Umringt von Fachwerkhäusern ist in der Hauptstraße in Oberriexingen ein modernes Wohnhaus mit allem Komfort entstanden. Foto: Simon Granville

Der Traum vom Eigenheim ist in Zeiten explodierender Kosten für viele in weite Ferne gerückt. Frank Kleinbrahm möchte zeigen, dass auch eine Wohnung mit Sauna erschwinglich sein kann.

Immer weniger Menschen können sich in Deutschland den Traum vom Eigenheim erfüllen. In keinem anderen Land der EU ist die Eigenheimquote so niedrig, weniger als die Hälfte der Menschen lebt in den eigenen vier Wänden. Dabei wäre die Nachfrage durchaus vorhanden: Von den Mietern würden sich laut einer Forsa-Umfrage rund zwei Drittel eine eigene Immobilie wünschen.

 

Doch die extrem gestiegenen Kosten machen diese Träume vielfach zunichte. Dass es auch anders geht, will Frank Kleinbrahm zeigen: Mit seinem „Freudenhaus“ möchte er in Oberriexingen als privater Investor gehobenen Wohnraum vergleichsweise kostengünstig anbieten – und so dem „Siedlungsbrei“ etwas entgegensetzen.

Hausbesichtigungen erst im fertigen Zustand

Der Name „Freudenhaus“ wirkt auf den ersten Blick etwas skurril. Was Kleinbrahm damit ausdrücken will: Den zukünftigen Eigentümern soll es nichts als Freude bereiten, dort zu wohnen. Als ehemaliger Inhaber einer Marketingagentur muss er wissen, wie Vermarktung funktioniert – und wie die Menschen emotional zu erreichen sind.

Frank Kleinbrahm hat es sich zum Hobby gemacht, innovativen Wohnraum zu schaffen. Foto: Simon Granville

Oftmals würden Hausbesichtigungen nämlich bereits stattfinden, wenn noch nicht viel davon zu sehen ist, wie es später einmal aussehen soll. „Sie sehen nichts, was ihr Gefühl bedient. Sie urteilen nur nach Fakten. Deswegen warte ich mit der Vermarktung, bis die letzte Lampe hängt“, erklärt Kleinbrahm.

Die Menschen sollen sofort ein Gefühl dafür entwickeln, was sie empfinden, wenn sie am Abend nach Hause kommen. Am besten sei es, wenn er den Interessenten gar nichts mehr erklären müsse, weil sie sowieso alles sehen können.

Einrichtung auf dem aktuellen Stand der Technik

In dem zweistöckigen Neubau sind zwei Eigentumswohnungen mit jeweils rund 100 Quadratmetern untergebracht, die Kleinbrahm zu je rund 680.000 Euro verkaufen will. Neben dem großen Wohn- und Essbereich mit Küche gibt es ein Bad mit Sauna, Ankleide- und Schlafzimmer sowie einen Raum, der entweder als Kinder- oder Arbeitszimmer genutzt werden kann.

Zusätzlich besitzt die Wohnung im Obergeschoss eine Dachterrasse, im Erdgeschoss eine Gartenterrasse mit einer kleinen Grünfläche. Dazu kommen Stellplätze mit einer Wallbox für E-Autos.

Das Bad ist mit Infrarotheizung und Sauna ausgestattet. Foto: Simon Granville

Worauf Kleinbrahm Wert legt: Im Preis von rund 680.000 Euro ist die Einrichtung schon inbegriffen. Die ist auf dem aktuellen Stand der Technik, etwa ein Kochfeld mit modernem Dunstabzug oder eine Infrarotheizung für das Bad. Hinzu kommen ausgefallene Gegenstände, wie ein indischer Steinaltar oder eine Lampe von einem Flohmarkt in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Das alles seien „viele kleine Dinge, die zur Begeisterung beitragen“ sollen.

Die Menschen müssen sich zunehmend einschränken

Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist in den vergangenen Jahren zu einer der drängendsten Aufgaben geworden. Die Bundesregierung will mit einem „Bau-Turbo“ gegensteuern, doch die grundsätzlichen Probleme bleiben. Der Bodenrichtwert in der Hauptstraße in Oberriexingen liegt aktuell bei 340 Euro pro Quadratmeter, in den Städten geht der Wert teils in den vierstelligen Bereich. In Kombination mit der schwierigen Wirtschaftslage ist ein eigenes Haus für viele Normalverdiener zur Utopie geworden.

Die Menschen müssen sich zunehmend einschränken. Alternativen gibt es bereits, etwa das Tiny House oder die Kompakthäuser, die derzeit in Vaihingen-Ensingen entstehen. Die große Nachfrage nach solchen Alternativen dürfte Kleinbrahm darin bestätigen, mit seinem „Freudenhaus“ einen Nerv der Zeit zu treffen.

Inflation als Vorwand für unverhältnismäßige Preissteigerungen?

Warum er diese kleine Luxuswohnung vergleichsweise günstig anbieten kann? Kleinbrahm erklärt das durch eine geschickte Angebot-Vergleichs-Strategie. Die ist seiner Meinung nach heutzutage auch nötig: „Seit Corona ist alles fürchterlich teuer geworden. Mir kommt es so vor, dass Corona und die allgemeinen Preissteigerungen als Vorwand benutzt werden, um deutlich mehr abzukassieren“, sagt er.

Die Küche im Erdgeschoss bietet einen Ausblick, der den Eindruck einer Unterseewelt imitiert. Foto: Simon Granville

Kleinbrahm, der in Illingen (Enzkreis) wohnt, war schon in verschiedenen beuflichen Feldern tätig. In seiner Zeit als Leiter einer Marketingagentur hat er unter anderem das Konzept des „Clubschiff“ bei AIDA maßgeblich mitentwickelt. Im Ruhestand hat er sich nun dem Immobilienmarkt verschrieben, was er als „Hobby“ bezeichnet.

„Ich habe keine wirtschaftlichen Interessen. Mein Antrieb ist es, zu zeigen, dass es auch anders geht“, sagt er. Im Immobilienmarkt sieht er auch eine Parallele zu den Kreuzfahrtschiffen. Die Zahl der Kreuzfahrtpassagiere ging in den vergangenen 30 Jahren steil nach oben – ob auch das „Freudenhaus“ von Erfolg gekrönt ist?