Foto: Kraufmann

Erste Kundgebung der S21-Befürworter mit 1000 Teilnehmern auf dem Marktplatz.

Stuttgart - Die Befürworter des Bahnprojekts Stuttgart21 kommen offenbar in Bewegung. Mehr als 1000 marschierten am Donnerstagabend durch die Innenstadt zu einer Kundgebung auf dem Marktplatz, skandierten: "Wir sind Stuttgart!"

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Beim ersten "Laufen für Stuttgart" waren es noch etwa 100 Demonstranten für Stuttgart 21 gewesen - am Donnerstagabend kam ein Lindwurm von Befürwortern des Bahnprojekts zusammen, der vom Staatstheater zum Rathaus zog. Auf etwa 1000 schätzte Polizei-Einsatzleiter Roland Haider die Zahl der Teilnehmer. Unter den Veranstaltern war von 1500 bis 2000 die Rede. Etwa 300 von ihnen, so die Schätzung der Polizei, waren als Jogger oder Radfahrer am Mineralbad gestartet.

"Es ist wunderbar, dass die schweigende Mehrheit jetzt zu einer aktiven Mehrheit wird", rief OB Wolfgang Schuster der jubelnden Menge auf dem Marktplatz zu. "Wenn wir so weitermachen, holen wir die anderen bald ein", erklärte Organisator Christian List in Anspielung auf die Demonstrationen mit Tausenden Stuttgart-21-Gegnern an jedem Montag. Die Befürworter wollen donnerstags demonstrieren.

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Mitveranstalter Steffen Kauderer kritisierte allerdings auch die Verantwortlichen des Bahnprojekts: "Für das Jahrhundertprojekt ist eine angemessene Kommunikation versäumt worden", sagte er. Und mahnte, wieder zur Sachlichkeit zurückzufinden: "Eine Stadt darf sich nicht wegen eines Bahnhofs teilen."

Keine Konfrontation: Polizei leitet Befürworter um

Bei der Veranstaltung gab es keine Konfrontationen. Die Jogger, Inlineskater und Radfahrer, die sich vom Mineralbad über den Schlossgarten zum Marktplatz aufmachten, liefen nicht - wie noch vor einer Woche - durch den Mittleren Schlossgarten an den Stuttgart-21-Gegnern am sogenannten Widerstandsbaum vorbei über den Ferdinand-Leitner-Steg, sondern außen herum über die Willy-Brandt-Straße. Die Polizei hatte sie vorsorglich umgeleitet.

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Die Gegenbewegung der Gegenbewegung kommt ins Rollen. Die Befürworter nennen sich "Parkerweiterer", verteilen Aufkleber, die Stuttgart 21 als Brezel darstellen - als "Knotenpunkt im Süden". Die Lauf-Bewegung wird von den Stuttgart-21-Gegnern kritisch beäugt. Immerhin hat die Werbeagentur des 39-jährigen Christian List Kunden wie die Deutsche Bahn AG, die Landesmesse und Stadt Stuttgart auf der Referenzliste. Was den Stuttgarter Grünen Andreas Bühler den Verdacht äußern lässt, die Bahn AG sei heimlicher Auftraggeber. Er verweist darauf, dass die Bahn schon einmal zugeben musste, 2007 beim Lokführerstreik für verdeckte Meinungsmache 1,3 Millionen Euro ausgegeben zu haben,

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List weist entschieden zurück, ein gekaufter Organisator zu sein: "Es gibt definitiv keinen Auftrag der Bahn", sagt er, "das ist ein Privatprojekt." Auch er dürfe seine freie Meinung äußern. Die Verbindungen zu CDU und Freien Wählern sind kein Geheimnis: List und Kauderer sind Söhne von Stadträten. Einer der Väter ist der 2009 verstorbene Manfred List (CDU), der andere Robert Kauderer (Freie Wähler).

Der evangelische Pfarrer Johannes Bräuchle gab am Donnerstag die Losung der Befürworter aus: "Dagegen sein, das war gestern. Dafür ist heute."

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