Mit einer Mehrheit von 64,8 Prozent hat Amtsinhaber Stefan Belz die Wahl am Sonntag im ersten Wahlgang für sich entschieden. Aber die Konkurrenz hat auch gepunktet.
Der Jubel brandete um 18.53 Uhr auf, als der letzte von 56 Wahlbezirken ausgezählt war. Stefan Belz ist der alte und neue Oberbürgermeister der Kreisstadt Böblingen. Die 100 Anwesenden im großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses standen auf, man hörte minutenlang Applaus, Hochrufe und Bravorufe.
Wenige Minuten zuvor hatte Stefan Belz ein erstes Interview gegeben. „Ich bin glücklich und freue mich einfach“, sagte der sichtlich erleichtere alte und neue Amtsinhaber, „dass ich weitere acht Jahre für meine Heimatstadt da sein kann.“ Er hatte die Auszählung zunächst in seinem Dienstzimmer mit engen Mitarbeitern verfolgt und erst später den Sitzungssaal betreten, der in diesen Minuten wie eine Arena wirkte. Stefan Belz ging mit dem Mikro in die Mitte, die Besucher standen auf und der Applaus schien nicht mehr aufzuhören, bis der Oberbürgermeister das Wort ergriff und sagte: „Zuallererst bedanke ich mich bei meinem Mann Manuel Zimmerer“, was ihm wieder einen langen Applaus einbrachte.
Dann ging der Dank an sein Wahlkampfteam und an die Wähler. Er würdigte seine fünf Mitbewerber für ihren fairen Wahlkampf und angesichts der relativ geringen Wahlbeteiligung von 36,2 Prozent, appellierte er an die Bürger, auch im Hinblick auf die anstehende Landtagswahl, „geht wählen, wählen, wählen.“
Landrat Roland Bernhard: „Tollen Job gemacht“
Um 19.20 Uhr rief dann der oberste Wahlleiter Tobias Heizmann Stefan Belz zum Wahlsieger aus, vorbehaltlich natürlich der Entscheidung des Wahlausschusses, der um 20 Uhr tagen würde. Heizmann wandte sich an die Bürger: „Sie entscheiden am Ende, wer die Kompetenzen hat, die Stadt zu führen und weiter zu entwickeln.“
Zu den ersten Gratulanten zählte der Landrat Roland Bernhard: „Stefan Belz hat einen tollen Job gemacht, das Ohr beim am Bürger gehabt und geschaut was Sache ist“. Launig sagte der Landrat, Belz sei jetzt der dienstälteste aller Oberbürgermeister im Kreis Böblingen, denn tatsächlich, er ist der Erste unter ihnen, der in eine zweite Amtszeit geht.
Zunächst sah es nach einem knappen Ergebnis aus
Ungewöhnlich an diesem Wahlkampf war die hohe Anzahl an Mitbewerbern. Neben Stefan Belz gab es fünf weitere Kandidaten und Kandidatinnen: Stefan Thien, Finanzberater (12,5 Prozent), Aleksandar Blazevski, Vertriebsleiter (13,1), Lucas Guimaraes de Macedo, Wirtschaftsinformatiker und Personaler (2,0), der Physiker Werner Schneider (6,0) und Fridi Miller (1,5), die ihren 113ten Wahlkampf bestritten hat.
Zunächst hatte es an diesem Wahlabend nach einem viel knapperen Ergebnis ausgesehen. Das erste Ergebnis war um 18.08 Uhr auf der Leinwand des großen Sitzungssaals zu sehen: Da war Stefan Belz nur sehr knapp vorne mit 51,8 Prozent. Nach und nach trudelten die Ergebnisse ein und der OB kam bei den ersten Wahlbezirken immer nur knapp über 51 Prozent. Es könnte also knapp werden, schien es. Zu diesem Zeitpunkt kam immer mehr Polit-Prominenz in den Ratssaal. Um 18.20 Uhr kam die Bundestagsabgeordnete Kandidatin Jasmina Hostert in den Sitzungssaal, da war der Vorsprung von Stefan Belz auf 59 Prozent gewachsen.
Jasmina Hostert: „Menschen auf Augenhöhe behandelt“
Hostert hat es sich nicht nehmen lassen, in ihrer Heimatstadt Böblingen zu wählen: „Stefan Belz hat es verdient und einen guten Job gemacht.“ Seine Stärke sei es, die Menschen mit Respekt und Augenhöhe zu behandeln, so kommentierte sie den sich abzeichnenden Wahlsieg. Gegen 18.30 Uhr war der Vorsprung von Belz auf den Endstand von 64,8 Prozent gewachsen. Markus Kleemann, der Oberbürgermeister von Sindelfingen, wünschte seinem Kollegen Stefan Belz eine erfolgreiche Wahl, und freute sich auf die weitere Zusammenarbeit, um die großen Themen beider Städte zu behandeln, das Flugfeld, die Kläranlage und die Rappenbaum-Schule.
Im Ratsaal war auch Jörg Meuthen, der stellvertretende Vorsitzende der Werteunion, der seinen Kandidaten Stefan Thien unterstützte. Er wertete es als Erfolg, ein zweistelliges Ergebnis eingefahren zu haben und seine Partei bekannter gemacht zu haben.
Ralf Sklarski: „Mehr als glücklich“
Der mit 30 Jahren jüngste Kandidat war Lucas Guimaraes de Macedo von Volt. Er ging mit seinen Angehörigen auf die Empore des Ratsaals. Für ihn war es klar, dass Stefan Belz vorne liegen würde. „Ich freue mich , dass viele Menschen zur Wahl gegangen sind.“
Und auch viele Gemeinderäte wollten wissen, mit wem sie die nächsten Jahre zusammen arbeiten würden. Ralf Sklarski von den Freien Wählern fand klare Worte: „ Ich habe dieses Wahlergebnis nicht in dieser Deutlichkeit vorausgesehen und bin mehr als glücklich, dass es so gekommen ist.“
Cem Özdemir: „Hohes Ansehen in der Stadt“
Belz startet nun mit viel Rückenwind in die zweite Amtszeit. Aber nicht nur er hat Rückenwind, auch seine Partei die Grünen, die sich von diesem Wahlsieg beflügeln lassen wollen. Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen für die Landtagswahl, war vor Ort: „Es war ein Klasse Sieg von Stefan Belz, es war zu spüren, dass er in dieser Stadt ein hohes Ansehen genießt“. Thekla Walker, grüne Umweltministerin, sprach von einem „verdienten Sieg“ eines Oberbürgermeisters, der sich für Klimaschutz und Ökonomie gleichermaßen einsetze.
Für Stefan Belz waren es gute acht Jahre in seiner Heimatstadt Böblingen und bevor er ins Bootshaus zum Feiern ging, formulierte er für die kommenden acht Jahre klare Ziele: „Umweltschutz, Bildung und Wirtschaft“.