßnahmen wie Gleichstellungsgesetze sowie flexiblere Arbeitszeiten für arbeitstätige Mütter und Anreize für Väter, Elternzeit zu nehmen, ließe sich dieser aber beschleunigen.

Im OECD-Durchschnitt hatten Frauen im vergangenen Jahr 29 Prozent der Parlamentssitze inne – 2005 waren es noch 23 Prozent. Die Anzahl der weiblichen Minister lag 2015 durchschnittlich ebenfalls bei 29 Prozent (21 Prozent im Jahr 2005). Mit 44 Prozent weiblich besetzter Parlamentssitze steht Schweden im direkten Vergleich der OECD-Länder an der Spitze. Deutschland folgt mit 37 Prozent an dritter Stelle. Schlusslicht ist Japan mit zehn Prozent.

Unterschiede zwischen den Parteien

Deutliche Unterschiede gibt es in Deutschland zwischen den politischen Parteien: Während der Prozentsatz der Frauen in der CDU bei 24,8 Prozent liegt, kommen die Sozialdemokraten auf 42,2 Prozent, die Grünen auf 55,6 Prozent, die Linken sogar auf 56,3 Prozent Frauen.

Weltweit gesehen, machen Frauen sechs Prozent der Staatsoberhäupter aus. Hier hat sich im Vergleich zu 2005 (vier Prozent) nur wenig geändert. In den Staaten, die der OECD nicht angehören, sind durchschnittlich gerade einmal 20 Prozent der Parlamentsmitglieder Frauen. Ihr Anteil reicht von null Prozent in Haiti und Qatar bis hin zu 63 Prozent in Ruanda – dem Staat mit den meisten weiblichen Ministern weltweit.    

In ihren Empfehlungen fordert die OECD deshalb unter anderem, die Teilhabe von Frauen in den Parlamenten, dem Gerichtswesen und anderen öffentlichen Institutionen weiterhin zu fördern. So soll eine Balance von Männern und Frauen in Entscheidungsträgerpositionen erreicht werden. Zudem ruft die OECD ihre Mitgliedsländer dazu auf, Chancengleichheit und eine faire Löhne zu gewährleisten - wenn nötig, per Gesetz. Allerdings weist die Organisation auch darauf hin, dass Quoten nicht immer zum Ziel führen. So liege der Anteil weiblich besetzter Parlamentssitze in den Quoten-Ländern Brasilien und Demokratische Republik bei weniger als 10 Prozent, während Finnland und Schweden auch ohne Quoten viele Ministerinnen haben.  

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