Vor acht Jahren bangte Ex-OB Jürgen Hofer (rechts) mit Jürgen Oswald um das Ergebnis von dessen Wiederwahl mit. Foto: Archiv/Stollberg

Die Gemeinderatsfraktionen in Weinstadt halten Ausschau nach Bewerbern um die Nachfolge des Oberbürgermeisters Jürgen Oswald. Jemand mit Erfahrung und Engagement wünscht man sich. Derweil kursieren erste Namen potenzieller Kandidaten.

Weinstadt - Weder die Bewerbungsfrist noch die Termine für die Wahl des neuen Weinstädter Oberbürgermeisters, die nach Gesetzesvorgaben irgendwann zwischen Mitte September und Ende November stattfinden müssen, stehen bislang genau fest. Beides soll in der Gemeinderatssitzung am 3. März terminiert werden. Doch das Kandidatenkarussell dreht sich bereits.

Die Gemeinderatfraktionen der Christdemokraten und der Grünen Offenen Liste (GOL) haben es angestoßen – wenn auch ihr gemeinsamer Wunschkandidat sofort wieder davon abgesprungen ist. „Wir halten den Stadtwerke-Betriebsleiter Thomas Meier für einen fähigen Mann“, sagt der GOL-Fraktionsvorsitzende Manfred Siglinger. Daher habe man ihn gefragt, ob er nicht kandidieren wolle. Dieser aber habe aus persönlichen Gründen abgesagt – auch zum Leidwesen der CDU-Fraktion, die, wie deren Vorsitzender Ulrich Witzlinger bestätigt, ebenfalls auf Thomas Meier zugegangen sei: „Er kann erfolgreiche Arbeit vorweisen“, so Witzlinger – und damit genau das, was man sich von einem neuen OB erwarte: „gute Erfahrung und tolles Engagement“.

Einige Herausforderungen stehen in Weinstadt an

Die Fraktionsvorsitzenden von Sozialdemokraten und Freien Wählern halten sich hingegen bedeckt. „Es ist noch zu früh, um etwas zu sagen“, meint Hans Randler (SPD). Jedoch halte man wie alle anderen Fraktionen die Augen nach einem geeigneten Kandidaten offen – und hat genaue Vorstellungen: Eine gewisse Erfahrung in der Kommunalpolitik sollte er haben und sich vornehmen, mindestens zwei Amtszeiten auf dem OB-Sessel bleiben zu wollen, um etwas in Weinstadt zu bewegen. Was keine leichte Aufgabe wird, schließlich stehen bei einer äußert angespannten Haushaltslage einige Herausforderungen an, wie etwa die Weiterentwicklung von Kinderbetreuung und Schulen, die Interkommunale Gartenschau oder auch die Flüchtlingsthematik. „Schön wäre ein Auswärtiger, der als Unbefleckter neue Ideen und Sichtweisen einbringt“, sagt deshalb Rolf Weller (FW).

Erste Namen von möglichen Kandidaten kursieren

Trotzdem ist in der Gerüchteküche auch der Name eines Insiders zu hören: Ulrich Witzlinger. Dieser weist jedoch Ambitionen auf den OB-Posten mit einem entschiedenen Nein von sich. Er habe lediglich in einer „fröhlichen Unterhaltung“ mit Parteikollegen in einer Weinstube auf deren Frage, ob er nicht kandidieren wolle, gesagt: „Wenn sich außer einer arbeitslosen Krankenschwester und einem Fitnesstrainer keiner bewirbt, dann mache ich es“, berichtet der 56-Jährige und schließt sich in einem nächsten Satz auch wegen seines Lebensalters aus. Denn der neue Oberbürgermeister solle zwar erfahren sein, aber unter 50 Jahre alt, damit eine eventuelle zweite Amtszeit möglich sei.

Und noch ein Name fällt immer wieder: jener des FDP-Landtagsabgeordneten Jochen Haußmann, der derzeit für das Stuttgarter Parlament auf Stimmenfang ist. Was ist dran an seinem angeblichen Interesse am Weinstädter OB-Sessel? „Das ist im Moment kein Thema, da ich für den Landtag kandidiere“, antwortet er auf Nachfrage. „Beides gleichzeitig geht nicht.“ Und falls der Wiedereinzug in den Landtag nicht klappt? Daran verschwende er derzeit keinen Gedanken. „Ich nutze jede freie Minute für den Landtagswahlkampf.“

Gibt es vielleicht jemanden aus der Verwaltung, der sich als künftiger OB anbieten würde? „Dazu äußere ich mich nicht. Da halte ich mich raus“, sagt der Amtsinhaber Jürgen Oswald. Auch über seine eigenen beruflichen Pläne, wenn er die OB-Kette abgelegt hat: kein Kommentar. „Da gibt es nach wie vor nichts zu berichten.“ Aber vielleicht gehen die Überlegungen der Herren auch alle fehl und Weinstadt bekommt eine Oberbürgermeisterin.

Wähler für Überraschung gut

Wiederwahl:
Ohne Konkurrenz ist Jürgen Oswald bei seiner Wiederwahl zum Oberbürgermeister von Weinstadt vor rund acht Jahren gewesen. Mit einem Stimmenanteil von 91,64 Prozent wurde er im Amt bestätigt. Trotz engagiertem Wahlkampfs war es ihm allerdings nur gelungen, knapp 27 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen zu locken.

Wählerwille:
In Ermangelung offizieller Alternativen auf dem Stimmzettel notierten einige Weinstädter eigene Vorschläge. Das Bemerkenswerte daran: es waren ganze 117. Unter anderem hatten Endersbacher Feuerwehrangehörige für ihren Kommandanten und ohne dessen Wissen Wahlkampf betrieben. Immerhin 84 Wähler folgten ihrem Aufruf. Das Problem am Wahlabend: das Computerprogramm zur Auswertung stürzte ob der Kandidatenschwemme ab. Es war nur für maximal 99 ausgelegt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: