Das Pärkchen auf dem Parkhaus Steinstraße kehrt nicht mehr zurück. Das Zünglein an der Waage war das Votum des Oberbürgermeisters, der extra dafür in den Ausschuss gekommen war.
Wie wichtig ist der Pocket Park für Stuttgart? Wichtig genug, dass der OB eigens für dieses Thema am Dienstag in den Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik gekommen ist. Frank Nopper sieht den Pocket Park auf dem Parkhaus Steinstraße eindeutig auf der „Streichliste“. Das Projekt passe „nicht mehr in die finanzpolitische Landschaft“, sagte der Oberbürgermeister. Die Kommunen müssten sparen. „Andere Zeiten erfordern andere Einsichten. Andere Zeiten erfordern andere Signale.“
Worum geht es? Auf Initiative der Grünen hatte die Stadt im vergangenen Sommer 30 mediterrane Pflanzen in Kübeln auf dem Parkdeck aufgestellt. Aus Sicherheitsgründen blieb der Pocket Park allerdings durchgehend abgesperrt. Im Oktober wurden die Pflanzen wieder abgeräumt. Dieses Jahr sollte ein weiterer Versuch gestartet werden. Der neue Plan sah winterfeste Pflanzen, wie Pappeln und Weiden, sowie Sitzmöglichkeiten aus Paletten vor. Zudem hatte die Stadt eine Idee, wie man den kleinen Park auf dem Parkdeck absichern könnte.
Noppers Stimme war entscheidend
Die Kosten beziffert die Stadt auf 54 000 Euro für die einmalige Errichtung des Pocket Parks sowie jährlich 27 000 Euro laufende Ausgaben für Gießen, Pflege und Müll wegräumen; ab 2026 bräuchte es dafür laut Stadt sogar eine halbe Stelle in der Stadtgärtnerei.
So weit wird es nun nicht kommen. Mit zehn Ja- sowie zehn Neinstimmen wurde das Konzept für die Neuauflage am Dienstag im Ausschuss abgelehnt. Wäre Nopper nicht persönlich da gewesen, hätte es anders ausgehen können, seine Stimme war das Zünglein an der Waage. Schon während der Diskussion des nächsten Tagesordnungspunkts verließ der Oberbürgermeister den Saal. Ob Nopper hier die richtigen Prioritäten setzt, war Teil der Kritik aus den Reihen der Stadträte. Christoph Ozasek (Klimaliste) monierte, dass der OB bei einem vergleichsweise kleinen Projekt kommt, bei Entscheidungen über Millionenausgaben aber durchaus fehle. „Die Größe der Diskussion um den Pocket Park ist nicht nachvollziehbar“, sagte Hannes Rockenbauch (SÖS).
Die Grünen wiederum halten ihre Idee vom Pärkchen auf dem Parkdeck weiterhin für sinnvoll. „Attraktive Metropolen heute zeichnen sich nicht durch Parksuchverkehr mitten im Zentrum aus“, sagte der Gemeinderat Marcel Roth. Eine Betonfläche in der Stadt zu begrünen, sei daher keine abwegige Idee. In einem Punkt waren sich allerdings fast alle einig: Einen großen Beitrag zum Klimaschutz und der Biodiversität würde der Pocket Park nicht leisten.
Im Zentrum der Debatte am Dienstag stand neben finanziellen Aspekten daher vor allem die Frage, wer den Park überhaupt nutzen würde. FDP, Freie Wähler und AfD kritisierten den Zugang zum Parkdeck, der nur über ein enges, nicht einsehbares Treppenhaus möglich wäre und viele Menschen abschrecken würde. Christoph Ozasek von der Klimaliste hingegen begrüßte den sozialen Raum in der Innenstadt, an dem Menschen verweilen könnten, ohne etwas konsumieren zu müssen.
Heilbronn hat Klimawäldchen
In anderen Städten gibt es übrigens bereits Pocket Parks, zum Beispiel in Heilbronn. Dort werden sie Klimawäldchen genannt. Das Erste entstand im Jahr 2019 im Rahmen der Bundesgartenschau. Das zweite Klimawäldchen kam 2022 auf dem Festplatz Theresienwiese hinzu – inklusive 72 Bäumen, 83 Sträuchern und 2245 Stauden, 13 Nebelsäulen, automatischer Bewässerung und Sitzgelegenheiten.
Auf 752 Quadratmeter Fläche ist laut Stadt Heilbronn ein Begegnungsort entstanden; tagsüber würden dort Besucher entspannen, abends sich Anwohner treffen.