Fritz Kuhn lässt sich eine sogenannte Holo-Lens zeigen. Foto: Martin Haar

Oberbürgermeister Fritz Kuhn informiert sich bei Beratungsfirma Bridging IT, die neu ins Gerber eingezogen ist, über die Urbanisierung der Energieversorgung. Zu seiner Überraschung traf er dort noch einen Politker: Auch den Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann interessierte das Thema.

Stuttgart - In der Stadt ist die IT-Beratungsfirma Bridging IT von der Königstraße in Büros im Gerber umgezogen. Eine Tatsache, die zunächst so spannend klingt, wie die Nachricht vom fallenden Reissack in China. Ein wenig interessanter macht das Ganze allerdings der Besuch eines einzelnen Herrn: Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) kam am Freitag zur feierlichen Neueröffnung des 800-Quadratmeter-Büros in der Marienstraße 17.

Und bevor der OB gefragt wurde, warum er ausgerechnet diese Firma beehre, ergriff er die Flucht nach vorn. Er vermerkte knitz, dass auch der Abgeordnete Stefan Kaufmann (CDU) von einer ähnlichen Neugier getrieben war: „Sehen sie, sogar bis zum Bundestag in Berlin schlägt das Interesse durch.“ Nach dem Spaß kehrte jedoch schnell die nötige Ernsthaftigkeit ein: „Ich bin in den vergangenen zwei Jahren immer wieder auf diese Firma gestoßen, weil es eine an der Nachhaltigkeit orientierte Firma ist.“ Noch wichtiger ist für Kuhn jedoch, „dass diese Firma an der Energiewende interessiert ist, auf Elektromobilität setzt sowie bei den Fragen von Urbanisierung der Energiepolitik Antworten sucht.“ Nicht zuletzt deshalb wollte er sich einen persönlichen Eindruck von Bridging IT und ihren Lösungsversuchen für so manche Zukunftsfrage machen.

Es geht darum, intelligent mit Energie umzugehen

Für Kuhn heißt das: Es wird zunehmend darum gehen, mit Energie so intelligent umzugehen, dass man in einem überschaubaren Zeitpunkt die städtische Energieversorgung ohne den Einsatz von Kohle schaffen könne. Weil das bisher eher auf dem Flachen funktioniere, ist Kuhn bestrebt dies nun in der Stadt umzusetzen. „Doch das ist schwierig“, sagte er und holte ein wenig weiter aus: „In Zukunft wird auch das Verkehrs- und das Energiesystem eng miteinander verknüpft sein. Deshalb ist es gut, wenn Beratungsfirmen im IT-Bereich am Standort sind.“

18 Teslas stehen in der Garage

Tatsächlich hatte die Firma, die in diesem Jahr 45 Millionen Euro umsetzen will und Großkunden wie Bosch berät, einiges zu zeigen. Am eindrucksvollsten ist wohl das E-Mobilitäts-Projekt. Es steht unter der Überschrift „Practice what you preach“. Frei ins Schwäbische übersetzt: Schwätz net, mach! Also legte man los: Zum Start im Mai 2010 mit einem Smart-Elektroauto, dann Schritt für Schritt hin zu einer kleinen Flotte. Inzwischen stehen zwei BMW i3 und 18 E-Fahrzeuge aus dem Hause Tesla bereit. Dass Mitarbeiter seit 2012 die E-Autos von Car-2-go frei nutzen können, ist bei Bridging IT selbstverständlich. Zudem können Mitarbeiter einen Tesla (85 000 Euro) fahren, so sie sich den steuerlichen Anteil der Kosten leisten wollen. Dieses Angebot gilt nicht nur für Geschäftsführer, sondern für alle. „Damit haben unsere E-Fahrzeuge bereits eine Million Kilometer zurückgelegt und 112 Tonnen CO2 eingespart“, sagt Projektleiter Matthias Vogt. Aber eine Beratungsfirma wäre keine Beratungsfirma, wenn sie ihr Wissen samt Erfahrungen nicht teilen wollte. „Wir sind in den vergangen sechs Jahren in so manches Fettnäpfchen getreten“, erklärte Vogt dem OB und verglich diesen Prozess mit dem Erlernen von Skifahren: „Da holt man sich ja auch einen Ski-Lehrer.“ Kuhn, dessen Verwaltung mit Briding IT im Kontakt steht, meinte nur: „Das verstehe ich gut. Und mit dem Skifahren kenne ich mich als Allgäuer aus.“

Es kann also durchaus sein, dass die städtische Fahrzeug-Flotte bald von „Skilehrern“ aus dem Gerber das Fahren lernt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: