Elf Städte wählen 2026 neue Rathauschefs. Viele Amtsinhaber wollen weiter machen, einer hört aber auf, weil er seine kranken Eltern pflegen will.
Alles blickt auf die baden-württembergische Landtagswahl am 8. März. Doch auch in mehreren Städten im Land könnte es Veränderungen an der Spitze geben. 2026 stehen insgesamt elf Oberbürgermeisterwahlen an, die wichtigste davon in der Großstadt Freiburg, wo der Amtsinhaber Martin Horn (parteilos) eine zweite Amtszeit anstrebt. Eine zwölfte Wahl könnte hinzukommen, falls der Weinheimer OB Manuel Just Anfang Februar zum Landrat des Rhein-Neckar-Kreises gewählt würde. Ein Blick auf die Ausgangspositionen.
Böblingen: ein Favorit und fünf Außenseiter
1 Los geht es am kommenden Sonntag (25. Januar) aber zunächst in Böblingen. Dort tritt der Amtsinhaber Stefan Belz (45) erneut an. Große Themen im Wahlkampf der 51 500 Einwohner zählenden Stadt sind vor allem die wirtschaftliche Entwicklung, die Kommunalfinanzen, die Bebauung des Schlossbergs und die Umgestaltung des 2028 frei werdenden Klinik-Areals in einen Technologie- und Innovationscampus. Auch die Belebung der Innenstadt und die Gewinnung von Fachkräften stehen auf der Agenda.
Belz, der aktuell nur einer von zwei grünen Oberbürgermeistern im Land ist, wird herausgefordert von vier weiteren Kandidaten und einer Kandidatin, deren Chancen allerdings als überschaubar gelten. Aleksandar Blazevski ist parteiunabhängig, Stefan Thien gehört der rechten CDU-Abspaltung Werteunion an, Lucas Guimaraes de Macedo hat das Parteibuch der linksliberalen Volt-Partei. Werner Schneider kam noch kurzfristig hinzu. Auch Bürgermeister-Dauerkandidatin Friedhild „Fridi“ Miller ist mit von der Partie, nachdem sie nun wieder geschäftsfähig ist, sodass sie kandidieren darf.
Winnenden: Ein Kritiker fordert den Platzhirsch
2 Ebenfalls am kommenden Sonntag (25. Januar) wird in Winnenden gewählt. In der 30 000-Einwohner-Stadt im Rems-Murr-Kreis hatte es lange nach einem Alleingang von Hartmut Holzwarth ausgesehen. Der 56-jährige CDU-Mann amtiert in Winnenden seit 16 Jahren und nennt Wirtschaft, Kitas und Klimaschutz die großen Herausforderungen für die kommenden acht Jahre.
Überraschend hat sich nun aber noch ein erklärter Kritiker der offiziellen Stadtpolitik als Kandidat gemeldet. Der 60-jährige Medienunternehmer Hans-Martin Fischer ist Gründer der Gruppierung Bürgerstimme und sitzt für sie seit 2024 auch im Gemeinderat. Er wendet sich unter anderem gegen den geplanten Windpark Hörnle und gegen den Bau eines Flüchtlingsheims. Winnenden brauche einen Neuanfang. Weil sich aber kein Alternativkandidat gefunden habe, stehe er nun auf dem Wahlzettel.
Eislingen: Dreikampf um Heiningers Erbe
3 Nicht nur im Land, auch in Eislingen endet eine Ära. Dort hört der 64-jährige Klaus Heininger nach 16 Jahren an der Rathausspitze auf. Passend wird am 8. März, dem Tag der Landtagswahl, gewählt. Bisher haben drei Kandidaten ihr Interesse bekundet, um die Geschicke in der 23 000-Einwohner-Stadt bei Göppingen zu lenken. Aus dem Gemeinderat hat der Fraktionschef der Freien Wähler, Andreas Cerrotta, seine Bewerbungsunterlagen abgegeben. Er ist von Beruf Physiotherapeut, verweist aber auf seine langjährige kommunalpolitische Erfahrung. Als Rathaus-interner Kandidat gab der parteilose Stadtkämmerer Oliver Marzian seine Unterlagen ab. Hinzu kommt die parteilose Bürgermeisterin von Römerstein im Kreis Reutlingen, Anja Sauer. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 9. Februar.
Baden-Baden: Späth wirft früh hin
4 Eigentlich hat Baden-Baden erst vor vier Jahren gewählt. Doch weil Amtsinhaber Dietmar Späth (62) sich für dienstunfähig erklären ließ, müssen die Wähler der 57 000 Einwohner großen Kurstadt am 8. März ebenfalls wieder ran. Anfeindungen haben den 62-Jährigen, dem eine Vorliebe für Sportwagen und feinen Zwirn nachgesagt wird, zermürbt. Im November baute er unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss einen Unfall. Nach bisherigen Stand haben sechs Kandidaten ihre Unterlagen eingereicht, allerdings sind bisher erst vier öffentlich bekannt. Chancen rechnet sich vor allem die ehemalige FDP-Fraktionschefin in der Bremer Bürgerschaft, Lencke Wischhusen (40), aus. Die Unternehmerin mit Fernseherfahrung bei der Sendung „Höhle der Löwen“ besitzt die Unterstützung der CDU. Auf diese muss Jan Schmidt verzichten. Er ist Mitglied der Jungen Union und bei einer Aufzugsfirma beschäftigt. Frank Tscharny (parteilos) und der Stuttgarter Milutin Stanisavljevic (FDP) kandidierten in der vergangenen Jahr schon erfolglos bei der OB-Wahl in Bühl.
Ravensburg: Daniel Rapps wichtigste Tat
5 Der Ravensburger Oberbürgermeister Daniel Rapp hat den Haushalt konsolidiert, ist einen Stadtentwicklungsplan angegangen und hat Ravensburg zum Vorbild in Sachen Klimaschutz gemacht. Bei der wohl wichtigsten Tat des 53-jährigen CDU-Politikers ging es aber nicht um Politik, sondern um einen Akt der Zivilcourage. Im September 2018 brachte der zufällig in der Nähe weilende OB einen psychisch verwirrten Täter dazu aufzugeben. Zuvor hatte dieser mit einem Metzgermesser mehrere Menschen auf dem Markplatz verletzt. Wenige Monate vorher war Rapp in der 51 000 Einwohner zählenden Stadt mit großer Mehrheit in eine zweite Amtszeit gewählt worden. Am 8. März steht er erneut zur Wahl – bisher noch ohne Konkurrenz.
Freiburg: Schafft es Martin Horn erneut?
6 Es war eine faustdicke Überraschung, als der junge Sindelfinger Rathausmitarbeiter Martin Horn vor acht Jahren Deutschlands ersten grünen Großstadt-OB Dieter Salomon bei der Freiburger OB-Wahl schlug. Jetzt will der 41-Jährige wiedergewählt werden und kann erneut auf die Unterstützung von SPD und FDP zählen. Die Wahl ist am 26. April, Kandidaten gibt es reichlich. Unter anderem tritt die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft, Monika Stein, an, die von Grünen und Linken unterstützt wird. Die CDU schickt den parteilosen Unternehmer Achim Wiehle ins Rennen.
Stutensee: Der CDU-Fraktionschef steht schon bereit
7 Kurz vor Weihnachten hat Petra Becker angekündigt, dass sie im Sommer nicht erneut zur OB-Wahl in Stutensee antritt. Angesichts der vielen wichtigen Aufgaben, die in den kommenden Jahren in der 25 000-Einwohner-Kommune im Kreis Karlsruhe zu bewältigen seien, könne sie mit 65 Jahren keine Gewähr für die aus ihrer Sicht notwendige Kontinuität bieten, sagte die parteilose Politikerin. Ein erster Interessent für die Nachfolge hat sich vor wenigen Tagen gemeldet. Es ist der junge Chef der CDU-Gemeinderatsfraktion, Tobias Walter, der nicht nur seine Partei, sondern auch schon SPD und FDP hinter sich weiß.
Mössingen: Bulander will Kontinuität bieten
8 Michael Bulander (parteilos) amtiert in Mössingen (Kreis Tübingen) seit 2010 und hat schon angekündigt, dass er bei der Wahl, die voraussichtlich am 5. Juli stattfindet, wieder antreten wird. „Der Ton wird rauer, die nächsten Jahre werden nicht einfacher“, sagte der 54-Jährige. „In diesen Zeiten brauchen die Menschen Kontinuität.“ Im Gemeinderat der 22 000-Einwohner-Stadt gab es für diese Ankündigung Applaus. Weitere Kandidaten sind bisher noch nicht in Sicht.
Ehingen: Baumann überlegt noch
9 Noch lässt Alexander Baumann die Ehinger zappeln. Seit 31 Jahren arbeitet der fast 64-Jährige in der 28 000-Einwohner-Stadt im Alb-Donau-Kreis, die einst Stammsitz der Drogeriemarktkette Schlecker war. Zunächst war der CDU-Mann Finanz-, dann Oberbürgermeister. Ob er bei der Wahl im Herbst wieder antritt, werde er noch rechtzeitig bekannt geben, ließ er bisher lediglich verlauten. So oder so, es werde ja doch wieder ein CDU-Mann das Rennen machen, heißt es bei den Grünen. Der junge Star der Ehinger CDU-Gemeinderatsfraktion kommt allerdings nicht in Frage: Manuel Hagel strebt bekanntlich nach Höherem, was auch an seiner Sitzungspräsenz abzulesen ist. In den vergangenen Monaten wurde Hagel im Ehinger Rathaus kaum noch gesehen.
Villingen-Schwenningen: Roth möchte weiter machen
10 Schon im Oktober, und damit ein Jahr vor dem Wahltermin, hat Jürgen Roth angekündigt, dass er seinen Vertrag als OB von Villingen-Schwenningen gerne verlängern möchte. Vor allem im Bereich der Digitalisierung hat der CDU-Mann die 90 000-Einwohner-Stadt im Schwarzwald weiter gebracht. So hat er über die Straßenlaternen ein Stadt-Wlan installieren lassen. Kaum Fortschritte erzielte er hingegen bei der Straffung der Struktur. Die Schaffung eines zentralen Rathauses ist für die Baden-Württemberg-Stadt aus dem Blick geraten, auch ansonsten gibt es etliche Einrichtungen immer noch doppelt. Zudem drücken zahlreiche kleine Dorfschulen aufs Budget der Kommune. Innerhalb der Rathausbelegschaft hört man Klagen über den Führungsstil, ansonsten gilt Roth aber als bürgernah. Gegenkandidaten sind bisher nicht in Sicht, vor allem bei Grünen und SPD wird aber offenbar gesucht.
Offenburg: Steffens verzichtet – wegen seiner kranken Eltern
11 Der Offenburger OB Marco Steffens hat sich zu Jahresbeginn mit einer Videobotschaft an seine Bürger gewandt. Bei der Wahl im Herbst werde er nicht noch einmal antreten, sagte der 47-jährige CDU-Mann. „Ich liebe dieses Amt. Neben diesem Amt gibt es aber auch noch eine Familie. Und meine Familie braucht mich jetzt etwas mehr, insbesondere meine kränkelnden Eltern.“ In den vergangenen Wochen habe er gemerkt, dass er als Oberbürgermeister einer 67 000-Einwohner-Stadt und noch dazu in einem Wahlkampf nicht die hinreichende Zeit finden werde, um nach ihnen zu sehen. „Und ich weiß nicht, wie viel Zeit uns noch bleibt.“