Im ersten Wahlgang konnte Markus Reiners die meisten Stimmen erringen. Allerdings nur unwesentlich mehr als Bernd Hornikel und Andreas Schneider. Foto: Gottfried Stoppel

Am Sonntag wird der neue Oberbürgermeister von Schorndorf gewählt. Drei der fünf Kandidaten lagen im ersten Wahlgang so dicht beieinander, dass eine Prognose schwierig ist. Ein Überblick.

Schorndorf - Am kommenden Sonntag sind die Schorndorfer Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, ihren neuen Oberbürgermeister zu wählen. Wer wird’s? Der Kandidat Markus Reiners ist wenige Tage vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang entwaffnend ehrlich: „Das ist für mich eine riesige Blackbox. Es ist schwierig zu sagen, wohin nach dem Rückzug anderer Kandidaten die frei gewordenen Stimmen hingehen. Jeder kann gewinnen“, sagt der 57-Jährige.

 

Die Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang am 7. November ist tatsächlich ziemlich spannend. Denn nur 225 Stimmen lagen zwischen dem Erstplatzierten Markus Reiners und dem Drittplatzierten Andreas Schneider, dazwischen nahm Bernd Hornikel den zweiten Rang ein. Jeder von ihnen konnte rund 25 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Manuel Burbott, Tobias Schenk und Dörte Schnitzer treten jetzt nicht mehr an, noch einmal wissen wollen es dagegen Horst Zwipp (5,5 Prozent) und Brigitte Aldinger (3,5 Prozent).

Brigitte Aldinger und Horst Zwipp treten noch einmal an

Die letzte verbliebende Kandidatin hat sich „nach reiflicher Überlegung entschlossen, die Bewerbung aufrecht zu erhalten“. Die 56-Jährige ist bei der Landtags- und Bundestagswahl als Kandidatin für „Die Basis“ angetreten. Sie stelle sich als erfahrene Diplom-Finanzwirtin zur Verfügung und wolle für ihre Meinung sowie für eine offene und besonnene Stadtpolitik eintreten.

Auch Horst Zwipp hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, ob er noch einmal kandidieren soll. Seine Chancen schätzt der 65-Jährige realistisch als gering ein: „Ich glaube, dass ich meiner Zeit voraus bin. Die Bürger wollen zwar kein ‚Weiter so’, trauen es aber jemandem wie mir nicht zu“, sagt der Sport- und Eventmanager aus Schorndorf. Er bleibe trotzdem im Wahlkampf, um unbequem zu sein, Fragen zu stellen und für seine Heimatstadt etwas zu bewirken.

Andreas Schneider wirbt mit seinem Schorndorf-Bezug

Mit seinem Schorndorf-Bezug wirbt auch Andreas Schneider für sich: „Ich habe das Gefühl, dass die Menschen einen OB wollen, der die Stadt wirklich kennt“, sagt der 46-Jährige, der im ersten Wahlgang mehr Stimmen auf sich vereinen konnte, als viele Beobachter erwartet hatten. „Ich kann nur gewinnen und bin guter Dinge“, sagt der Kandidat, der seit einigen Jahren Stadtrat in der Daimlerstadt ist, mittlerweile jedoch nicht mehr für die Grünen. Er betont vor allem die gute Zusammenarbeit mit seinem Wahlkampfteam, das rein aus Ehrenamtlichen bestehe. In Zusammenarbeit mit seinen Helfern sind zum Beispiel Videos entstanden, in welchen sich Schneider vorstellt.

Welche Themen seiner Meinung nach den Menschen in Schorndorf auf den Nägeln brennen? „Sie wollen einen Oberbürgermeister, der ihnen mit Respekt begegnet, der für Gewerbetreibende da ist. Und einen OB, der viel in den Teilorten ist“, sagt Schneider, der in der Kinder- und Jugendhilfe tätig ist. Als neuer Rathauschef würde er als erstes gerne das Thema Stadtplanung angehen, zum Beispiel in Form einer Erhaltungsstrategie für bestehende Gebäude. Auch ein pragmatischer Umweltschutz und die Finanzen stünden auf seiner Agenda oben.

Bernd Hornikel hat viele Unterstützer gefunden

Ob es immer berechtigt sei oder nicht, „auch bei mir ist angekommen, dass sich die Ortschaften abgehängt fühlen“, berichtet der Kandidat Bernd Hornikel von seinen Begegnungen mit den Bürgern. Darüber hinaus sei die Stadtbücherei ein großes Thema. Der 52-jährige Jurist ist der Meinung, dass Schorndorf durchaus eine neue Bücherei braucht. „Aber ich würde gerne noch einmal den Bedarf und Alternativen prüfen. Dann muss aber eine Entscheidung erzwungen werden“, sagt Hornikel, der mit seiner Verwaltungsexpertise und Erfahrung mit großen Bauprojekten für sich wirbt: Er ist stellvertretender Amtsleiter des Landesbetriebs Bau und Vermögen in Ludwigsburg.

Sollte er neues Stadtoberhaupt werden, hat sich Bernd Hornikel zudem vorgenommen, mit einem neuen Blick auf die Zahlen des Haushalts zu schauen und die Schuldendiskussion zu versachlichen: „Da wird nur geschimpft und gebruddelt, das ist nicht fair“, sagt Hornikel, der unabhängig vom Wahlergebnis nach Schorndorf ziehen möchte. Gestartet als Einzelkämpfer wird Hornikel inzwischen von rund 150 Bürgerinnen und Bürgern öffentlich unterstützt: „Das hat mich sehr, sehr gefreut.“

Markus Reiners ist optimistisch

Nach wie vor optimistisch ist auch Markus Reiners, der von der CDU, der FDP sowie mehrheitlich von den Freien Wählern unterstützt wird. Die Finanzen der Stadt und der Bücherei-Neubau würden auch an ihn immer wieder als wichtige Themen herangetragen: „Die Stadtbücherei ist so etwas wie Schorndorf 21“, sagt Reiners, der Stadtrat für die CDU in Stuttgart ist und seine breite und tiefe kommunalpolitische Erfahrung betont. Er ist der Meinung, dass die vom Gemeinderat gefassten Beschlüsse zu dem Bauprojekt respektiert werden müssen. Auch die Sorgen der Stadtteile sind ihm zu Ohren gekommen: „Die dürfen sich nicht abgehängt fühlen, etwa wenn es um Verkehrsführung, Nahversorgung oder die Verwaltungsstellen geht.“

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Seine Topthemen sind darüber hinaus zum Beispiel die älteren Menschen in der Stadt, für die es zu wenig Pflegeplätze gebe, aber auch die Verwirklichung eines unbürokratischen Ansatzes: „Die Verwaltung arbeitet sehr gut“, sagt Reiners, der im Innenministerium im Bereich Digitalisierung tätig ist. Aber er wolle dafür sorgen, dass es weniger Hemmnisse gebe, mit dem Rathaus in Kontakt zu kommen.