Occupy Villa Berg sammelt Ideen für die Zukunft Foto: Max Kovalenko

Sie verwandelt sich in einen Schutthaufen, langsam aber sicher. Die Villa Berg liegt seit Jahren brach. Während Stadt und Besitzer im Stellungskrieg verharren, versuchen Bürger das Kleinod zu retten. Sie nennen sich Occupy Villa Berg und haben nun erreicht, dass der Pavillon im Rosengarten saniert wird.

Stuttgart - Wenn man Geld hat, also richtig viel Geld, dann kann man sich ein Formel-1-Team kaufen, Fußballklubs – und den Zugang zur Villa Berg. Wer sich als Normalo in der Villa umschauen möchte, mal den Sendesaal betrachten oder die Löcher in der Decke zählen möchte, der scheitert an den Bauzäunen. Sie sollen die Bürger fernhalten, auf dass sie nicht erschlagen werden von Trümmern der zerbröckelnden Villa. Für eine Party von Red Bull allerdings machte der Besitzer PDI eine Ausnahme, der Getränkehersteller karrte im Herbst vergangenen Jahres handverlesene Gäste zum Feiern herbei.

Christian Dosch und Deborah Brinkschulte waren nicht geladen. Ihr Fest war tags darauf. Sie organisierten mit ihren Mitstreitern von Occupy Villa Berg ein „Bergkonzert“. Zwei Musiker spielten umsonst im Park, rund 200 Zuhörer kamen. „Wir wollen aufzeigen, was möglich sein könnte an diesem Ort“, sagt Dosch. Und so organisieren sie Spaziergänge, da wird der Park entdeckt, die Botanik erläutert und auch mal Wildkräuter gepflückt. Konzerte gibt es und auch Schauspiel. Jüngst zeigte das Atelier Theater im Pavillon am Rosengarten einige russische Stücke.

Ein Theater der anderen Art,führen derweil die Stadt und der Projektentwickler PDI auf. 2007 hatte der SWR die Villa an Investor Rudi Häussler verkaufte. Nach dessen Insolvenz übernahm PDI die Villa. Er wollte Wohnungen statt der Fernsehstudios bauen, ein Varieté sollte in die Villa einziehen. Doch 2012 weigerte sich der Gemeinderat das Baurecht zu ändern, im Park sollen keine Wohnungen entstehen. Die Stadt bekundete zwar den Willen, die Villa von PDI zu kaufen, doch geschehen ist seitdem: Nichts! Von Seiten der Stadt erfährt man, man sei in guten Gesprächen und verhandele unverdrossen weiter. PDI richtet via E-Mail aus: „Wir möchten uns zur Zeit nicht dazu äußern und bitten um Ihr Verständnis.“

Das Verständnis bei den Aktiven von Occupy Villa Berg schwindet so allmählich. Vor zwei Jahren haben sie zusammengefunden. Anwohner sind sie, kommen aber auch aus ganz Stuttgart, Musiker, Architekten, Beamte, Rentner, Studenten sind dabei; eines eint sie: die Liebe zum Park und zur Villa. Sie wollen, dass die Anlage im Besitz der Bürger bleibt und Ideen für eine Nutzung entwickeln. Dosch: „Wir verstehen uns als Plattform, die Ideen sammelt und Anregungen gibt.“ Die Bürger ließen sich nicht lange bitten: Schlittenfahren im Park, ein Fußballplatz, ein Café, ein Filmhaus, der Wünsche gibt es viele. Mit Präferenz für einen Ort, der allen gehört und nicht nur einer kleinen Kaste . Dosch: „Die meisten wünschen sich einen kulturellen und gastronomischen Ort, der sich in die Stadt öffnet.“ Sie haben all dies gebündelt und in einem Bericht an die Stadt übergeben. Das war vor anderthalb Jahren.

Seitdem habe man immer wieder versucht zu erfahren, wie denn die Verhandlungen gedeihen. Vergebens. „Wir sehen, das es schwierig ist“, sagt Dosch. Er ist als Leiter der Film Commission und sachkundiger Bürger im Gemeinderats-Ausschuss für Kultur und Medien durchaus mit den Gepflogenheiten und Fährnissen der Kommunalpolitik vertraut. Doch nach zwei Jahren des Verhandelns müsse Schluss mit der Geheimdiplomatie sein. „Woran hakt es? was wird verhandelt? Wer hat welches Angebot auf den Tisch gelegt“ , sagt er, „wir brauchen endlich Transparenz.“ Auch um den Bürgern, die sich für die Villa engagieren, Rückendeckung zu geben.

Denn die Ungewissheit zehrt. Zwei Dutzend Aktive waren sie mal, mittlerweile sind „wir noch drei bis fünf.“ Man gerate natürlich ins Zweifeln, ob sich all die Zeit und das Engagement lohne, sagt Dosch. Immerhin, über einen Erfolg dürfen sie sich freuen. Durch ihre Veranstaltungen kamen sie in Kontakt mit der Hochschule für Technik. Und schreitet nun zur Tat. In naher Zukunft soll der Pavillon Belvedere am Rosengarten gereinigt und saniert werden. Die Firma Kärcher hilft, ebenso das Garten-, Friedhofs- und Forstamt sowie Amt für Denkmalschutz. Ein erster kleiner Schritt. Dem viele große folgen sollen. Damit bald wieder alle, die Villa Berg betreten dürfen. Und nicht nur die mit einem großen Geldbeutel.

Occupy Villa Berg lädt heute, 19 Uhr, zum offenen Stammtisch in die Gaststätte Friedenau, Rotenbergstraße 127. Stadtplaner Martin Holch informiert über das geplante Sanierungsgebiet am Stöckach. Zu diesem gehört auch die Villa Berg samt Park.

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