Ein Flyer von OB-Kandidat Markus Vogt alias Häns Dämpf: 70 Prozent plus X sind sein Ziel. Foto: Markus Vogt

Kabarettist Häns Dämpf (Die PARTEI) hat große Pläne: Als OB will er Stausee21 umsetzen.

Stuttgart - OB-Kandidatin Selma Kruppschke nannte ihn einen Spaßkandidaten. Das weist Markus Vogt alias Häns Dämpf von der Partei „Die PARTEI“ entschieden von sich: „Eigentlich bin ich der einzige seriöse Kandidat, da ich als einziger Poilitikwissenschaften und Philosophie studiert habe und damit den nötigen Überblick besitze.“ Der Kabarettist und Musiker rechnet sich gute Chancen aus, 70 Prozent plus X sollen es werden. Sehr ernst legt er auch seine Vorschläge dar, Stausee21 etwa liegt ihm sehr am Herzen.

Seine Partei „Die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ allerdings ist als parodistisch-satirische Partei bekannt: Sie wurde 2004 von Redakteuren des Satire-Magazins Titanic gegründet. Zur Bundestagswahl aber wurde sie zugelassen, sie erfüllt die Anforderungen des Parteiengesetzes. In unserem Interview fordert Vogt, die Stadt zu fluten und in ein Naherholungsgebiet zu verwandeln und das Rathaus zu sprengen und spricht über seine internationalen Karrierepläne.

Hallo Herr … Vogt oder Herr Dämpf?

Markus Vogt: Bürgerlich heiße ich Markus Vogt, das wird auch auf dem Wahlzettel stehen. Es muss ja seriös wirken. Dämpf soll dann vor allem auch diejenigen ansprechen, die mich unter diesem Namen kennen. Es geht bei einer Wahl ja darum, so viel Stimmvieh wie möglich zu sammeln.

Wenn Sie am 7. Oktober dann antreten dürfen: Wie viel Prozent der Stimmen erhalten Sie im ersten Wahlgang?

70 plus X. Alles drunter wäre Spekulation und eine Enttäuschung. Ich trete mit dem klaren Ziel an, zu gewinnen.

Wie kamen Sie darauf, sich zu bewerben?

Seit sechs Jahren bin ich Kabarettist und Musiker, diese Karriere ist finanziell absolut nicht lukrativ. Da ich als Kabarettist gescheitert bin, aber auch Politikwissenschaften studiert habe, war ich schon lange auf der Suche nach der geeigneten Partei. Und „Die PARTEI“ ist einfach die beste Partei in der deutschen Parteienlandschaft.

War es also nur Zufall, dass Sie, als Tübinger, sich jetzt in Stuttgart als OB bewerben?

Nein. Ich habe einen starken Bezug zu der Stadt. Schon früher habe ich Konzerte in den Wagenhallen organisiert, zum Beispiel am 2008 mit Götz Widmann, habe gerne Diskos wie die Röhre besucht. Dieser Club ist nicht der einzige, der zumachen musste. Deshalb will ich mich auch für die alternative Kulturszene in Stuttgart einsetzen.

Und Ihr neues Buch „Mit VollDämpf aus der Krise“ zu promoten hat keine Rolle gespielt?

Das wird sowieso ein Bestseller. Schaden kann’s aber nicht. Ich bin ja auch nicht der einzige Politiker, der so etwas gemacht hat.

Sie wollen der erste deutsche Philosophenkönig werden. Wie sähe Ihr Regierungsstil aus? Eher Merkelesk-Präsidial oder orientieren Sie sich eher am preußischen Philosophenkönig Friedrich dem Großen?

Ich stehe für intelligente Politik. Diese Preußenleute haben schrecklich versagt, ich wäre da geeigneter.

Ist Stuttgart also nur Sprungbrett für eine nationale Karriere?

Genau. Vielleicht sogar für eine internationale Karriere. Boris Palmer macht es ja genauso. Ich werde so tun, als hätte ich Interesse für die Stuttgarter. Aber eins ist ja klar, ich bin Populist. Wenn genug Leute sagen: Mach das, dann mach ich das auch. Auch in Stuttgart.

Können Sie Ihr Wahlprogramm kurz in drei Stichpunkten zusammenfassen?

Ich habe kein Wahlprogramm. Die Leute sollen ihre Ruhe haben vor der Politik. Ich will ihnen nicht auch noch auf die Nerven gehen. Aber das Rathaus zum Beispiel, das ist ja total hässlich, das werde ich sprengen und die Regierungsgeschäfte vom Breuninger aus führen. Außerdem möchte ich die Stadt fluten, und das sogenannte Projekt Stausee21 umsetzen. Stuttgart soll ein Naherholungsgebiet werden. Die Bürger unter Wasser werden davon nichts merken, da ich eine große Glaskugel über die Stadt bauen will. Ich werde natürlich auch dorthin ziehen.

Selma Kruppschke, auch OB-Kandidatin, bezeichnete Sie kürzlich als Spaßkandidaten. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Das weise ich mit aller Entschiedenheit von mir. Die PARTEI hat bewiesen, dass sie keine Spaßpartei ist. Wir haben große Erfolge erzielen können, auch ohne parlamentarische Beteiligung, etwa den Sonneborn-Paragraphen (dieser regelt, dass Parteien, die vom Bundeswahlausschuss nicht zugelassen wurden, vor das Bundesverfassungsgericht ziehen können. Anm. d. Red.). Eigentlich bin ich der einzige seriöse Kandidat, da ich als einziger Politikwissenschaften und Philosophie studiert habe und damit den nötigen Überblick besitze.

Meinen Sie, Sie bekommen die nötigen 250 Unterschriften zusammen?

150 habe ich schon, es fehlen also nur noch 100 und die werde ich noch zusammenbekommen.

Und wen wählen Sie am 7. Oktober?

Da ich Tübinger bin, habe ich kein Wahlrecht bei der Stuttgarter OB-Wahl.

Häns Dämpf im Netz und auf Facebook.

Zur Person: Häns Dämpf, der Musiker und Kabarettist, heißt mit bürgerlichem Namen Markus Vogt. 2006 legte er sich den Künstlernamen zu. Der studierte Politikwissenschaftler und Philosoph lebt in Tübingen. Kürzlich hat er ein neues Buch veröffentlicht: Mit VollDämpf aus der Krise! Mit seinem Philosophischen Kabarett tourt er durch Deutschland und gibt Konzerte. Außerdem hat er eine CD herausgebracht: Endlich Mainstream.

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