OB Stefan Belz, Stadtrat Thorsten Breitfeld und Erster Bürgermeister Tobias Heizmann Foto: Stefanie Schlecht

Begleitet von vielen salbungsvollen Worten startete Stefan Belz in seine zweite Amtszeit. Sie wird keine leichte sein, muss Böblingen doch finanzielle Einbußen verkraften.

Die rund fünf Kilogramm schwere Amtskette trug der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz schon zur Begrüßung am Treppenabsatz. Wurde sie ihm doch am Freitag in der Kongresshalle bei seiner feierlichen Wiedereinsetzung nur symbolisch zum zweiten Mal offiziell umgehängt. Die Last des Amtes war dem 45-Jährigen indes nicht anzumerken in dieser besonderen Gemeinderatssitzung mit geschätzt 700 Gästen, darunter zahlreiche Ehrengäste aus der Stadtgesellschaft.

 

Dennoch: Ein Oberbürgermeister sei heute nicht mehr langfristiger Gestalter, vielmehr „permanenter Krisen- Konflikt- und Erwartungsmanager“, sagte der Erste Bürgermeister Tobias Heizmann zur Begrüßung. Diese Aufgabe habe Stefan Belz vorbildlich erfüllt: analytisch, strukturiert und faktenbasiert. „In über 100 Ratssitzungen, 260 Ausschusssitzungen und unzähligen weiteren Stiftungs- und Verbandssitzungen.“ Dafür brauche er „Nerven wie Drahtseile, ein dickes Fell – und einen Zauberstab“, auch wenn es den derzeit noch nicht im OB-Büro gebe.

Raumfahrt als besondere Perspektive

Regierungspräsidentin Susanne Bay betonte die Bedeutung der Wiederwahl: „Wiedergewählt wird nicht automatisch – wiedergewählt wird, wer überzeugt“. Ungewöhnlich für einen Oberbürgermeister sei Belz’ fachlicher Hintergrund, sagte Bay mit einem Augenzwinkern: „Sie sind schon ein besonderer Oberbürgermeister im Regierungsbezirk, nämlich einer mit einer außergewöhnlichen technischen Ausbildung“.

„Wiedergewählt wird, wer überzeugt“

Susanne Bay Regierungspräsidentin

Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik bringe eine besondere Perspektive mit sich, bei der es darum gehe, „zahlreiche miteinander vernetzte Komponenten im Blick zu behalten.“ Bay sprach in ihrer Rede auch die vielfältigen Aufgaben an, die vor der Stadt liegen: Verwaltungsmodernisierung, Digitalisierung, demografische Veränderungen und die angespannte Haushaltslage. Besonders betonte sie: „Das Bekämpfen der Klimakrise ist die drängendste Herausforderung für die gesamte Menschheit“.

Auf Belz’ Hobby das Wandern spielte sie ebenfalls an: „Wie bei jeder ausgiebigen Wanderung wird es auch in Ihrer zweiten Amtszeit Momente der Erschöpfung geben.“ Es werde „robuste Diskussionen“ geben, Gräben, die zu überwinden sind. Umso entscheidender sei es, „dass sich diese Stadtgesellschaft nicht auseinanderdividieren lässt.“ Dafür wünsche sie ihm unter anderem das nötige Augenmaß, Akzeptanz, Rückhalt und sicherte volle Unterstützung zu.

Prall gefülltes Hausaufgabenheft

CDU-Stadtrat Thorsten Breitfeld nahm als Vorsitzender der stärksten Fraktion die Einsetzung vor. Nicht ohne aber zuvor auf das prall gefüllte Hausaufgabenheft für die zweite Amtszeit zu verweisen: Krankenhaus-Areal, ehemalige IBM, Mühlbachquartier, Bahnhof, Schlossberg-Bebauung. „Möge der Booster zünden“, sagte der ebenfalls promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur. Und zitierte ein Funkspruch der Apollo-13-Mission: „Failure is not an option“ – Versagen sei keine Option.

Stimmgewaltig untermalten der Böblinger Junge Kammerchor und die Jugendsingakademie der Partnerstadt Krems den Abend, bevor Landrat Roland sein Grußwort mit der ihm eigenen Art des Lobes würzte: „Stefan Belz hat als Kapitän des Schiffes Böblingen so gut wie alle Klippen erfolgreich umschifft.“ Für den gemeinsamen Weg in der kommunalen Familie dankte er ausdrücklich – „auch wenn wir uns manchmal gekabbelt haben.“

„Wir haben der Stadt das Krankenhaus-Areal zu einem fairen Preis übereignet“, spielte Bernhard auf die zähen Verhandlungen des Jahres 2024 an und erntete ein Raunen. Schließlich hätte Böblingen gern weniger für das Krankenhaus bezahlt, der Landrat hingegen gern mehr erzielt. „Wir waren beide unzufrieden, dann war es ein guter Kompromiss.“ Lob gab es von Bernhard für Belz’ Empathie: „Er hört zu und geht mit einem großartigen Verantwortungsbewusstsein zu Werke.“

Pfarrer Klaus Kempter hielt ein ökumenisches Segenswort, in dem er Belz’ vielfältige Aktivitäten auf den sozialen Medien bewunderte. Sagte aber auch: „Wir Menschen machen Termine, Gott aber bestimmt die Zeit.“ Wichtig seien neben den vielen Verpflichtungen die Auszeiten, um Kraft zu tanken für die Fülle an Verantwortung. Dazu sprach er ihm die Einladung für eine gute Zusammenarbeit aus sowie Gottes Segen.

Aus Aufbruch sei Richtung geworden

Stefan Belz selbst sagte zum Abschluss: „Eine Wiederwahl ist kein Zielpunkt. Sie ist ein neuer Auftakt.“ Ein Wort stand vor acht Jahren über allem: Aufbruch. Jetzt sei „aus Aufbruch Richtung geworden.“ Auf die enormen Anforderungen der Corona-Pandemie habe man nicht nur reagiert, sondern in der Zeit auch aktiv gestaltet. Zuvorderst nannte er Investitionen in Bildung (Schulzentrum Stockbrünnele), Mobilität (Elbenplatz) und Digitalisierung (Smart City).

Regierungspräsidentin Susanne Bay Foto: Stefanie Schlecht

Das Krankenhausareal sei eine „Zukunftsfläche“ für die Stadt, weswegen er den Kauf als klaren politischen Erfolg verbuchte. Gleichwohl stehe man vor einer finanzpolitischen Zäsur, „in einer Schärfe, wie wir sie noch nie erlebt haben.“ Im Vergleich zu anderen Kommunen habe man dennoch erhebliche Ressourcen – wenn im Zuge einer Konsolidierung die richtigen Entscheidungen getroffen würden. Fünf Schwerpunkte machte er dafür aus: Wirtschaft, Klimaschutz, Bildung und Betreuung, Digitalisierung und Zusammenhalt.

Zur Person: Stefan Belz

Biografie
Geboren wurde Stefan Belz am 23. Juni 1980 in Böblingen, absolvierte sein Abitur am Sindelfinger Stiftsgymnasium und studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart mit anschließender Promotion zu Raumfahrtsystemen.

Lokalpolitik
Belz ist seit 2011 lokalpolitisch engagiert. Damals trat er in den Grünen-Ortsverband Böblingen ein, 2012 wurde er dessen Sprecher. Bei der Kommunalwahl 2014 zog er in den Gemeinderat ein, wo er zum Fraktionsgeschäftsführer wurde. Bei der Wahl zum Oberbürgermeister 2018 gewann er überraschend gegen CDU-Amtsinhaber Wolfgang Lützner. (jps)