Baumschnitte üben Thomas Weber, Corinna Jaron-Theiler, Dietmar Maier und Philipp Flaig (von links) vom Obst- und Gartenbauverein gerne gemeinsam. Foto: Horst Rudel

Vor 100 Jahren ist der Obst- und Gartenbauverein Neuhausen gegründet worden. Heute spricht der Verein mit Rosenschnittkursen und Kräuterwanderungen junge Leute an.

Eine Jubiläumswiese legen die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Neuhausen zum 100-jährigen Bestehen an. Unterhalb der Josefskapelle wird die Wiese im Frühjahr mit den ersten Bäumen bepflanzt. „Da dürfen unsere Mitglieder und solche, die es werden wollen, zu besonderen Anlässen wie Geburten oder Hochzeiten Bäume pflanzen“, sagt Corinna Jaron-Theiler. Die 50-Jährige kümmert sich in dem Verein um die Öffentlichkeitsarbeit. Wer keine eigene Wiese oder einen Garten hat, darf dort einen eigenen Baum setzen.

 

Die Idee stammte von den Obst- und Gartenbauern. Die Wiese stellt die Gemeinde Neuhausen bereit. „Ein schönes Projekt, um den Streuobst-Anbau zu pflegen“, sagte Neuhausens Ortsbaumeister Rainer Däschler, der selbst auf der Schwäbischen Alb Wiesen mit Apfel- und Kirschbäumen hat.

Jeder kümmert sich um den eigenen Baum

Das Konzept lässt den Baumbesitzerinnen und -besitzern Freiraum. „Jede und jeder kümmert sich selbst um den gepflanzten Baum“, sagt Jaron-Theiler. Wer damit aber erst mal nicht klar kommt, darf sich an die fachkundigen Experten wenden. „So wollen wir gerade junge Familien für den Obstanbau begeistern“, bringt Jaron-Theiler das Ziel des Vereins auf den Punkt. Zwar könne der OGV nicht über Nachwuchssorgen klagen, „aber es könnten noch mehr junge Menschen sein.“ In Zeiten, da Natur, Klimaschutz und Nachhaltigkeit für die junge Generation zentrale Themen sind, möchte der Neuhausener Verein gerade junge Menschen für die Natur interessieren.

„Man muss keinen großen Garten haben, um sich im Jahresprogramm wiederzufinden“, sagt Thomas Weber. Der zweite Vorsitzende ist überzeugt, „dass man auch auf dem Balkon einen wunderschönen Mini-Garten anlegen kann.“ Wie das gelingen kann, vermitteln die Gartenfreunde mit Kursen oder im persönlichen Gespräch. „Da haben wir viele Tipps“, sagt Weber. Er ist seit 1999 stellvertretender Vorsitzender. Aus seiner Sicht hat sich die Arbeit in den vergangenen 20 Jahren deutlich gewandelt. „Wir wollen gerade auch die Single-Haushalte für unsere naturnahen Projekte interessieren, also Leute, die keinen großen Garten haben“, sagt Thomas Weber.

Themen für junge Menschen anpacken

Bereits seit 27 Jahren ist Dietmar Maier Vorsitzender der Obst- und Gartenbauer. Neben den klassischen Baumschnitt-Kursen bieten die ausgebildeten Baumexperten verstärkt Themen an, die auch junge Leute interessieren.

Als der Obst- und Gartenbauverein vor 100 Jahren am 18. Februar 1923 gegründet wurde, hatte der Anbau vor der eigenen Haustüre noch einen sehr viel höheren Stellenwert. Da versorgten sich viele Familien über ihr eigenes Wiesle selbst. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg litten die Menschen große Not. Das eigene Gärtle war da überlebenswichtig. „Uns ist es wichtig, das Wissen früherer Generationen an die jungen Leuten weiterzugeben“, sagt Dietmar Maier. Damit es auch in kleineren Gärten richtig grünt und blüht, ist zum Beispiel der richtige Rosenschnitt wichtig. Da hat Philippp Flaig wertvolle Tipps, der seit sechs Jahren als Kassier tätig ist. Die Rosen- und Baumschnittkurse werden nach seinen Worten seit Jahren rege nachgefragt und kommen bestens an.

„Unsere Arbeit ist nicht zuletzt wegen des Klimaschutzes wichtig“, ist Corinna Jaron-Theiler überzeugt. Die Gartenfreundin möchte gerade jungen Familien „Impulse geben, ihre Gärten so zu bepflanzen, dass sich auch Insekten und Vögel dort wohlfühlen.“ Das ist für sie die wichtigste Aufgabe einer zukunftsweisenden Vereinsarbeit. Da sieht sich die Öffentlichkeitsbeauftragte in der Vermittlerrolle.

Die Gaben der Natur nutzen

Dass durch Wohnungsnot und Geschosswohnungsbau immer weniger Menschen eigene Gärten haben, sieht Jaron-Theiler als Chance. „Den Menschen Lust machen, sich in der Natur zu bewegen und deren Gaben zu nutzen“, das findet sie einfach schön. Deshalb lädt der Obst- und Gartenbauverein im Jubiläumsjahr zu einer Kräuterwanderung am 6. Mai ein: „Da lernen wir die Küchenkräuter kennen, die in freier Natur wachsen.“ Zu entdecken, was am Straßenrand wächst und beim Kochen verwertet werden kann, das findet Jaron-Theiler spannend: „Dazu braucht man gar keinen eigenen Garten.“

Neue Mitglieder sind beim Obst- und Gartenbauverein Neuhausen willkommen. Wer sich für einen Baum auf der Jubiläumswiese unterhalb der Josefskapelle oder für die Mitgliedschaft im Verein interessiert, darf sich bei Dietmar Maier unter Telefon 0 71 58/614 91 melden.

Volles Programm im Jubiläumsjahr

Schnittkurse
 Am Samstag, 25. Februar, findet eine Winterschnitt-Unterweisung im Garten von Hans Sigl, Bäderstraße 15, statt. Ein Rosenschnittkurs ist am 11. März im Garten von Philipp Flaig, Lindenstraße 24/8, geplant. Diese praktischen Kurse sind beim Obst- und Gartenbauverein nach wie vor sehr beliebt.

Aktivitäten
 Am Donnerstag, 16. März, ist die Jahreshauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins Neuhausen im Saalbau. Beginn ist um 19 Uhr. Am 6. Mai ist eine Kräuterwanderung rund um die Fildergemeinde geplant (14.30 Uhr). Der Jahresausflug auf die Insel Mainau steht am 24. Juni auf dem Terminplan.

Jubiläum
 In Zusammenarbeit mit dem Albverein ist am 15. und 16. Juli eine Wanderung an der Gemarkungsgrenze geplant. Das Jubiläumswochenende findet am 23. und 24. September statt. Der Festakt ist am Samstag; am Sonntag wird das Mostfest im und um das katholische Gemeindehaus in Neuhausen gefeiert.