Öffentliche Termine mit den OB-Kandidaten (hier beim Traubenpressen) sind in Zeiten von Corona schwierig zu bewerkstelligen. Um sich bekannt zu machen, setzen die Kandidaten auch auf Plakate. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Nun darf in der Landeshauptstadt zur OB-Wahl auf öffentlichen Flächen plakatiert werden. Die Zahl der Großplakate hat die Stadt zwar auf 20 je Bewerber begrenzt, dennoch droht eine Plakatflut.

Stuttgart - Von diesem Sonntag an dürfen die Kandidaten zur OB-Wahl jeweils bis zu 2500 kleinere „Konterfeiplakate“, 350 für Wahlinfoveranstaltungen und 20 Großplakate auf öffentlichen Flächen ausbringen. In der Summe könnten es rund 47 000 Werbeträger sein. Bewerber, vor allem die, die nicht von Parteien finanziell unterstützt werden, wollen ihr Kontingent aber nicht ausreizen.

Plakatwerbung bleibt trotz vielfältiger Möglichkeiten wichtig. „Im Internet kann man Themen vertiefen, aber es geht auch um das Bekanntmachen, dazu setzen wir einen beklebten Transporter und Plakate ein, mein Team bringt 500 Plakate aus“, sagt der Fotograf und Bewerber Andreas Engelhard.

Plakaten wird Wirkung zugeschrieben

Mitkonkurrenten wie der Architekt Dirk Wolfgang Jordan kritisieren, die Stadt habe dazu keine Information gegeben. Die Verwaltung habe die Modalitäten mitgeteilt, nach „Irritationen“ noch in zwei weiteren Schreiben auf die Vorgaben hingewiesen, heißt es auf Anfrage im Rathaus.

Sebastian Reutter, Wirtschaftsförderer im Rathaus, war früh mit seinem Konterfei auf kommerziellen Flächen zu sehen. „Egal, wie viel Geld Sie in den Internet-Wahlkampf stecken, ohne Plakate erzielen Sie keine Wirkung“, sagt der Kandidat, der sein Kontingent ausschöpfen und 170 000 Euro aufbieten will. Zwei Drittel des Geldes sollen über Spenden hereinkommen.

Nicht alle offenbaren Budget

Das Gesamtbudget will Markus Mueller-Schikora, Wahlkampfmanager des Tengener Bürgermeisters Marian Schreier, nicht nennen. 77 000 Euro habe man durch Crowdfunding bisher erzielt, das Plakatieren sei mit der größte Ausgabeposten. „Weil große Veranstaltungsformate wegen Corona nicht möglich sind, kommt den Plakaten eine große Bedeutung zu“, sagt Mueller-Schikora. Kommerzielle Flächen zu belegen, schließt er nicht aus, denn man habe mehr Großflächenstandorte erwartet.

Nur 20 Großplakate bei 23 Stadtbezirken hält auch die CDU für zu wenig. Das beschränke die Kandidaten stark, dazu komme Corona. „Das ist bitter“, sagt Thraso Malliaras, Wahlkampfleiter von Frank Nopper (CDU-OB in Backnang). Man erwäge einen Flyer für alle Haushalte, rechne aber mit etwas geringeren Ausgaben als dem erst angesetzten Wert von einem Euro pro Einwohner – was einen Etat von rund 610 000 Euro für Nopper bedeutet hätte.

Parteilogo oder nicht?

In Euro fünfstellig und mit 2000 Plakaten plane Kandidat Hannes Rockenbauch, so Sprecher Paul Russmann, vieles laufe ehrenamtlich. Die SPD setzt für Martin Körner auf Hilfe der Genossen, wobei das Parteilogo nicht gezeigt werde, es handele sich ja um eine Persönlichkeitswahl, sagt Wahlkampfleiter Andreas Reißig, der 150 000 Euro zur Verfügung hat. Die Grünen nennen für Kandidatin Veronika Kienzle rund 100 000 Euro, ein Drittel gehe für Plakatwerbung weg. Summen nennt Malte Kaufmann, Bewerber der AfD, nicht, auf Großflächen werde er wegen der Vandalismusgefahr verzichten, das Parteilogo aber nutzen. „Ich muss meine Zugehörigkeit nicht verstecken“, so Kaufmann.

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