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In den USA gibt es mehr Top-Managerinnen als in Europa – Die meisten haben trotzdem Kinder.

Washington - Warum sind Amerikas Frauen so erfolgreich? Auf der jüngsten Forbes-Liste der mächtigsten Frauen der Welt stammt rund die Hälfte aus den USA. Darunter sind neben TV-Größen, Popikonen und Spitzenjuristinnen vor allem Top-Managerinnen, die an der Spitze großer börsennotierter Unternehmen stehen. Gleich hinter Präsidentengattin Michelle Obama rangiert Irene Rosenfeld, die Chefin von Kraft Foods, auf Rang zwei der mächtigsten Frauen. Ihr Salär: 26 Millionen Dollar (18 Millionen Euro) allein im letzten Jahr. "Amerikanische Firmen sind weiter als deutsche. Frauen in Führungsetagen stellen dort längst keine Ausnahme mehr dar", sagt Christine Wolff, die für den US-Ingenieurkonzern URS mit insgesamt 42.000 Mitarbeitern für das Geschäft in Europa und im Mittleren Osten zuständig ist. Pepsi, Oracle, Johnson & Johnson, Yahoo, Avon - die Liste großer US-amerikanischer Firmen, die Milliarden umsetzen und einen weiblichen Boss an der Spitze haben, wird von Jahr zu Jahr ein Stückchen länger.

"Besser die Letzte an der Bar, als die Erste im Büro"

Bemerkenswerte Führungspersönlichkeiten sind darunter. Pepsis Chefin Indra Nooyi stammt aus Indien und studierte an der Elite-Uni Yale. Die neue Chefin an der Spitze von Xerox, Ursula Burns, überdies die erste Afroamerikanerin an der Spitze eines Unternehmens unter den Top 100, wuchs in einer New Yorker Sozialbausiedlung bei ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Bei Xerox fing sie ganz unten an, als Sommeraushilfe in den Semesterferien. Den Stabwechsel an der Spitze des Kopierer-Herstellers im letzten Jahr feierten US-Medien als historisch. Zum ersten Mal in der US-Wirtschaftsgeschichte übergab die Chefin eines Top-Unternehmens ihren Job an eine Nachfolgerin. Zuvor hatte Anne Mulcahy Firmengeschichte geschrieben.

Jung sind sie meisten Top-Managerinnen im Zenit ihrer Karriere nicht mehr. Die meisten sind um die 50. Bei Männern indes ist das auch nicht viel anders. Für die meisten Top-Managerinnen schließen sich Beruf und Familie nicht aus. Irene Rosenfeld etwa hat zwei Töchter. Burns hat eine 16-jährige Tochter und einen 20-jährigen Stiefsohn. Mulcahy hat ebenfalls zwei heute erwachsene Töchter.

Um beruflich voranzukommen, setzen Amerikas Frauen vor allem auf Netzwerke. In jeder größeren Stadt gibt es mindestens einen Frauen-Businessclub, in dem sich nützliche Kontakte knüpfen lassen. Vernetzung ist alles. "Besser die Letzte an der Bar, als die Erste im Büro - das stammt nicht von mir, aber ich kann dem nur voll zustimmen", sagt Christine Wolff, die aufstiegswilligen Frauen in Deutschland vor allem eins rät: Zeigt euch und versteckt euch nicht hinter dem Schreibtisch.

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