Es dauert nur noch wenige Wochen, dann sind Erdbeeren und Spargel erntereif. Foto: Archiv (dpa)

Die Obstbauern Jürgen Stirm und Jens Eisenmann hoffen, die Erdbeerernte mit Arbeitskräften bestreiten zu können. Die Corona-Krise mit ihren geschlossenen Grenzen verhindert die Einreise der Saisonarbeiter.

Es ist für Jürgen Stirm so etwas wie die Ruhe vor dem großen Sturm. Erst in vier Wochen beginnt die Erdbeerernte, doch der Obstbauer aus dem Marbacher Teilort Rielingshausen rechnet mit dem Schlimmsten. Das wäre der Fall, wenn die rund 30 Saisonarbeiter aus Polen und Rumänien, die er sonst immer beschäftigt, nicht einreisen dürfen. Geschlossene Grenzen in Europa verhindern den gewohnten Pendlerverkehr – momentan ist das noch kein Problem, aber es ist auch längst nicht absehbar, wie lange das Coronavirus noch die Arbeitswelt lähmt.

Die Arbeit geht in die Knochen
Die Ungewissheit macht Jürgen Stirm zu schaffen. „Ein Teil unserer Arbeiter wird vielleicht kommen dürfen, der andere nicht – wir werden wohl mit dann hoffentlich motivierten inländischen Kräften die Ernte einholen müssen.“ Ob diese Ersatzwerktätigen jedoch ähnlich schnell und robust wie die osteuropäischen Saisonarbeiter zupacken, daran hat nicht nur Stirm seine Zweifel: „Wir hatten vor mehr als zehn Jahren schon mal Arbeitslose auf den Feldern – das hat überhaupt nicht funktioniert.“ Die harte Arbeit, die morgens um 6 Uhr beginnt, geht in die Knochen. Wer in gebückter Haltung für einen Mindestlohn von 9,35 Euro stundenlang Erdbeeren pflückt oder Spargel sticht, muss hart im Nehmen sein. Egal ob Arbeitslose, Asylbewerber oder Schüler: Sie alle müsste Stirm sozialversicherungspflichtig anmelden und entsprechend bezahlen, doch schwarze Zahlen könne sein Unternehmen am Ende nur schreiben, wenn die Arbeiter auch die entsprechenden Erträge erzielten.

Jürgen Stirm berichtet von drei möglichen Neueinsteigern, die bei ihm angefragt hätten. Sie stammten aus dem Bereich der Gastronomie, und ein Studierender wäre dabei gewesen. „Es gibt neuerdings im Internet Plattformen, auf denen sich Interessierte registrieren lassen können.“ So wird etwa die Internet-Seite www.daslandhilft.de vom Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt. Sie soll dazu beitragen, dass bundesweit 300 000 fehlende Arbeitskräfte für die Erntearbeit gefunden werden.

Anforderungen werden oft unterschätzt
Den Vorschlag von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Asylbewerber als Erntehelfer einzusetzen, hält Stirms Rielingshäuser Kollege Jens Eisenmann hingegen schlichtweg „für eine Frechheit“. Nicht jeder Ungelernte könne einfach die harte Arbeit verrichten -„sie wird unterschätzt“. Eisenmann erinnert sich an das Jahr 2008, als der Gesetzgeber bestimmte, bei zehn Saisonarbeitern müsse mindestens ein Arbeitsloser eingestellt werden. „Von den 100 Arbeitslosen, die das Jobcenter mir nannte, sollten immer fünf angelernt werden, es kamen aber nur drei – davon hat es einer länger als einen Tag geschafft.“

Nun hofft Jens Eisenmann, dass es wenigstens ein Teil seiner Saisonarbeiter schafft, bei ihm auf seinen 50 Hektar Anbaufläche arbeiten zu dürfen. Besonders der Beginn der Erdbeerernte sei wichtig, da die ersten Früchte auf dem Acker nicht verfaulen dürften. „Es könnte auf eine Kombilösung hinauslaufen“, denkt Eisenmann. Möglicherweise würde also ein Teil des rund 50-köpfigen Teams bei ihm aus inländischen Kräften bestehen. Mehr als 20 Interessierte hätten schon angefragt. Meistens seien es Kurzarbeiter. Allerdings müsse der Staat wohl bei den Regelungen zum Kurzarbeitergeld nachbessern, findet der Unternehmer. „Wenn jemand, der bei uns hilft, die Hälfte des Verdiensts wieder abgeben muss, lohnt es sich für ihn wohl kaum.“ Trotzdem ist Jens Eisenmann dankbar dafür, dass der Staat hilft.

Angesichts der Pandemie und ihrer Folgen macht sich auch Eisenmann Gedanken, wie es weitergeht. „Wir fahren gerade absolut auf Sicht und machen nur das Nötigste.“ Wichtig sei, dass sich vom Personal, auch in seinem Hofladen, niemand anstecke. Der Obstbauer hofft, dass die Krise bald zu Ende ist. Nach Ostern will er über die Erntehelfer entscheiden.

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