Wer konnte überzeugen? Wer weniger? Die Böblinger haben sich eine Meinung bilden können. Foto: Stefanie Schlecht

Zweieinhalb Stunden diskutierten die sechs OB-Kandidaten am Montagabend über Böblinger Streitthemen. Wie blicken die Zuschauer auf die Kandidaten? Wir haben uns umgehört.

Zweieinhalb Stunden wurde am Montagabend kontrovers diskutiert – über Windkraft, Verkehrsprobleme, den Wirtschaftsstandort oder die zu belebende Innenstadt. Zweieinhalb Stunden wurden Visionen eines in die Zukunft weisenden Böblingens gezeichnet. Und: Zweieinhalb Stunden konnten die rund 1300 Zuschauerinnen und Zuschauer im Europasaal der Kongresshalle einen Eindruck gewinnen, welcher OB-Kandidat sich wie verkauft hat.

 

Wie schnitten Oberbürgermeister Stefan Belz, Fridi Miller, Aleksandar Blazevski, Stefan Thien, Lucas Guimaraes de Macedo und Werner Schneider nach Meinung der Zuhörer ab? Wir haben uns am Ende der Veranstaltung umgehört.

Böblinger OB-Kandidaten stellen sich vor: Die Kongresshalle war voll besetzt. Foto: Stefanie Schlecht

OB-Kandidaten in Böblingen: Ein Zuschauer reiht sich in das Gesamtbild ein

Einer der Gäste am Montagabend war Peter Schumann. Er ist Mitte 50 und lebt seit über 30 Jahren in Böblingen. Schumann spiegelt eine Ansicht wider, die der Applaus im Saal den Abend hindurch schon angedeutet hat: Er zeigt sich unzufrieden mit dem aktuellen OB und war am ehesten angetan von Herausforderer Stefan Thien. „Ich glaube, dass viele Dinge in Böblingen in den vergangenen Jahren schlechter wurden. Herr Thien hat das am klarsten angesprochen“, erklärt der Mittfünfziger gegenüber unserer Zeitung. Eine Zugehörigkeit zu Thiens Partei, der Werteunion, oder Thiens ehemaliger Partei, der AfD, habe Peter Schumann nicht. Er glaube, dass sein Favorit dem amtierenden OB zumindest einige Stimmen abluchsen könnte.

Ganz anders positioniert sich Lars Bayer. Der 33-Jährige würde sich selbst als linksliberal bezeichnen. Er hält den eingeschlagenen Weg von Stefan Belz in Sachen Klimapolitik für richtig. „Streng genommen müsste man noch viel mehr tun, um dem Klimawandel noch etwas entgegenzusetzen. Und in Böblingen gibt es weiter viel zu tun. Ich denke da an Hitzesommer“, erklärt Bayer. Von dem Kandidatenfeld hätte ihm außer OB Belz auch Lucas Guimaraes de Macedo gefallen: „Der bringt etwas total Neues ein. Eine Unbekümmertheit. Das war eine schöne Abwechslung zu den sonst auftretenden Kandidaten. Insgesamt aber haben mich die fundierten Aussagen von Herrn Belz am meisten abgeholt.“

„Nur wettern reicht nicht!“

Margret Rebmann, Rentnerin aus Böblingen, hat sich von ihrem Besuch bei der Kandidatenvorstellung erhofft, den entscheidenden Hinweis auf ihre Wahlentscheidung am Sonntag zu erhalten. Auch nach der Veranstaltung sei noch nicht ganz entschieden: „Ich finde schon, dass Böblingen einige Problemfelder hat. Und da muss sich ein OB fragen lassen. Er hat heute aber die beste Figur gemacht, weil er in allen Themen drin war und sehr kompetent rüberkam.“ Bei den übrigen Kandidaten hätte der Rentnerin nicht gefallen, dass „sie viel schimpfen, aber wenig Konkretes eingeworfen haben. Wettern reicht nicht“. Sie werde die Eindrücke vom Montag sacken lassen und dann entscheiden.

Am kommenden Sonntag, 25. Januar, haben die Böblingerinnen und Böblinger die Wahl. Neben Amtsinhaber Stefan Belz (Grüne) stehen fünf weitere Kandidatinnen und Kandidaten auf dem Zettel.