Aleksandar Blazevski will mit seiner Erfahrung aus der Wirtschaft punkten und den Menschen vor allem zuhören. Foto: Stefanie Schlecht

Der 44-Jährige tritt als parteiloser Kandidat bei der OB-Wahl in Böblingen an. Er will vor allem zuhören und mit seinen Erfahrungen aus der Wirtschaft punkten.

Aleksandar Blazevski will Oberbürgermeister von Böblingen werden. „Böblingen ist eine tolle Stadt mit großem Potenzial“, sagt der 44-Jährige, der als parteiloser Kandidat antritt. Gleichzeitig nehme er wahr, dass die Stadt mehr Dynamik brauche. „Ich will ein Böblingen gestalten, das für die Bürger modern und lebenswert ist.“ Seine erste Amtshandlung wäre, den Menschen zuzuhören, sagt er. „Was bewegt sie in Böblingen und Dagersheim?“

 

Ansonsten äußert er sich zunächst eher oberflächlich und wird erst auf Nachfrage konkreter. Es gebe viele Themen, sagt er, und zählt den Verkehr, die Digitalisierung, die Modernisierung von Kitas und Schulen sowie den Kampf gegen Leerstände auf.

Gegen einen Amtsinhaber anzutreten, der einen großen Rückhalt im Gemeinderat genießt, erfordert Mut und Selbstvertrauen. Wer also ist Aleksandar Blazevski? Ein Mann, der vor dem Wahlkampf öffentlich nicht in Erscheinung getreten ist. Der weder kommunalpolitische Erfahrung mitbringt noch in einer Verwaltung gearbeitet hat, wie er selbst sagt. Und genau das als Stärke hervorhebt. „Wir brauchen klares, wirtschaftliches und pragmatisches Denken“, sagt er.

Als OB mehr Handlungsmöglichkeiten

Ein Denken, das er sich offensichtlich selbst zuschreibt. Er verfüge über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung in nationalen und internationalen IT- und Digitalisierungsunternehmen, davon über zwölf Jahre in leitender Verantwortung im Vertriebsmanagement. Welche Unternehmen das sind, möchte er jedoch nicht ausführen. Auf seinem LinkedIn-Profil nennt er unter anderem IBM als einen seiner Arbeitgeber. Derzeit befinde er sich in einer beruflichen Übergangsphase. Er habe daher Zeit, sich voll und ganz auf den Wahlkampf zu konzentrieren. „Die Idee zur Kandidatur kam aus meinem Umfeld.“

Politisch verstehe er sich als unabhängig. „Ich setze auf pragmatische Lösungen statt Parteipolitik.“ Geboren und aufgewachsen in Böblingen, wolle er der Stadt nun etwas zurückgeben. Sein Ziel sei es, Böblingen schöner und lebendiger zu machen. Warum er dazu den Weg der OB-Wahl geht und – beispielsweise – nicht zuerst für den Gemeinderat kandidiert hat? Als Oberbürgermeister habe er mehr Handlungsmöglichkeiten.

Ein Team aus Freunden und Bekannten helfe ihm im Wahlkampf. Professionelle Unterstützung in Form einer Agentur habe er nicht, den Wahlkampf finanziere er aus eigenen Mitteln. Und er legt sich ins Zeug. Stellt sich bei eisigen Temperaturen auf den Elbenplatz und den Dorfplatz in Dagersheim, um mit Bürgerinnen und Bürgern zu sprechen, hat eine Homepage eingerichtet, auf der er sein Programm vorstellt und dazu auffordert Anliegen mit ihm zu teilen, auch auf Instagram ist er aktiv.

Sechs Themen identifiziert

Auf seiner Wahlkampfhomepage und in Flyern führt er sechs Themenschwerpunkte auf, die ihm am Herzen liegen: Bürgerbeteiligung, Mobilität und Sicherheit, bezahlbaren Wohnraum, Bildung und Betreuung, Innovation und Smart City sowie Kultur und Kreativität. In vielen Punkten scheinen seine Anliegen denen des amtierenden Oberbürgermeisters Stefan Belz (Grüne) zu ähneln und sich nicht stark von der aktuellen Ausrichtung der Stadtpolitik zu unterscheiden.

So will Blazevski, wie er auf Nachfrage ausführt, etwa die Verwaltung weiter digitalisieren, einen Technologiepark auf dem Krankenhausareal vorantreiben und auf dem ehemaligen IBM-Areal auf dem Rauhen Kapf bezahlbaren Wohnraum schaffen. Hinsichtlich der städtischen Finanzen will Blazevski priorisieren und schauen, wofür das Geld der Stadt genutzt werden könnte. „Meine Devise lautet: Was muss jetzt entschieden werden – und was können wir später angehen?“

Eine klare Haltung zeigt er bei der Schlossberg-Bebauung. Mit ihm würde es keine moderne Bebauung geben. „Das historische Umfeld muss bewahrt bleiben“, betont er. Ihm wäre es lieber, für die Paul-Lechler-Schule und die Musik- und Kunstschule eine andere Lösung zu finden. Ein Neubau auf dem Schlossberg ist in der Stadt umstritten. Allerdings ist die Musik- und Kunstschule auf ein größeres Gebäude angewiesen und die Paul-Lechler-Schule benötigt ein Interim, während ihr ursprüngliches Schulgebäude saniert wird. Kommt die Schlossberg-Bebauung nicht, muss für beide Schulen eine Alternative gefunden werden.

Böblingen-App soll Bürger informieren

Wichtig sei ihm, alles zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern zu tun, sagt Blazevski. So könne er sich etwa vorstellen, eine App zu entwickeln, die die Menschen über aktuelle Projekte informiert und über die sie selbst Vorschläge machen könnten. „Mit der Böblingen-App möchte ich die Stadt praktisch in die Hosentasche der Bürger bringen“, wirbt er für seine Idee. Als weiteres Mittel, um die Anliegen der Böblingerinnen und Böblinger besser einzubeziehen, schlägt er Bürgerwerkstätten und Quartiersräte vor.

Beim Thema Verkehr möchte er sich „Knotenpunkte“ anschauen und überlegen, wie Staus vermieden werden könnten, sodass Menschen schneller nach Hause kommen. Und: „Wir müssen in Kitas und Schulen investieren, Fachkräfte gewinnen und dabei auch die lokale Wirtschaft stärken.“ Außerdem spricht er die gefühlte Sicherheit an. Er kenne Menschen, die gewisse Orte in der Stadt, beispielsweise den Bahnhof und die Bahnhofsstraße, abends mieden. Videoüberwachung sieht er als ein Element, um das Sicherheitsgefühl zu steigern. Aber das allein reiche nicht. „Wir brauchen auch mehr Präsenz durch Ordnungshüter“, fordert er.

Mit Blick auf die anstehende Wahl zeigt er sich zuversichtlich. Er erlebe viel Zuspruch und ein großes Interesse an seinen Ideen. „Das bestärkt mich darin, diesen Weg mit Klarheit und Engagement weiterzugehen.“ Sollte es nicht klappen, wolle er zurück in die Wirtschaft gehen, sich aber trotzdem weiterhin für Böblingen engagieren.

Die OB-Wahl in Böblingen steht am Sonntag, 25. Januar, an. Neben Aleksandar Blazevski kandidieren fünf weitere Personen für den Posten des Oberbürgermeisters: Amtsinhaber Stefan Belz, Stefan Thien, Lucas Guimaraes de Macedo, Fridi Miller und Werner Schneider. Die Kandidierenden können sich an zwei offiziellen Terminen der Öffentlichkeit präsentieren. In Böblingen findet die Kandidatenvorstellung am Montag, 19. Januar, in der Kongresshalle statt. In Dagersheim ist sie für Dienstag, 20. Januar, in der Festhalle vorgesehen. Beginn jeweils um 19 Uhr.

Biografische Daten

Kindheit und Jugend
Aleksandar Blazevski wurde 1981 in Böblingen geboren und besuchte die Friedrich-Schiller-Realschule in Böblingen. Zeitweise habe er in der SV Böblingen Fußball gespielt.

Ausbildung
An der Akademie für Datenverarbeitung machte er eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann und arbeitete danach 25 Jahre lang in der IT-Branche. Zwölf Jahre hat er nach eigener Aussage als Führungskraft Teams geleitet.

Familie
Blazevski bezeichnet sich selbst als „Familienmensch“. Er hat zwei Kinder und ist nicht verheiratet.