Fatale Botschaft auf Plakaten: Bald ist’s mit Weihnachten vorbei. Foto: ubo

Ist’s bald vorbei mit der stillen Nacht? Leuchtplakate kündigen das „letzte Weihnachten in Stuttgart“ an. Eine Weihnachtsgeschichte von StN-Kolumnist Uwe Bogen.

Stuttgart - Bye, bye Weihnachten! Wird nach 2015 Jahren wirklich Schluss mit dem wichtigsten Fest der Deutschen gemacht?

Schmücken Sie, liebe Leserinnen und Leser, Ihren Tannenbaum deshalb ganz besonders hingebungsvoll. Es könnte das letzte Mal sein, wenn es stimmt, was auf diesen grünen Plakaten steht.

Duftet es in Ihrem Heim schon nach Lebkuchen, Kerzenwachs und Räuchermännchen? Sind die Lichterketten im Garten gespannt und die Geschenke eingepackt? Dann entsprechen Sie dem typischen Deutschen, wie die Welt ihn sieht.

Das Goethe-Institut, das weltweit über die deutsche Lebensart informiert, formuliert es so: „Weihnachten ist für die Deutschen das wichtigste Fest, an dem die ganze Familie zusammenkommt.“ Im Lehr- und Lernmaterial des Instituts für den Unterricht im Ausland heißt es: „Den Tannenbaum (auch Christbaum) gibt es seit 400 Jahren. Die immergrünen Zweige der Nadelbäume erinnern an warme Jahreszeiten. Er wird mit Kerzen, Kugeln und viel Lametta geschmückt.“

Seit Loriot wissen alle Deutsche: Früher war mehr Lametta! In diesem Winter hat auch noch der letzte deutsche Lametta-Hersteller seine Produktion eingestellt. Es hat sich ausgeglitzert. Was aber noch viel schlimmer ist: Unsere Stadt ist besonders hart davon betroffen.

Früher war mehr Lametta

Denn früher war nicht nur mehr Lametta. Früher war auch mehr Winter und womöglich auch mehr Weihnachten.

In Leuchtkästen und auf Litfaßsäulen wird seit Tagen die fatale Botschaft verkündet: „Das letzte Weihnachten in Stuttgart.“ Das haut rein! Nur noch einmal Weihnachten, und dann ist finito?

Gehen Sie also mit Sorgfalt mit dem bevorstehenden Weihnachten um. Dann kann es zum schönsten Fest Ihres Lebens werden. Oft ist es so, dass wir erst dann, wenn wir Abschied nehmen, erkennen, was wir verlieren. Was uns Jahr für Jahr sicher ist, wird schnell zu etwas Gewöhnlichem, zu einem sich wiederholenden Termin, den wir durchziehen, ohne mit unserem Herzen dabei zu sein.

Ein Werbeplakat regt zum Nachdenken an

Das letzte Weihnachten in Stuttgart. Auf grünem Grund steht’s quer durch die Stadt geschrieben. Stecken die Grünen dahinter? Wollen die uns keine Freuden gönnen? Autofahren sollen wir ja auch nicht mehr. Oder ist’s die fiese Kampagne einer rechtspopulistischen Partei? Wollen die uns glauben machen, nächstes Jahr wird das Christfest gestrichen, weil Flüchtlinge die Oberhand gewinnen und es im Islam keine Weihnachten gibt?

Alles Quatsch! An Tarzan liegt’s, der sich durch den Musical-Urwald schwingt! Er wird nur noch einmal Weihnachten in Stuttgart erleben, ehe er nach knapp drei Jahren das Apollo-Theater verlässt. Die Musicalmacher hoffen, dass dank ihres verwirrenden Spruchs vom letzten Weihnachten möglichst viele Ticket-Gutscheine unter dem Tannenbaum liegen.

Doch was macht das mit uns? Plötzlich denken wir nicht über Kartenkauf und Geschenke nach, sondern über Sinn und Abschied. Was wäre, wenn wir wirklich unser letztes Weihnachten feiern würden? Vergessen wir viel zu oft, dass die Endlichkeit zum Leben gehört? Dass wir mit allem irgendwann aufhören müssen?

Wer an Weihnachten in die Kirche geht, hört die Verkündigung des ewigen Lebens. Unser Leben endet demnach nicht nach dem irdischen Tod. Laut Bibel hat Gott den Menschen „die Ewigkeit in ihr Herz gelegt“, ohne dass dies der Mensch „von Anfang bis zu Ende zu erfassen vermag“. Niemals werden wir alles verstehen und alles erfassen, was ist und sein wird. Tarzan singt: „Dir gehört mein Herz.“

Wir sollten an Weihnachten mit ganzem Herzen Liebe und Zuneigung schenken – am besten nicht zum letzten Mal.

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