Ein Kopf, viele Helfer, ein Team (v. li.): Ulrich Jochimsen, Barbara Kern, Dieter Reicherter, Andreas Ottmayer, Lothar Maier, Jens Loewe, Georg Frank und Ernest Petek. Foto: Peter-Michael Petsch

Ideen, Themen und Überzeugungen sind es, die dieses Team von Jens Loewe immer wieder hier im Stuttgarter Osten zusammenführt.

Stuttgart - Hier ist alles anders. Und zwar von A bis Z. Wahlkampf wird hier in der Ostendstraße 106 anders buchstabiert. Schon der Zugang ins Büro von OB-Kandidat Jens Loewe bietet reichlich Gestaltungs-Raum. Es ist ein alter Lastenaufzug, in dem vor vielen Jahren Möbel-Müller täglich Riesenwandschränke bewegt hat. Heute transportiert er Menschen samt ihren Ideen in den vierten Stock.

Ideen, Themen und Überzeugungen sind es, die dieses Team von Jens Loewe immer wieder hier im Stuttgarter Osten zusammenführt. Oder das gemeinsame „Herzblut für die direkte Demokratie“, wie sie sagen. Auch damit unterscheidet sich die Mannschaft des freischaffenden Künstlers Loewe gewaltig von vielen anderen Wahlkampf-truppen, die in diesen Tagen um die Gunst der Stuttgarter Wähler kämpfen. Es ist keine perfekt geschmierte Wahlkampfmaschinerie. Es gibt keine Event-Manager, keinen Wahlkampfleiter, keine Stilberater, keinen PR-Mann. „Bei uns muss jeder fast alles können“, sagt Loewe. Vom Professor bis zum Erzieher. Flugblätter verteilen, Plakate aufhängen, Stimmen fangen.

Die Mannschaft ist der Star.

Einfache Jobs, die in so einer Wahlschlacht notwendig sind. Aber keiner wird auf diese Tätigkeiten reduziert. Wichtiger ist es Jens Loewe, was seine Helfer überdies mitbringen. An Gedanken und an Kenntnissen in komplexen Themenbereichen: beispielsweise zum europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), zur Re-Kommunalisierung der Energieversorgung oder zum Dauerbrenner Stuttgart 21. Loewe hat daher kein klassisches Wahlkampfteam, er hat ein Expertenteam. Und er selbst bündelt alles in seiner Person. Mit einer Stimme. Am besten „im direkten Kontakt mit den Menschen auf den Wahlkampfveranstaltungen“.

In seiner Kasse sind nur 10.000 Euro

Darauf vertraut Loewe. Der Aktivist des Stuttgarter Wasserforums kann reden, er kann überzeugend vortragen. Und dabei schwingt immer wieder seine Botschaft mit: „Ich mache das Angebot, dass sich eine Person zur Verfügung stellt, die eine Bereitschaft zu harten Auseinandersetzungen mitbringt.“ Loewe will weder populär noch populistisch sein: „Ich schaue nicht danach, dass möglichst viele Leute klatschen. Wenn ich dabei bei Podiumsdiskussionen schlechter abschneide, nehme ich das in Kauf. Ich setze nicht das Gewinnen an die erste Stelle, sondern die Themen.“

Wenn ein Konkurrent im Rededuell 100 neue Kita-Plätze verspricht, kontert er nicht mit der Zahl 150. Effekthascherei lehnt er ab. Wie alles, was in irgend einer Form seine „Authentizität und Identität“ ankratzt. Dazu gehört auch die Garderobe. „Für mich gibt es eine Wohlfühlgrenze“, sagt er. Anzug und Krawatte holt er nur aus dem Schrank, wenn „es die Sache oder die Konvention erfordert“. Aber dies wird bis zur Entscheidung über den neuen Oberbürgermeister wohl kaum der Fall sein.

Worte wie Marketing oder Micro-Targeting kommen in seiner Kampagne nicht vor

Es ist eben ein Wahlkampf der anderen Art. Loewe verzichtet daher auch weitgehend auf Werbung. 400.000 Flugblätter sind alles, was er sich gönnt. „Ich mache keinen Wahlkampf wie Werbung für Hundefutter“, sagt er. Worte wie Marketing oder Micro-Targeting kommen in seiner Kampagne nicht vor. Er wird nicht großflächig plakatieren und „keine Floskeln rausblasen“. „Wahrscheinlich machen wir im Vergleich zu anderen Kandidaten werbetechnisch viel falsch“, sagt er, „aber wir wollen uns auf diese Art von Wettbewerb nicht einlassen.“

Denn all das kostet Geld. Und viel Geld schaffe aus seiner Sicht große Abhängigkeiten. Nichts ist dem parteilosen Kandidaten Jens Loewe mehr zuwider, als solche Fesseln durch eine Ideologie, Fraktionszwänge oder einen Konzern. „Ich mache nichts, was später mal eine Beißhemmung auslösen könnte“, sagt er. Keiner solle sich etwas vormachen: „Wer große Spendenbeträge nimmt, der muss später auch liefern.“ Wenn einer 400.000 Euro in den Wahlkampf investiere, müsse sich das für alle rechnen.

Loewe buchstabiert Wahlkampf eben anders. Und er rechnet das Ganze auch anders. In seiner Kasse sind nur 10.000 Euro.

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