Zerkleinert, erniedrigt und zerfetzt: So manches Wahlplakat in Stuttgart muss schon wenige Tage nach der Anbringung ersetzt werden – die Kandidaten und ihre Helfer hoffen, dass sich der Vandalismus diesmal in Grenzen halten wird. Foto: Peter-Michael Petsch

OB-Kandidaten und Helfer bekommen es wieder mit Vandalismus zu tun – noch herrscht Gelassenheit.

Stuttgart - Kaum aufgehängt, sind sie schon wieder am Boden. Die ersten Wahlplakate wurden von Unbekannten nieder­gemacht, zertrampelt, zerfetzt oder bemalt. Noch herrscht in den Wahlkampfzentralen aber Gelassenheit.

Vier Tage nach dem Auftakt des Plakatwahlkampfs um den Stuttgarter OB-Sessel gibt es schon Spuren von Vandalismus: beschädigte Plakate der SPD-Kandidatin Bettina Wilhelm in der Augsburger Straße in Bad Cannstatt, zerfetzte Poster des bürgerlichen Kandidaten Sebastian Turner auf dem Marktplatz, und auch Grünen-Kandidat Fritz Kuhn ist nicht ganz ungeschoren davongekommen.

Das kann einen erfahrenen Mann wie Kuhns Wahlkampfleiter Thomas Dengler natürlich noch nicht erschüttern. Er bleibt gelassen. Aber Dengler ist auch klar: „Da wird in den sechs Wochen zwischen Plakatierbeginn und Wahltag noch viel passieren.“ Wenn die Nachtschwärmer durch die Stadt ziehen und schon dem Alkohol zugesprochen haben, geraten schnell die Plakate in ihr Visier. Daher gibt es die meisten Schäden üblicherweise nicht in den Außenbezirken, sondern in der Innenstadt.

Wahlkampfleiter lassen von vornherein etwas mehr Plakate drucken

Gefährdet ist besonders, was tief hängt. Da, wo es geht, hängen die Wahlkampfteams die Plakate ihrer Kandidaten gern etwas höher. Weil aber trotz Vorsichtsmaßnahmen der Vandalismus kaum zu verhindern ist, lassen die Wahlkampfleiter von vornherein etwas mehr Plakate drucken, damit man ­Ersatz in Reserve hat.

Die Grünen gaben 4000 Plakate in ­Auftrag, wollten zunächst aber nur 3000 unters Volk bringen. „Der Rest ist Reserve“, sagt Dengler, „aber die Ortsvereine können selbst bestimmen, ob sie die Reserve halten oder gleich alles verarbeiten wollen.“ Schlimmstenfalls haben sie dann keinen ­Ersatz mehr, wenn in einigen Wochen ­Lücken im Stadtteil klaffen.

Von den Großflächenplakaten würden ­zunächst 30 auf öffentlichen Plätzen und Straßen verwendet, sagt Dengler. Alle zwei Wochen mache das Unternehmen, das die Großflächenplakate anbrachte, Kontrollfahrten und erneuere die Plakate notfalls. Nicht ganz so groß sei die Gefahr von Vandalismus bei den Großflächenplakaten, die die Grünen mit Hilfe von Sponsoren finanzieren, sagt Dengler. Die Standorte sind zumeist auf Privatflächen, an die die Vandalen schlechter herankommen. Die Spender zahlen für zehn Tage Plakatwerbung. Die erste Runde ist Ende September vorgesehen, die zweite setzt vor dem ersten Wahlgang am 7. Oktober ein und soll bis 10. Oktober dauern.

Noch hoffen alle Beteiligten, dass der ­Vandalismus diesmal kein Riesenproblem wird. Näheres wisse man meistens in der zweiten oder dritten Woche des Plakatwahlkampfs, sagt Jürgen Graner vom Wilhelm-Team, bei dem bisher noch wenig Hiobsbotschaften eingetrudelt sind.

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