In Ditzingen gibt es noch ausreichend Helfer, die sich um die Streuobstwiesen kümmern.Wolfgang Gommel wirbt für die Erhaltung der Kulturlandschaft. Foto: factum/Granville

Wolfgang Gommel hat viele neue Ideen für den Obst-und Gartenbauverein. Aber es fehlen die Mitstreiter, um diese Gedanken in die Tat umzusetzen.

Ditzingen - Wolfgang Gommel sucht dringend einen Kassierer für seinen Verein, den Heimerdinger Obst- und Gartenbauverein. Doch wenn’s nur das wäre: der Vorsitzende hat viele Ideen, die man in dem in die Jahre gekommenen Verein umsetzen könnte, würden nicht die Mitstreiter fehlen. Wenigstens das: das Obst von den Streuobstwiesen zu sammeln, ist nicht nur in Heimerdingen, sondern in ganz Ditzingen kein Problem. Wo andernorts schon geklagt wird, dass sich niemand mehr an der Pflege der Kulturlandschaft beteiligt, kann Gommel auf die alljährliche Unterstützung zuverlässiger Obstaufleser setzen. Möglicherweise ist das ein Erbe des langjährigen, inzwischen verstorbenen Vereinsvorsitzenden Fritz Loser. Loser, zugleich Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau, hatte unermüdlich für Pflege und Erhaltung der Natur geworben.

Mehrere Hundert Bäume bewirtschaften

Losers Schnittkurse waren legendär, sie gibt es heute noch. Die Teilnehmer sind auch dort wie eben im Verein häufig älteren Semesters. Wer einmal Mitglied ist, bleibe, sagt Gommel. „Die Mitglieder verlassen den Verein nicht.“ Aber neue hinzuzugewinnen ist eben nicht so einfach, auch wenn die Zahl konstant bei rund 230 bleibt. Vor zwei Jahren, erzählt Wolfgang Gommel, habe er eine „große Gruppe junger Leute“ geworben. Aber ihr Engagement ist, wie in vielen anderen Vereinen auch, begrenzt. Den Berufstätigen fehlt die Zeit, der Verein steht in Konkurrenz zu vielen anderen Freizeitangeboten.

Er und seine Familie bewirtschaften selbst 300 Bäume, für die auch schon die vorige Generation Sorge trug. Im Frühjahr und im Herbst öffnet der Besen im Haus des pensionierten Kriminalhauptkommissars und CDU-Stadtrats. Der heute 64-Jährige war zuletzt Polizeiführer vom Dienst beim Landeskriminalamt. Zu seiner Studienzeit wurde der Most dem Wein gleichgestellt, ein Mostbesen wurde möglich. Gommel kam das gelegen. Lange hatte sich der Heimerdinger mit der Idee getragen, einen Besen zu eröffnen, ehe er die Idee vor rund 25 Jahren dann Wirklichkeit werden ließ. Er, der sein Berufsleben lang angestellt war, wollte selbstständig sein. Mehr noch: „Ich wollte selbstständig etwas zum Erfolg führen“, sagt Gommel. Dass die Heimerdinger nicht in ihrem eigenen Ort ausgehen, hat dem Besen nicht geschadet. Vor allem Auswärtige belegen die 40 Plätze, die der Besen maximal haben darf. Vor Kurzem erst ging die Besenzeit zu Ende.

Kooperation mit den Landwirten

Dabei fordert ihn der Verein auch im Winter. Der Obst- und Gartenbauverein mache da mehr als im Sommer, so Gommel. Der Sommer im Verein endet mit der Mostaktion mit den Grundschülern. Danach geht es an die Vorplanung und Pflege der Gärten in der neuen Saison. Dazu sind Ausflüge und Fachvorträge geplant. Ursprünglich sei es den Mitgliedern darum gegangen, ertragreich etwa Rettich und gelbe Rüben zu pflanzen, so Gommel. Der Garten diente im Nebenerwerb der Versorgung der Bevölkerung. Auch wenn dies heute keine Rolle mehr spiele, gehe es noch immer um die Pflege der Natur, so Gommel, um die Erhaltung der Kulturlandschaft. Er freut sich daher über die Zusammenarbeit mit den Landwirten. Sie weisen Ackerrandstreifen aus, die zum Lebensraum werden für Blumen, Kräuter und Insekten.

Die Natur, die Schrebergärten und Streuobstwiesen, wird geschätzt, umso mehr die Globalisierung die Menschen verunsichert. Das weiß Gommel wohl. Er würde deshalb gerne Angebote machen, um ein Bewusstsein zu schaffen für die Landschaft. Den Menschen könnte ein Naturerlebnis geboten werden, ist er überzeugt. „Quigong unterm Birnbaum“, nennt er ein Beispiel. Allein es fehlen ihm die Mitstreiter, die das Angebot machen.

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