Mehr als 300 Menschen in Esslingen sind wohnungslos oder davon bedroht. Eine Kundgebung will am bundesweiten Aktionstag auf ihre Lage aufmerksam machen.
In Deutschland gelten mehr als eine halbe Million Menschen als wohnungslos. Wie aus dem Wohnungslosenbericht der Bundesregierung für das Jahr 2024 hervorgeht, sind darunter zum größten Teil Personen, die in einer Unterkunft untergebracht sind. Zehntausende der Betroffenen haben keine Unterkunft. Auch in Esslingen sei das ein drängendes Problem, sagt Martin Auerbach von der Linken. Seit 2016 sitzt er für seine Partei im Esslinger Gemeinderat.
„In Esslingen gibt es etwa 300 bis 500 Personen, die als wohnungslos gelten oder zumindest davon bedroht sind“, sagt Auerbach. Um darauf aufmerksam zu machen, hat er eine Kundgebung angemeldet. Sie findet am 11. September, dem bundesweiten „Tag der von Obdachlosigkeit betroffenen Menschen“, ab 17 Uhr vor dem Alten Rathaus statt.
Stadtrat kritisiert Stadt Esslingen
Die Stadt tue zu wenig für Wohnungslose, kritisiert Auerbach. Als Beispiel nennt er die Wohnungsnotfallkartei, einen Service der Stadt, um wohnungslose Personen in Unterkünfte zu vermitteln. Die Zahl der Betroffenen in dieser Kartei sei in den letzten Jahren gleich geblieben. „Das liegt aber nur daran, dass sich die Kriterien von Jahr zu Jahr verschärfen“, so Auerbach. Eigentlich hätte die Zahl aus seiner Sicht steigen müssen.
Er weist auch darauf hin, dass Obdachlosigkeit ein vermehrt weibliches Problem sei. „Sehr viele Frauen haben keinen eigenen Mietvertrag und nicht genug finanzielle Mittel, um auf eigenen Beinen zu stehen. Auch sie sind theoretisch obdachlos.“, erklärt der Politiker.
Kundgebung soll Sichtbarkeit schaffen
Bei der Kundgebung werden neben Joachim Wörner, dem Verantwortlichen des Esslinger Bahnhofstreffs, auch Guido Heinemann von der Interessengemeinschaft Langzeitarbeitsloser Menschen (IGELA) und Hermine Perzlmaier, die jahrzehntelang mit wohnungslosen Personen gearbeitet hat, erwartet. Weitere Rednerinnen und Redner seien angefragt. „Menschen in prekären Situationen brauchen unsere Unterstützung und sollten viel mehr im Fokus der Gesellschaft stehen“, sagt Martin Auerbach. „Schließlich kann Wohnungslosigkeit jede und jeden treffen.“