Höchste protokollarische Ehren: Barack Obama, seine Frau Michelle und die Töchter Malia (links) und Sasha empfangen Papst Franziskus direkt am Flughafen. Foto: dpa

Roter Teppich, Malia und Sasha adrett im Kleid: Die ganze Familie Obama hat Papst Franziskus am Flughafen St. Andrews ihre Aufwartung gemacht. Es ist der erste USA-Besuch des Pontifex.

Washington - In einer sehr seltenen Geste nimmt der US-Präsident seinen Gast am Flughafen St. Andrews in Empfang. Die Stimmung scheint bestens, freundlich, gelöst. Der Papst strahlt, Barack Obama mit Frau und Töchtern ebenso. Sprechchöre: „Ho ho, hey hey, welcome to the USA!“ Noch nie war der 78-Jährige in den USA.

Dieser Papst ist anders, und er legt Wert darauf. Der Fiat 500, in dem Franziskus schließlich schmunzelnd Platz nimmt, dürfte eines der kleinsten Autos gewesen sein, das jemals in einer Kolonne aus schwarzen SUV und blinkenden Motorrädern vom Flughafen in die Washingtoner Innenstadt gefahren ist. Hochgezogene Augenbrauen im Land der PS-Boliden.

Malia und Sasha Obama: Kinder, seid Ihr groß geworden

Der Papst und der Präsident: Die beiden mächtigen Männer verbinden viele gemeinsame Anliegen - und mindestens genauso viele Streitpunkte. Beiden ist aber daran gelegen, ihre Übereinstimmungen zu betonen und den Konsens zu nutzen.

Papst hatte bei Annäherung zu Kuba seine Finger im Spiel

Bei der bislang einzigen Audienz für Obama (50 Minuten) im Vatikan im März 2014 war das Bild harmonisch. Obama zeigt sich als „großer Bewunderer“ des Pontifex. Er schenkt ihm Obst- und Gemüsesamen aus dem Garten des Weißen Hauses - verbunden mit einer Einladung und dem Versprechen, Franziskus beim Gegenbesuch den Garten zu zeigen.

Obama schätzt es grundsätzlich, dass Franziskus sich in Probleme einmischt, deren Lösung sonst der Politik überlassen wird. Auch die Annäherung zwischen den USA und Kuba - bei der Franziskus wichtiger Vermittler war - hat beide enger zusammengebracht.

In den USA verschieben sich die Machtachsen

Der Papst trifft in den USA auf eine Kirche im Zeitenwandel. Nicht nur Zahlen und Entwicklungen hierzulande hätten eigentlich einen Besuch in Kalifornien nahegelegt, auch die Heiligsprechung des Junípero Serras, der dort im 18. Jahrhundert missionierte. Die katholische Kirche, sie wird in Nordamerika immer südlicher.

An der Ostküste, an der sich Franziskus ausschließlich aufhalten wird, werden Gotteshäuser geschlossen, Pfarreien zusammengelegt, heilige Messen sind oft kaum besucht. Ganz anders im Westen und im Südwesten, wo die meisten ordinierten Pfarrer Hispanier sind. Im Jahr 2014 taufte die Erzdiözese Los Angeles 70.000 Kinder. Das ist die Summer aller Taufen der Großstädte Washington, Philadelphia, New York und Chicago.

Franziskus, dem lateinamerikanischen Papst, ist diese Verschiebung der kirchlichen Machtachsen sehr bewusst.

Die Flüchtlingskrise ist ein Thema, das den Papst bewegt, und bei dem er auf Obamas Unterstützung hofft. „Das Schicksal der Flüchtlinge ist ein großes Anliegen des Papstes“, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vor der Reise. Auf der Erfahrung des Einwanderungslandes USA könnten „wir alle aufbauen, um die heutigen Probleme anzugehen.“

Verbündete im Kampf gegen den Klimawandel

Auch im Kampf gegen den Klimawandel hat der Papst in Obama einen mächtigen Verbündeten - und umgekehrt. Der US-Präsident lobte ausdrücklich die Öko-Enzyklika des Kirchenoberhauptes, während Franziskus sich zufrieden zeigte mit der Klima-Initiative Obamas.

Den US-Republikanern stößt all das mächtig auf. Sie wollen eigentlich, dass der Papst sich ganz aus der Politik heraushält.

Bei aller Nähe des Papstes zu Obama gibt es auch Spannungen, etwa bei Ehe- und Familienthemen wie der Homo-Ehe, Abtreibung oder Verhütung. Der hier sehr konservative Papst und der US-Amerikaner haben dazu grundverschiedene Positionen.

Wenn der Papst seine politischen Termine in den USA absolviert, sind Überraschungen gerade wegen des breiten Themenspektrums nicht ausgeschlossen. Der Papst spricht Dinge gerne offen an - und man kann sich bis zur letzten Minute nie sicher sein, was er tatsächlich sagen wird. Auch während seiner Kuba-Reise verzichtete er mehrmals auf die Rede-Manuskripte und sprach spontan frei. Eine aufmerksame Zuhörerschaft ist ihm gewiss.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: