Oberstadion Rekordversuch mit Osterbrunnen

Von Ingrid Sachsenmaier 

Tausende  Ostereier wurden in Oberstadion bemalt. Foto: Sachsenmaier
Tausende Ostereier wurden in Oberstadion bemalt. Foto: Sachsenmaier

Im oberschwäbischen Oberstadion ist Ostern das ganze Jahr ein Thema. Denn um es mit dem Osterbrunnen ins Guinness-Buch der Rekorde zu schaffen, müssen viele Tausend Eier ausgeblasen und bemalt werden.

Oberstadion - Seit ein paar Tagen ist der Bürgersaal von Oberstadion zweckentfremdet. In dem lichtdurchfluteten, großen Raum wird „gekranzt“ und gesteckt. Aus genau 26 898 bemalten Ostereiern soll der größte Osterbrunnen der Welt entstehen. „So viele Ostereier wie in diesem Jahr hatten wir für unseren Osterbrunnen und die Skulpturen vor dem Rathaus noch nie“, freut sich Margarete Hepp. „Es dürften wohl fast 10 000 mehr sein als im letzten Jahr – und da waren es schon 17 000.“ Knapp 27 000 Ostereier, das ist nicht nur für Oberstadion ein Rekord, sondern auch fürs Guinness-Buch. „Wir streben an, dieses Jahr dort eingetragen zu werden“, sagt Ex-Bürgermeister Manfred Weber. Ob es gelingt, ist noch ungewiss. „Die Formalien sind streng“, weiß Weber, der von der ersten Stunde an den Osterbrunnen unterstützte.

Guinness-Rekord hin oder her – dem Eifer und dem Enthusiasmus der rund 70 Personen, die in Oberstadion mittlerweile zum festen Ostereier-Team gehören, tut das keinen Abbruch. Das ganze Jahr über bemalen sie Eier, selbstverständlich echte, keine aus Plastik. Wunderschöne Motive suchen sie sich dafür aus, darunter nicht nur traditionelle Ostersymbole. Dieses Jahr wurde beispielsweise mit einer Serie begonnen, die alle europäischen Flaggen umfassen soll. Rund 20 Eier sind fertig, die restlichen folgen in den nächsten Jahren. „Das Bemalen geschieht bei den Familien zu Hause, die Motive bestimmen sie selbst“, sagt Margarete Hepp. Die ausgeblasenen und ausgewaschenen Eier werden mit farbigem Autolack grundlackiert und dann mit Klarlack versiegelten. Verwendet werden sowohl Hühnereier als auch Exemplare von Enten, Gänsen, Wachteln und Straußenvögeln.

Eier werden mit Kompressor ausgeblasen

Aus Klarsichtfolie werden kleine runde Blättchen ausgestanzt, sie dienen als „Unterlagsscheibchen“, damit der Schaschlik-Stab oder Zahnstocher, der in jedes Ei gesteckt wird, arretiert wird. Eine diffizile Arbeit. Aber das „Patent“ funktioniert. Wie auch das Ausblasen der Eier. Hier haben Sieglinde Buck und ihr Mann Siegfried jahrelang gehirnt, bis sie auf die Idee mit dem Kompressor kamen. Ein genialer Einfall. Dabei wird mit dem Eier-Pikser ein kleines Loch in jedes Ei gestochen, dann wird just dort die Heimwerker-Bohrmaschine sanft angesetzt und ein Loch in die zarte, brüchige Eierschale gebohrt. „Jedes Loch ist gleich groß,“ sagt Sieglinde Buck und zeigt stolz auf die Eier der „neuen Generation“. Am Anfang hatten die Eier noch zwei, meist ausgefranste Löcher.

Vorbei auch die Zeiten, als die Eier ­ausgeblasen wurden. „Wir hatten knallrote Köpfe und waren total geschafft“, erinnert sich  Brunhilde  Munding. Auch hier half der Erfindergeist des Ehepaars Buck weiter. Mit Hilfe eines Kompressors wird die ­flüssige Eiweiß-Eigelb-Masse heraus­gezogen.

Nach demselben Prinzip verfährt Siegfried Buck auch beim Reinigen der brüchigen Rohlinge. Mit sanftem Druck wird Wasser in das Ei-Innere gespritzt und dann wieder heraus­gezogen.  Das  garantiert, dass die Eier mit der Zeit nicht übel ­riechen.

Eigelb und Eiweiß werden verkocht

Die Quote der kaputten Eier hat sich quasi gegen null reduziert. Die aufwendige Prozedur findet in der Küche von Margarete Hepp statt. Eiweiß und Eigelb werden selbstverständlich aufgefangen und an die Familien samt der ausgeblasenen Eier zurückgegeben. „Dann gibt’s halt ein paar Tage lang handgeschabte Spätzle“, schmunzelt Margarete Hepp. Sie hatte die Idee, in Oberstadion einen Osterbrunnen zu schmücken, vor sieben Jahren aus Bad Überkingen mitgebracht. Damals ahnte sie noch nicht, dass die Ostereier sie nicht mehr loslassen würden. Mittlerweile ist Margarete Hepp sozusagen die Ostereier-Chefin. Unermüdlich treibt sie das Thema das ganze Jahr voran, ehrenamtlich, versteht sich.

„Mir werdet jedes Jahr besser,“ sagt Margarete Hepp (70) und zeigt auf die dicht gefüllten Regale im Keller des Bürgersaals. Dort hat sie zusammen mit dem harten Kern des Ostereier-Teams – Sieglinde Buck, Brunhilde Munding und Josefine Münch – in den letzten Wochen viele Stunden zugebracht. Eier aus den Vorjahren wurden repariert, Hunderte neue Wachteleier auf Zahnstocher gesteckt und schließlich alle gezählt, gezählt und nochmals gezählt.

Die schwerste Aufgabe ist jedoch das Stecken der Eier in die gekranzten Bögen. „Wir haben jetzt schon ganz wunde Fingerkuppen“, sagt Margarete Hepp. Gesteckt wird nach einem festen Farbmuster. Gelb, Grün, Rot, Blau und Violett sind die Grundfarben der unterschiedlich großen Eier. Die Dekoration ist ganz unterschiedlich: Auf manchen stehen fromme Sprüche, auf anderen ranken sich Blütenmotive oder die Wappen der Gemeinden im Alb-Donau-Kreis, zu dem Oberstadion  gehört,  drauf.  „Jedes  Ei ist ein Unikat.“ Darauf ist Margarete Hepp stolz.

Info zum Osterbrunnen

 

Allgemeines: Oberstadion liegt zwischen Ehingen/Donau und Biberach. www.oberstadion.de

Osterbrunnen: Er liegt in der Dorfmitte von Oberstadion direkt vor dem Rathaus. Aufgestellt ist er bis einschließlich Sonntag, 11. Mai. Zudem ist im historischen Sitzungssaal des Rathauses eine Ostereierausstellung zu sehen.

 

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