StN-Kolumnist KNITZ über den täglichen Kampf mit dem Fehlerteufel und was für ein Segen korrekturlesende Menschen sind.
Liebes Rechtschreibprogramm, Du musst jetzt tapfer sein. Oder am besten, Du liest den folgenden Text nicht. Ausnahmsweise.
Wenn sich KNITZ entscheiden muss, wer seine Texte Korrektur lesen soll, Mensch oder Maschine, dann gibt er dem Menschen den Vortritt. Was die lieben Kolleginnen und Kollegen (vor allem die hauptamtlichen Korrektoren) bei ihm im Lauf der Jahrzehnte schon alles verbessert haben, passt auf keine Kuhhaut. Eine ganze Herde von Rindviechern würde nicht langen, selbst wenn man eine Schriftgröße wählen würde, die nur noch mit der Lupe zu lesen ist.
Der tiefere Sinn entpuppt sich als Unsinn
KNITZ geht entspannter in den Feierabend, wenn er weiß, dass jemand mit orthografischem Sachverstand über sein Zeug gelesen hat. Hin und wieder kommt es vor, dass eine Korrektorin oder ein Korrektor bei ihm anruft, weil sie oder er meint, hinter einem seltsam geschriebenen Wort könnte sich ein tieferer Sinn verbergen. In der Regel entpuppt sich der tiefere Sinn als Unsinn.
Einmal kam ein schreibender Kollege zu KNITZ, nicht ohne Stolz mit einer Korrekturfahne wedelnd. Da habe er, KNITZ, noch mal Dusel gehabt. Im letzten Moment habe er, so der Kollege, einen Fehler aus der Überschrift rausgemacht. Ein Artikel, in dem es um japanische Autos für den deutschen Markt ging, war nun mit „Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis“ überschrieben. Falsch war das nicht, aber KNITZ fand „Gutes Reis-Leistungs-Verhältnis“ eigentlich lustiger.
Muffensausen in Zuffenhausen
Nicht immer hat man einen mit den Rechtschreibregeln vertrauten Menschen zur Hand, vor allem, wenn’s um Post oder um Kurznachrichten geht. Deshalb möchte KNITZ Rechtschreibprogramme keinesfalls missen, auch wenn sie ihre Tücken haben. Einmal, KNITZ sollte den Aufmacher der Weihnachtsbeilage lesen, blieb die Autokorrektur an „Weinachtszeit“ hängen. Völlig zu Recht, werden Sie sagen. KNITZ drückte auf „ersetzen“. Mit dem Ergebnis, dass an der Stelle von „Weinachtszeit“ nun „Wehrmachtszeit“ stand. KNITZ hat’s nicht gemerkt, aber ein Kollege mit Scharfblick hat verhindert, dass der Bock ins Blatt kam.
KNITZ ist sich nie ganz sicher. Sind manche Korrekturprogramme nicht auf der Höhe der Zeit? Oder einfach nur eigenwillig? Vor Jahren hatten wir in der Redaktion ein Korrekturprogramm, das wollte ums Verrecken „Zuffenhausen“ nicht schlucken und schlug jedes Mal „Muffensausen“ vor. KNITZ ging nie darauf ein. Womöglich hätte es die Firma Porsche als geschäftsschädigend empfunden, wenn ihre Sportwagen aus Muffensausen gekommen wären.
Oder nehmen wir Mappus. Die Älteren unter uns erinnern sich, so hieß mal ein baden-württembergischer Kurzzeitministerpräsident. Die Autokorrektur akzeptierte auch diesen Namen nicht und schlug konsequent „Mousepad“ vor.
Statt „Okay“ steht da „Koaxialkabels“
Neulich wollte KNITZ auf eine Nachfrage über Whatsapp mit „Okay“ antworten – und muss sich vertippt haben. Am Ende stand da „Koaxialkabels“. Nicht Koaxialkabel, nein, es hing wirklich ein Genitiv-S dran.
KNITZ hat noch nie in seinem Leben Koaxialkabel geschrieben. Auch meidet er als Schwabe den Genitiv so gut es geht. Aber er ist sich sicher, dass sich die Autokorrektur dabei was gedacht hat. Nur was? KNITZ steht auf dem Koaxialkabel.