Nach dem ersten Wahlgang gibt es noch keinen neuen Schorndorfer Oberbürgermeister. Einige der Kandidaten bereiten sich nun auf den Endspurt vor – andere ziehen zurück. Am 28. November wird erneut gewählt.
Schorndorf - Was die große Politik kann, das kann das kleine Schorndorf erst recht: Der Wahlkampf um das Amt des Oberbürgermeisters, entwickelt sich nach der bisherigen Ausgangslage nämlich zu einem waschechten Triell. „Das hat mich schon überrascht, dass drei Bewerber so stark unterwegs sind. Ich hätte eher gedacht, es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, sagt Schorndorfs Erster Bürgermeister Thorsten Englert am Tag nach dem ersten Wahlgang.
Fehlt der eine überzeugende Kandidat?
Markus Reiners ist aus diesem mit 26,3 Prozent knapp als Sieger hervorgegangen, Bernd Hornikel wurde mit 25,6 Prozent Zweiter und Andreas Schneider konnte als Drittplatzierter 24,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. „Das Volk hat sich noch nicht auf einen eingegroovt, vielleicht auch, weil der überzeugende Verwaltungsfachmann nicht dabei war“, wagt Thorsten Englert eine Analyse. Aus Kommentaren in den sozialen Netzwerken lässt sich tatsächlich herauslesen, dass der ein oder andere Schorndorfer schlicht nicht weiß, wen er den eigentlich wählen soll – was eventuell auch die mit 44,6 Prozent recht niedrige Wahlbeteiligung erklären könnte. Englert hat deswegen für die kommenden drei Wochen bis zum zweiten Wahlgang am 28. November einen klaren Wunsch: „Ich erhoffe mir mehr Profilschärfe von den drei Bewerbern.“
Verwaltungs- und Politikerfahrung sollen überzeugen
Dass nur 225 Stimmen zwischen dem Erst- und Drittplatzierten liegen – das dürfte nicht nur ihn überrascht haben. Markus Reiners, Kandidat der CDU, FDP und Teilen der Freien Wähler, betreibt großen Aufwand: Er hat als erster ein Büro in der Altstadt bezogen, im örtlichen Kino läuft ein Werbespot des Stuttgarter CDU-Stadtrats. Für ihn habe sich die Ausgangslage bereits angedeutet, erzählt der 57-Jährige, auch „wenn ich vor allem an den Ständen sehr positiven Zuspruch bekommen habe.“ Er wolle nun mit seinem Profil überzeugen, mit seinem unabhängigen Blick von außen, seiner breiten Verwaltungserfahrung sowie seiner Politikerfahrung: „Und die braucht man, um Land zu sehen“, sagt Reiners, der im Ministerium des Inneren im Bereich Digitalisierung tätig ist.
Mehr Einsatz in den Teilorten, Parteilosigkeit als Pfund
Sein persönliches Profil will auch Bernd Hornikel, stellvertretender Amtsleiter beim Landesbetrieb Bau und Vermögen in Ludwigsburg, weiter herausarbeiten. „Ich denke, es müssen Themen und Lösungen konkreter benannt werden“, sagt der 52-Jährige, der kurz vor dem Wahlsonntaggezeigt hat, dass er ein Gespür dafür hat: Er setzte sich für den Erhalt der maroden Schönblickhütte ein, hat eine Spendenaktion mitinitiiert. Großes Potenzial sieht der Kandidat, der von den Grünen unterstützt wird, in den Teilorten – in Buhlbronn etwa hat er nur etwas mehr als 8 Prozent der Stimmen bekommen. „Speziell in den Ortschaften konnte Andreas Schneider mit Wissen punkten“, sagt er.
Der 46-jährige Andreas Schneider ist so etwas wie der inoffizielle Sieger des Abends. Allerdings konnte der Schorndorfer Stadtrat bereits bei der ersten offiziellen Kandidatenvorstellung mit einem gelungenen Auftritt punkten. Worauf er seinen Erfolg zurückführt? „Meine Programmatik, meine Parteilosigkeit und dass ich von hier komme“, sagt Schneider, der seit kurzem kein Mitglied der Grünen mehr ist. Schneider schaut optimistisch nach vorne, vor allem auch wegen seines Teams.
Burbott, Schwenk und Schnitzer ziehen zurück
Sehr zufrieden mit ihren jeweiligen Ergebnissen sind die beiden 32-jährigen Kandidaten Manuel Burbott und Tobias Schwenk. „Viele meiner Freunde waren Erstwähler. Das freut mich sehr, dass sie ihr Wahlrecht genutzt haben“, sagt Tobias Schwenk. Beide werden nicht mehr antreten, geben aber bisher keine Empfehlung ab. „Es soll ein klares Ergebnis geben“, begründet Manuel Burbott den Rückzug. Auch Dörte Schnitzer freut sich über mehr als 300 Stimmen, zieht aber zugunsten von Bernd Hornikel zurück, „weil ich ihm am ehesten zutraue, den Klimaschutz in Schorndorf voranzubringen.“ Horst Zwipp zeigt sich in den sozialen Netzwerken sehr enttäuscht über sein Ergebnis und wollte am Montag zunächst die Situation für sich klären.
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Bis zum 15. November können die Kandidaten ihre Bewerbung zurückziehen. Auch neue Bewerbungen sind bis dahin möglich. „Aber das ist schon schwierig, die anderen Bewerber haben ihre Groupies schon um sich versammelt“, sagt Thorsten Englert.