Die Sanierung der Oper ist nur eines von mehreren Kulturprojekten in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Debatten über Oper und Konzerthaus haben in den vergangenen Jahren die Kulturpolitik im Rathaus bestimmt. Doch nicht nur bei Großprojekten muss das neue Stadtoberhaupt die Richtung vorgeben.

Stuttgart - Die Kultur- und Kunstszene ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Während sich staatliche Einrichtungen wie etwa die Staatstheater oder viele Museen mit Kurzarbeit über Wasser halten können, steht privaten Theatern, Kinos, Konzertveranstaltern und Kulturclubs dasselbe bis zum Hals. Ohne Publikum keine Einnahmen – und ohne Einnahmen droht vielen das Aus.

Die wichtigste Aufgabe des neuen Stadtoberhaupts wird es deshalb sein, zu verhindern, dass die kulturelle Vielfalt Stuttgarts durch die finanziellen Folgen der Pandemie verloren geht. Dazu dürfte eine Aufstockung und Ausweitung des vom Rat bereits abgesegneten Nothilfefonds gehören, der Existenzhilfen in Höhe von 2,92 Millionen Euro für bisher schon von der Stadt geförderte Kultureinrichtungen sowie eine Verdoppelung des Live-Music-Fonds für die Stuttgarter Clubszene auf 160 000 Euro vorsieht.

Weichenstellung für die Zukunft

Darüber hinaus geht es um wichtige Weichenstellungen in Sachen Oper, Konzerthaus und Linden-Museum. Amtsinhaber Fritz Kuhn (Grüne) hat sich stets zur Sanierung des historischen Littmann-Baus bekannt, die bis zu einer Milliarde Euro kosten könnte.

Die Initiative Aufbruch Stuttgart um den Ex-TV-Moderator Wieland Backes fordert dagegen weiterhin vehement den Bau einer weiteren Spielstätte, die angeblich günstiger zu haben wäre und nach der Sanierung des Großen Hauses auch als Konzerthalle dienen könnte.

Die kleinen Kultureinrichtungen brauchen eine Perspektive

Dem widerspricht die Initiative Konzerthaus, in der sich namhafte Konzertveranstalter und Vertreter diverser Orchester und Chöre zusammengeschlossen haben. Die Initiative strebt eine eigenständige Stuttgarter Philharmonie an, hält einen Zwitterbau für untauglich. Zwischen diesen beiden Polen muss der neue Mann oder die neue Frau an der Rathausspitze eigene Initiativen entwickeln, die zudem die finanziellen Möglichkeiten der Stadt in der Nach-Corona-Ära nicht überstrapazieren sollten.

Auch der seit Jahren diskutierte Neubau des in die Jahre gekommenen Linden-Museums muss auf die Zeitschiene gesetzt werden. Vor allem aber die vielen kleinen Kultureinrichtungen, die der Stadt den Titel einer Kulturhauptstadt beschert haben, brauchen eine Perspektive.

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