Harald Köck (links) und Michael Scharmann vor Beginn der Bewerbervorstellung Foto: Stoppel

Der Weinstädter Amtsinhaber Michael Scharmann und sein Herausforderer Harald Köck präsentieren sich den Bürgern beim Kandidatenduell zur OB-Wahl. Wie haben sich die zwei Bewerber um den Chefposten geschlagen?

Michael Scharmann muss schnell reden, um möglichst viele der in seiner Amtszeit umgesetzten und angestoßenen Projekte in die Redezeit zu packen, die ihm bei der Kandidatenvorstellung zur Verfügung steht. Sie sind das Pfund, mit dem er für die Weinstädter Oberbürgermeisterwahl am 20. Oktober wuchern will und kann.

 

Im Vergleich zu der Kandidatenvorstellung von vor acht Jahren, als Scharmann sich erstmals zur Wahl stellte, sind die Plätze in der Beutelsbacher Halle recht licht besetzt. Ob der Wahlkampf damals größeres Interesse weckte oder die parallel am Dienstagabend stattfindende Champions-League-Begegnung von VfB Stuttgart und Sparta Prag ursächlich für die geringere Besucherzahl ist, bleibt dahingestellt. Köck jedenfalls nutzt den Umstand geschickt, um bei eventuell noch vorhandenen Fußballfans in der Halle zu punkten. Statt in den vom Amtsinhaber eingeläuteten Wettbewerb des Schnellsprechens einzutreten, zwackt er die ersten Minuten seiner Redezeit ab, um über den Spielstand zur Halbzeit zu informieren.

Größte Projekte der Amtszeit

Scharmann indes geht sofort in medias res. Ohne Amtsdünkel stellt er seine Person vor – obwohl sein Werdegang als Diplom-Verwaltungswirt und sein Familienstand als verheirateter zweifacher Vater bekannt sein dürfte –, bevor er auf die größten Projekte seiner Amtszeit eingeht. Dabei erinnert er an die vielen Vorhaben für die Remstal-Gartenschau, den Umbau der Großheppacher Grundschule für einen Ganztagsbetrieb und den Bürgerpark Grüne Mitte. „Der Schwerpunkt meiner ersten Amtszeit lag auf den Bildungseinrichtungen, und wir sind noch lange nicht fertig“, sagt er und richtet den Blick in Gegenwart und Zukunft mit unter anderem der aktuellen Sanierung der Endersbacher Grundschule und dem geplanten Neubau der Beutelsbacher Grundschule.

Zudem schreibt er sich Bürgerbeteiligung und Ansprechbarkeit für jedermann auf die Fahnen und verspricht „alles Mögliche“ für den Erhalt der Kulturlandschaft Weinstadts, lobt das Ehrenamt „als Stütze der Gesellschaft“ und nennt die Steigerung der Aufenthaltsqualität in den Ortsteilen als wichtiges Ziel. Klare Vorstellungen hat er auch bei dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses und der Überplanung des Cabrio-Areals, das er als „ideal“ erachtet für Mehrgenerationenhäuser und betreutes Wohnen. Derweil soll im Rathaus verstärkt Künstliche Intelligenz Einzug halten, um dem Personalmangel in der Verwaltung zu begegnen.

Gespannt ist man indes, wie sich Scharmanns Herausforderer Harald Köck positioniert. Der gebürtige Münchner, der seit 2012 mit seiner Familie in Weinstadt-Strümpfelbach lebt, hat, wie er selbst sagt, „vielfältige Erfahrungen“ in seinem Berufsleben gesammelt und „viele Perspektiven der freien Marktwirtschaft kennengelernt“. So machte er zunächst eine Banklehre, begann dann ein Maschinenbaustudium und absolvierte noch eine Ausbildung zum Zimmermann. Aktuell führt der 57-Jährige ein eigenes Transportanlagenunternehmen in Ditzingen.

Am Rednerpult tritt er nicht als Scharmanns Kritiker auf. „Ich stehe hier nicht, weil ich denke, dass alles falsch läuft und es deshalb Verbesserungen geben muss“, sagt Köck. Stattdessen erklärt er seine Motivation zu kandidieren aus seinem Demokratieverständnis heraus. „Um Zukunft aktiv zu gestalten, braucht es Visionen, braucht es Menschen wie mich, die nicht aus der Verwaltung, sondern aus der freien Wirtschaft kommen.“ Denn nur durch ein „attraktives Umfeld“ lasse sich verhindern, dass Menschen und Unternehmen abwanderten. „Dazu braucht es bezahlbaren Wohnraum und eine gut ausgebaute Infrastruktur.“

Thermalquellen in Weinstadt

Seine Vision hierzu: die Installation eines Regionalbahnhofs zusätzlich zu den drei S-Bahnhöfen, um neben mehr Personenverkehr auch den Warenverkehr auf die Schiene zu bringen. Hinsichtlich des Ausbaus von erneuerbaren Energien schlägt er vor, neben PV-Anlagen auf Industriegebäuden und Windkraft auch Geothermie in Betracht zu ziehen. Schließlich gebe es in Weinstadt auch Thermalquellen, für deren Nutzung ihm noch eine andere Vision vorschwebt: die Entwicklung Weinstadts hin zum Kurort. „Eine perfekte Infrastruktur kombiniert mit Thermalquellen könnte auch Gastronomie und Hotels neue Impulse geben.“ Als weitere Themen nennt er die Förderung des Ehrenamts, die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung und mehr Gemeinschaftspflege.