„Ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es nicht. Ich mache das nach bestem Wissen und Gewissen, in kleinster Dosierung“, sagte Christian Hörnle beim „Obstrundgang“. Foto: gli

Christian Hörnle vom gleichnamigen Obsthof in Weilimdorf sieht durch mögliche Auflagen aus dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ seine Existenz bedroht.

Weilimdorf - Frisch gepflückte Äpfel gibt es schon seit Wochen, dank früher Sorten. Jetzt aber steht das Hauptgeschäft an, die Ernte der „Lageräpfel“: „Nächste Woche geht es voll los“, sagt Christian Hörnle. Davor führt er noch eine große Gruppe Besucher durch seine zwischen Bundesstraße und Fasanengarten befindlichen Plantagen. Denn Hörnle ist ein Obstbauer, der sichtbar Freude an den Früchten seiner Arbeit hat. Auch daran, die geneigte Kundschaft daran teilhaben zu lassen und den Genuss durch Wissen anzureichern.

An diesem heißen Sonntagnachmittag aber, der als Veranstaltung des Obst- und Gartenbauvereins unter dem unverfänglichen Titel „Aktuelles zum Anbau“ lief, war der Gang durch die Obstplantagen von einer Thematik überlagert, die über Hörnles Obsthof wie ein Damoklesschwert zu hängen scheint: das Volksbegehren „Rettet die Bienen“. „Wenn diese hohen Auflagen kommen, mit 50 Prozent reinem Bio-Anbau, dann weiß ich nicht wie es weitergeht“, bekannte Hörnle zu Beginn am Speierling. Detailreich legte er dar, wie er bereits „ressourcenschonenden Umweltschutz“ praktiziere: „Wir machen kontrollierten, integrierten Anbau, nach den hohen Standards, die wir in Deutschland haben. Aber ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es nicht. Ich mache das nach bestem Wissen und Gewissen, in kleinster Dosierung.“

Dabei redete Hörnle auch Klartext bei der Frage eines Teilnehmers, wie er es mit Glyphosat halte: „Ganz früh im Jahr, direkt unter den Bäumen. Sonst muss ich mit gewaltigem Aufwand fünf Mal im Jahr mähen und die Bienen haben auch nichts davon.“ Wie schwierig es ist, „ganz ohne“ auszukommen, erläuterte er am Beispiel der später aufspießenden Hühnerhirse, derer er nun kaum noch Herr wird. „Ich weiß, Glyphosat ist ein Politikum, das wird verboten. Ich weiß nicht, wie das dann weitergeht. Das ist total ernst.“

Dann aber teilte er mit den Gästen über zwei Stunden lang die Freuden eines fruchtreichen Jahres, wobei auch die Naschkatzen auf ihre Kosten kamen. Nicht zuletzt bei den Zwetschgen. Über 30 Sorten an Äpfeln hat Hörnle zu bieten auf seinen zehn Hektar Kulturfläche mit gut 10 000 Bäumen. Und mit inzwischen fast 800 Metern an extensiven, mehrjährigen Blühflächen mit Wildkräutern betreibt er besonderen Artenschutz. Nicht zuletzt für die gefährdeten Wildbienen.

Vielfalt ist Trumpf,

Zum Abschluss ging es in die Birnen-Plantagen, wo das Geißhirtle schon abgeerntet ist. Auch hier ist Vielfalt Trumpf, wie auch die Anpassung an sich den ändernden Kundengeschmack. Zum Beispiel mit der Renaissance der Xenia, einer wiederentdeckten alten Sorte, die für die Alexander Lukas in die Bresche springt, weil diese Sorte „nicht mehr so verlangt wird“. Auch an der Williams waren schon die Pflücker, „und der Rest ist Schnaps“. Nun ist die Gute Luise dran. Und natürlich die Conference, die am meisten nachgefragte Sorte. Angesichts doldenweise vollhängender Bäume ist die Begeisterung des Obstbauern mit den Händen greifbar. Kurz jedenfalls, und auch hier dürfen sich die Besucher bedienen, frisch vom Baum.

Beim Thema Fraßschäden durch Wespen ringt Hörnle allerdings um seine gute Laune. Er hat zwar Schnupperfallen gebastelt, mit einer Mischung aus Zuckerwasser, Essig und Spülmittel, mit zwei Dutzend eingefangenen Wespen ist die „Beute“ aber eher bescheiden. Und der Schaden ist eh schon da: „50 Prozent der Birnen sind von Wespen angefressen. Die kann ich wegschmeißen“, sagt Hörnle.

Einheimische Landwirtschaft unterstützen

Dann schließt der Obstbauer den Bogen zum Beginn, appelliert, die einheimische Landwirtschaft zu unterstützen, und unterstreicht: „Wir haben schon hohe Standards. Jeder muss mehr machen, das ist klar. Aber 50 Prozent der Fläche ohne jeglichen Mitteleinsatz, das ist fernab jeder Realität. Dann weiß ich nicht, wie es weitergeht.“ Dass es im Fall des Falles nicht „weitergehen“ würde mit seinem Obsthof, das will Hörnle so nicht sagen. Jedenfalls nicht laut. Und ebenso leise fügt hinzu: „Sie merken, dieser Nachmittag war mir sehr wichtig.“

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