Stefan Belz (r.) mit Wahlkampfleiter Jan Weccardt im Böblinger Seegärtle Foto: jps

Drei Wochen vor der Wahl präsentiert der amtierende Böblinger OB Stefan Belz sein Wahlprogramm. Darin macht er erstmals konkrete Versprechen.

Pralles Programm 20 Tage vor der Wahl: In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Böblinger Seegärtle stellte Stefan Belz als amtierender Oberbürgermeister von Böblingen am Montag sein Wahlprogramm vor. Obwohl er seine Kandidatur bereits im vergangenen Sommer bekannt gab, wurde er erst jetzt inhaltlich konkret. Zuvor sammelte er Impulse aus der Einwohnerschaft und in drei Zukunftsforen ein. Das folgt seinem Credo, ein bürgernaher Oberbürgermeister sein zu wollen.

 

Die Kampagne ist mit dem Leitsatz „Böblingen weiterbringen“ überschrieben. Ganz oben auf die Prioritätenliste setzt Belz das Thema Wirtschaft, in dem er „Hightech, Handwerk und Mittelstand“ weiter stärken will. Konkret mit einem Ausbau des Gründerzentrums Ai xpress, dem Aufbau eines Technologie- und Innovationscampus auf dem Krankenhausareal und mehr Studierenden im Herman-Hollerith-Zentrum. Hinzu kommt eine smartere Verwaltung und das Versprechen, bis 2030 den Glasfaserausbau abzuschließen sowie die Gründung eines Innenstadt-Forums gegen Leerstände.

480 neue Kita-Plätze geplant

An zweite Stelle setzt der 45-Jährige das Thema Bildung und Betreuung – immerhin eine der teuersten und wichtigsten Aufgaben der Stadt. In Böblingen sollen weitere 480 Kita-Plätze entstehen. Weiter steht die Sanierung des Albert-Einstein-Gymnasiums an sowie die Turnhalle der Eichendorff-Schule, um deren undichtes Dach es einige öffentliche Empörung gab. Außerdem verspricht der OB, „bis Mitte 2026 endlich einen Knopf an das Thema Schlossberg-Bebauung zu machen“, sprich: eine Entscheidung für oder wider im Gemeinderat herbeizuführen. Wofür sein Herz schlägt, bleibt weiter offen.

Als drittes nennt das Grünen-Parteimitglied Belz Themen wie Stadtgrün und Klimaanpassung. Wichtigstes Schlagwort dabei: Entsiegelung. Der von Stein dominierte Leonardo-Da-Vinci-Platz soll grüner werden, das Baumoval eine Baumschule bekommen, Kitas Sonnensegel erhalten und die Abwärme der Mineraltherme ausgekoppelt werden. Er hält am Ziel fest, Böblingen bis 2035 klimaneutral zu machen.

So gut wie kein Schatten auf dem Da-Vinci-Platz: Belz will das ändern Foto: Archiv/Bischof

Heraus sticht außerdem sein Vorschlag, den Bahnhof mittels Videoüberwachung sicherer zu machen – diese Forderung kam jüngst von Vertretern der Böblinger CDU. Im Bereich der immer wieder hitzig diskutierten Verkehrsthemen plädiert Belz für Kompromisse, will den Verkehr vor allem „fair“ gestalten, aber auch besser leiten mit Echtzeit-Ampeln und vor allem dem seit Jahren brachliegenden Parkleitsystem. In puncto Finanzen und Verwaltung kündigt er eine neue städtische Homepage in den kommenden Monaten an sowie eine Bürger-App für den Kontakt zu den Ämtern.

Tübinger Agentur unterstützt

Impulse für die Kampagne holte sich Stefan Belz wie schon 2018 von der Tübinger Agentur Plus X, die auf Wahlkämpfe spezialisiert ist. „Die Agentur hat einen Raum aufgemacht, in dem wir eine Strategie für den Wahlkampf entwickeln konnten“, sagt Belz. Die finale Entscheidung über die Kampagne sei aber ohne die Agentur gefallen, betont sein Wahlkampfleiter Jan Weccardt.

Belz setzt in der Außenwerbung auf 160 Plakate im Format DIN-A-0 sowie neun Großplakate an neuralgischen Punkten. Außerdem verteilt er sein Wahlprogramm an alle Haushalte, betreibt eine Internetseite und bespielt die sozialen Medien, lädt zu sieben Stadtteil-Spaziergängen, baut 14 Infostände auf und stellt sich für ein Speed-Dating im Platzhirsch zur Verfügung. Alle Erstwähler zwischen 16 und 26 lädt er ins Bärenkino zu dem Film „Anaconda“ ein. Die Finanzierung des Wahlkampfs stemmt er mithilfe von Spenden, Privatvermögen sowie einem Darlehen.