Die Commerzbank im Westen rät, sich an die Polizei zu wenden. Foto: privat

Die Vorräume der Kreditinstitute locken in kalten Winternächten Obdachlose. In der City kommen auch Partygänger gerne in die warmen Räume. Die Banken halten davon wenig.

Stuttgart - Der Raum ist hell erleuchtet und warm, der Fußboden wird täglich gewischt: So heißen Banken ihre Kunden willkommen, auch wenn die Filiale geschlossen ist. In den Vorräumen kann man Geld abheben oder Kontoauszüge ausdrucken. Doch diese Umgebung zieht mitunter auch Menschen an, die dort keine Kunden sind. In der kalten Jahreszeit sind die Vorräume gerne gewählte Zufluchtsorte für Obdachlose. Dieses Bild bietet sich auch des öfteren in der Commerzbank an der Rotebühlstraße im Westen nahe dem Feuersee. Dort hat die Bank nun offenbar genug von den Beschwerden der Kunden und dem Ärger wegen Verunreinigungen und Sachbeschädigungen. Denn nun hängt dort ein Blatt, auf dem die Kunden informiert werden, dass siedas zuständige Polizeirevier Gutenbergstraße anrufen sollen, falls sie Unbefugte im Vorraum entdecken.

Kunden rufen die Polizei

Das Problem sei kein spezifisches Stuttgarter Phänomen, und auch nicht speziell im Westen der Stadt, sagt die Sprecherin der Commerzbank, Sandra Kobus. „Das haben wir bundesweit: Sachbeschädigungen, Verunreinigungen, Randale“, zählt sie auf. Auch wenn es so weit laut Bürgern aus dem Westen, die sich wegen des Aushangs bei unserer Zeitung gemeldet haben, an der Rotebühlstraße nicht gekommen ist, griff die Bank ein. „Die Kunden sollen sich schließlich wohlfühlen in der Bank.“ Wie hoch das Beschwerdeaufkommen konkret gewesen sei, das verrät Sandra Kobus nicht. „Grundsätzlich geben wir solche Auskünfte nicht zu einzelnen Standorten“, sagt sie. Eine Nachfrage bei der Polizei hat ergeben, dass sich das Beschwerdeaufkommen im Rahmen hält. „Ein bis zwei Anrufe bekommt das Revier im Monat. Wenn es wieder wärmer wird, lässt das auch nach“, sagt der Polizeisprecher Jens Lauer.

Diskobetrieb am Bankomat?

Nicht nur die Commerzbank hat Probleme mit ungebetenen Gästen in ihren Räumen. Auch die LBBW kennt das, sagt deren Sprecher Bernd Wagner. „Aber es sind nicht nur die Obdachlosen. Auch Jugendliche, die den Kundenbereich nachts mit einer Disko verwechseln, bereiten uns Probleme.“ Zum einen sollen die Kundinnen und Kunden sich beim Geldabheben unbeobachtet fühlen. „Da geht es um die Sicherheit, schließlich geht man ja auch mit Geld in der Tasche wieder raus“, sagt Wagner. Außerdem sei es nach Besuchen des Partyvolks in der Innenstadt nicht gerade sauber in den Vorräumen. „Wir wollen natürlich nicht, dass unsere Kunden in einen Vorraum kommen, um Geld zu holen, in dem es aussieht wie in einer unaufgeräumten Kneipe mit leeren Flaschen und Getränkeresten“, sagt Wagner. Wenn es schlimm werde, reagiere die Bank in dem sie sie häufiger putzen lasse.

Für die Volksbank in Stuttgart ist es ebenfalls „witterungs- und temperaturabhängig nicht ungewöhnlich, wenn Filialen als Wärmezonen aufgesucht werden“, teilt deren Sprecher Matthias Layher mit. Dabei habe man aber noch nicht beobachtet, dass jemand im Vorraum nächtige. Die Aufenthalte dienten in erster Linie dem Aufwärmen, da Publikumsverkehr herrsche – man also aufgeweckt werden könnte.

Friedliches Schnarchen

Kunden der Commerzbank im Westen haben das anders beobachtet. „Das Licht und die Kunden scheinen die Obdachlosen nicht zu stören, sie ziehen sich die Kapuze über den Kopf und schlafen. Einer hat mal friedlich in der Ecke geschnarcht“, schildert ein 42-Jähriger Bankkunde aus dem Westen.

Der Vorraum mit den Geldautomaten als „Partyzone“, auch damit hat man bei der Volksbank Erfahrungen. In der SB-Zone der Filiale an der Theodor-Heuss-Straße könne man sich davon am Wochenende ein Bild machen. „Da steht dann einiges an Flaschenpfand auf dem Boden rum“, schildert Matthias Layher. „Insgesamt kann man sagen, dass diese Phänomene nicht neu sind“, fügt der Volksbanksprecher hinzu. Grundsätzlich seien die SB-Zonen mit Video überwacht. Man erwäge an manchen Standorten, Zugangsbeschränkungen in der Nacht einzuführen, sollten sich die Situationen häufen. Komplett schließen müssen habe man erst einmal – als ein Mensch mit psychischen Problemen seine Notdurft in den Vorräumen diverser Banken verrichtete.

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