Familie Walker hört in der Markthalle auf: (v. li.) : Conny Kellner, Dennis Ott und Sandra Walker. Foto: Lg/MaxKovalenko

Das Ende kommt überraschend: Die Familie Walker gibt nach 30 Jahren ihren Gemüse- und Obststand in der Stuttgarter Markthalle auf. Das liegt aber nicht an wirtschaftlichen Gründen.

Stuttgart - Die Nachricht erwischt Kollegen und Kunden der Markthalle auf dem falschen Fuß: Die Walkers hören an diesem Samstag auf – nach fast 30 Jahren. Der Obst- und Gemüse-Stand schließt. Zum Abschied heftet Bernd Walker (53) ein kleines Schild mit Worten der Dankbarkeit an seinen Stand. „Die letzten 29 Jahre waren voller toller Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse – und Sie waren ein Teil davon. Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, welche dem Leben ihren Wert geben.“

Die Lektüre dieser Zeilen macht manche traurig, noch mehr aber sind ratlos. Nun gibt es nur noch zwei Obst- und Gemüsehändler. Früher waren es einmal elf. Erwischt es etwa wieder einen Händler in der City, weil die Rahmenbedingen und das Einkaufsverhalten der Menschen sich ändern? Bernd Walker und seine Frau Sandra (43) winken ab und lachen. Alles ganz anders. Beide wollen einfach ein neues Leben beginnen, mehr Zeit für sich und andere Dinge haben. „Es hat überhaupt keine wirtschaftlichen Hintergründe“, sagt Bernd Walker. Im Gegenteil: Die Geschäfte laufen besser denn je. Es sei bisher das beste Jahr. Und daher gilt für ihn: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Vom Chef zum Angestellten

Freilich verschweigt der Obst- und Gemüsehändler nicht, dass sein Beruf einen hohen Preis fordert. Die Sechstage-Woche beginnt für ihn um 1.15 Uhr. „Danach folgt ein 17-, 18-Stundentag“, sagt er, „aber wer seinen Kunden beste Qualität bieten will, muss es so machen.“ Aber eben nicht bis zum Ende aller Tage. „Man sagt immer: Ja, ja, das kannst du später noch machen. Aber ganz oft gibt es eben kein Später. Dann macht es zack – und das war’s.“

Soweit soll es nicht kommen. Daher wird Bernd Walker in Zukunft als Angestellter auf dem Großmarkt arbeiten. Ganz geregelt, mit Urlaub und ohne Sorgen eines Selbstständigen. Dort beginnt die Arbeit zwar auch in aller Herrgottsfrüh, aber eben nicht schon um kurz nach eins. Wahrscheinlich wird er seinen Stand bald doch ein wenig vermissen. Schon sagt er: „Es hat unglaublich Spaß gemacht. Es endet eine Ära.“ Und noch ist ungewiss, wie es an diesem Stand in der Markthalle weiter geht. Bewerber, die dem Qualitätsstandard der Markthalle entsprechen, stehen nicht an jeder Ecke. „Aber wir sind dran“, sagt Hans Eisele vom städtischen Marktamt, „wir wollen auf jeden Fall wieder einen Obst- und Gemüsehändler.“ Soll heißen: Auch in Zukunft wird es nicht gute Qualität, sondern wahrscheinlich auch gute Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse geben.

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