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Für 13 Kandidaten und eine Kandidatin schlägt die Stunde der Wahrheit: An diesem Sonntag können rund 415 000 Stuttgarter ihr neues Stadtoberhaupt wählen.

Stuttgart - Die Spannung steigt. Nicht nur bei den 14 Bewerbern, sondern auch bei den Stuttgarter Bürgern, den Medien und den Beobachtern außerhalb von Stuttgart. Rund 110 Journalisten von Funk, Fernsehen und Printmedien haben sich im Rathaus angemeldet, um über den Ausgang der OB-Wahl zu berichten.

Die Ausgangslage: Die größten Chancen, Nachfolger von Wolfgang Schuster (CDU) zu werden, dürften Fritz Kuhn (Grüne) und Sebastian Turner (parteiloser Kandidat von CDU, FDP und Freien Wählern) haben, meinen die Meinungsforscher. Infratest-Dimap hatte knapp zwei Wochen vor dem ersten Wahlgang Kuhn bei 31 Prozent gesehen, Turner bei 28 Prozent, die parteilose SPD-Kandidatin Bettina Wilhelm bei 21 und den profilierten Stuttgart-21-Gegner Hannes Rockenbauch bei 13 Prozent, die anderen zehn Bewerber bei insgesamt sieben Prozent. Zuletzt warteten die Institute für Produkt-Markt-Forschung mit den Ergebnissen einer nicht repräsentativen Online-Umfrage auf, wonach Kuhn bei den Befragten am besten abschneidet und vor allem bei den 40- bis 64-Jährigen punktet, Turner bei den 18- bis 24-Jährigen. Demnach hatten sich bei den 25- bis 39-Jährigen besonders viele Personen noch nicht entschieden: ein Viertel.

Der Endspurt: Am Freitag wurde ein Brief des Alt-Oberbürgermeisters Manfred ­Rommel (CDU) an alle Stuttgarter Haushalte bekannt, in dem er für Turner wirbt. Dieser sei ein unabhängiger Kopf, der bereits Beachtliches geleistet habe und wisse, wie man Menschen motiviere. Turners Sprecher Stephan Schorn beugte in einer Pressemitteilung vorsorglich dem Verdacht vor, dass der an Parkinson erkrankte Alt-OB den Brief nicht selbst geschrieben haben könnte. „Den Text hat er selbstverständlich selbst verfasst“, heißt es in der Mitteilung. Schon einmal hatte Rommel für Turner Partei ergriffen: als die CDU sich im Frühjahr intern entscheiden musste, ob sie den parteilosen Turner oder den früheren CDU-Sozialminister Andreas Renner als Kandidat nominiert. Damals wurde Rommels Brief an die Teilnehmer der Parteiveranstaltung mit ­großer Aufmerksamkeit registriert.

Die Vorbereitungen: Die Stadtverwaltung prüfte und optimierte ihre Computersysteme, weil am Sonntag mit vielen Zugriffen auf die Internetseite der Stadt – www.stuttgart.de – mit den Wahlergebnissen gerechnet wird. Man war vorgewarnt durch den Tag des Volksentscheids zu Stuttgart 21. „Normalerweise müsste jetzt aber alles gutgehen“, sagte Markus Vogt, Leiter der Stabsabteilung Kommunikation im Rathaus.

Das Wahlamt der Stadt schult an diesem Samstag noch die letzten Wahlhelfer. Insgesamt werden an diesem Sonntag rund 2500 Personen in 349 Wahlbezirken in ganz Stuttgart im Einsatz sein. Ein Massengeschäft wird das Auszählen der Briefwahlstimmen im SSB-Zentrum auf der Waldau in Degerloch sein. Bis Freitag, 18 Uhr, als das Wahllokal für Briefwähler im Statistischen Amt der Stadt im Schwabenzentrum schloss, hatten knapp 55 000 Stuttgarterinnen und Stuttgarter Briefwahl beantragt und größtenteils bereits ihre Kreuzchen auf dem Stimmzettel gemacht. Zum Vergleich: Bei der OB-Wahl im Jahr 2004, bei der Wolfgang Schuster zum zweiten Mal angetreten war, stimmten rund 36 000 Bürger per Briefwahl ab. Die starke Zunahme der Briefwahlanträge mochte Thomas Schwarz, Leiter des Wahlamts, aber nicht als zwingendes Vorzeichen für eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als 2004 deuten. Bei den Wahlen der letzten Jahre hätten sich zunehmend mehr Wahlberechtigte für Briefwahl entschieden und gegen den sonntäglichen Gang ins Wahllokal. Außerdem dürfen diesmal deutlich mehr Menschen wählen als 2004, darunter rund 4000 Menschen, die nach der Aufnahme Rumäniens und Bulgariens in die EU ebenso wahlberechtigt sind wie andere EU-Bürger mit Wohnsitz in Stuttgart. Außerdem könnten die unterrichtsfreien Tage am Donnerstag und Freitag für viele Stuttgarter Schüler dazu geführt haben, dass Familien wegfuhren und die Eltern auf Briefwahl setzten, meint Schwarz. Das Interesse dürfte kaum geringer sein, falls an diesem Sonntag kein Bewerber die absolute Mehrheit der Stimmen erzielt und ein zweiter Wahlgang am 21. Oktober notwendig wird.

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