Sven Neumann (l.) und Sadik Simsek sind Freunde. Ihre Ansichten über die geplante Moschee gehen allerdings auseinander. Foto: Amadeus Banerjee

Auf politischer Ebene wird der Bau der Moschee in Leinfelden-Echterdingen rege diskutiert. Doch was sagen eigentlich die Leute von der Straße dazu? Wir haben uns umgehört.

Oberaichen - Die geplante Moschee in Oberaichen hat in den vergangenen Tagen wieder Diskussionsstoff geliefert. Die Bauarbeiten in dem Gewerbegebiet laufen nicht so, wie sie sollten. Bis Ende Oktober müsste der erste Bauabschnitt fertig sein, doch das ist nicht zu schaffen. Ende Juli hat der Gemeinderat den Oberbürgermeister in einer nicht öffentlichen Sitzung mehrheitlich dazu ermächtigt, den Baugrund zurückzufordern. Ob es dazu kommt, ist unklar. Es deutet vieles daraufhin, dass das Gebetshaus gebaut werden darf, nicht aber das Drumherum wie Schüler-Wohnheim sowie Supermarkt samt Imbiss und Café. Doch was denken eigentlich die Menschen vor Ort über die Moschee? Eindrücke von der Straße.

Eva Marie Wolff-Hötsch wohnt in Oberaichen und hat die Baustelle schon einige Male gesehen. „Ich bin in den USA aufgewachsen und stehe dem geplanten Gebetshaus eher offen gegenüber“, sagt sie. „Berührungsängste habe ich auf keinen Fall.“ Die 83-Jährige berichtet, sie sei selbst schon mit Vorurteilen in Berührung gekommen und habe erfahren müssen, dass diese oft unbegründet seien.

Ein Abriss wäre Blödsinn und Schikane

Ganz anderes bekommt zu hören, wer mit Anne Sternhuber ins Gespräch kommt. Die 67-Jährige hat viele Jahre in Oberaichen gearbeitet und erklärt, sie sei gegen den Moscheebau. „Ich habe einfach das Gefühl, dass alles nach Oberaichen geschoben wird“, sagt sie. „In Echterdingen könnte so ein Gebetshaus doch genauso gut gebaut werden. Wieso muss es unbedingt am Rande des Industriegebiets in Oberaichen sein?“ Sternhuber findet, Echterdingen ziehe sich hier aus der Verantwortung.

Sie hat auch noch andere Sorgen. „Meine Enkeltochter ist gerade mal 17 Jahre alt. Die wird immer wieder mal angemacht und auch deshalb sehe ich dieses Moschee-Thema kritisch.“ Trotz ihrer Einstellung würde es Sternhuber nicht gutheißen, wenn die bereits gebauten Teile der Moschee abgerissen werden müssten: „Das wäre doch Blödsinn und Schikane. Ich hoffe, dass die Stadt und der Verein da noch zu einer anderen Lösung kommen.“

Sadik Simsek kommt aus Leinfelden-Echterdingen. Er ist Moslem, steht dem Bau der Moschee aber neutral gegenüber. „Ich finde es okay, dass der Verein dort ein Gebetshaus bauen möchte“, erklärt der 31-Jährige. „Es gibt sowieso schon so viele Moscheen in Deutschland, da macht diese eine doch auch keinen Unterschied mehr.“ Probleme, die die Moschee mit sich bringen könnte, sieht er keine. „Moslems gibt es ja sowieso schon in Leinfelden-Echterdingen. Ob die sich jetzt hier oder dort treffen, macht doch keinen Unterschied.“ Zwar würden sicher auch Gläubige von außerhalb die Moschee in Oberaichen besuchen, doch das sei ja für die Einwohner nichts Schlimmes.

Die Meinung des anderen akzeptieren

Anderer Ansicht ist Sven Neumann, ein Freund von Sadik Simsek. Der 32-Jährige, der ebenfalls aus Leinfelden-Echterdingen kommt, sieht das Bauprojekt kritischer. „Klar macht man sich bei so etwas Gedanken“, sagt Neumann. Den Bau der Moschee nicht kritisch zu hinterfragen, sei für ihn keine Option. „Es gibt so viele Jugendliche, die mit der europäischen Kultur überhaupt nichts mehr am Hut haben“, sagt er. „Da weiß ich nicht, ob so eine Moschee dieses Problem nicht noch verstärken würde.“ Angst habe er nicht, aber tief im Inneren würden sich bei ihm eben doch Bedenken und offene Fragen melden. „Auch, wenn es an sich nichts Negatives an einer Moschee gibt, durch die aktuellen Entwicklungen assoziiert man so ein Gebetshaus leider automatisch damit.“

Diese unterschiedlichen Standpunkte verhindern derweil nicht, dass die beiden Freunde letztlich einen gemeinsamen Nenner finden: Es sei wichtig, sich seine eigene Meinung zu einem solchen Projekt zu bilden, und jeder habe das Recht, dabei zu einem anderen Resultat zu kommen. Am Ende zähle vor allem, dass jeder die Meinung des anderen akzeptiere und diese abweichenden Meinungen nicht zu einem Konflikt führen.

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