Trotz einer 2:0-Führung reicht es für die Stuttgarter im Kellerduell mit Hertha BSC beim 2:2 nicht zu dem erhofften Sieg gegen einen direkten Konkurrenten. Das hatte seine Gründe.
Stuttgart - Der VfB ist von der Geisterspielatmosphäre eingeholt worden und hat am Sonntagnachmittag vor nur 395 Fans im eigenen Stadion auch nichts Entscheidendes gegen die dunklen Dämonen im Bundesliga-Abstiegskampf ausrichten können. Mit 2:0 hatten die Stuttgarter gegen Hertha BSC geführt, mussten sich am Ende beim 2:2 (2:1) gegen die angeschlagenen Berliner aber mit einem Punkt zufrieden geben.
„Es ist sehr ärgerlich, dass wir die drei Punkte nicht mitgenommen haben. Wir haben super angefangen, waren dann allerdings zu passiv und nicht mehr konsequent. Das darf nicht passieren“, sagte der Mittelfeldspieler Philipp Förster nach einem Spiel, in dem Omar Marmoush (15.) und Förster (19.) den VfB in Führung gebracht hatten, ehe Herthas Stevan Jovetic mit seinem Doppelpack (40., 76.) auf 2:2 stellte.
Al Ghaddioui rückt in die Startelf
„Das Ergebnis nervt mich schon. Statt den Gegner nach dem 2:0 killen zu wollen, haben wir weniger gemacht. Wir waren nicht mehr klar in unseren Aktionen – und das ist sehr schade“, ergänzte VfB-Cheftrainer Pellegrino Matarazzo, der sein Team im Vergleich zum 2:1-Heimsieg gegen Mainz offensiver aufs Feld geschickt hatte. Anstelle von Mittelfeldmann Atakan Karazor stand Stürmer Hamadi Al Ghaddioui in der Startelf. Marc Kempf, der mit den Berlinern in Verbindung gebracht wird, schaffte es nicht einmal in den Kader. „Er hat vier Wochen gefehlt“, sagte Matarazzo, „ich brauchte mehr polyvalente Spieler auf der Bank.“
Tatsächlich glänzte dann sein Abwehrchef bereits nach 15 Spielminuten als Torvorbereiter. Da eroberte Waldemar Anton den Ball an der eigenen Strafraumkante – und danach ging es schnell: Gegen die aufgerückte Hertha-Abwehr des gebürtigen Stuttgarters Tayfun Korkut, der den VfB von Januar bis Oktober 2018 trainiert hatte, schickte Anton die Wolfsburg-Leihgabe Omar Marmoush mit einem gut abgestimmten Steilpass auf die Reise. Der Ägypter behielt frei vor Berlins Schlussmann Alexander Schwolow die Nerven – und der VfB führte mit 1:0.
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Überhaupt war der geschmeidige und trickreich aufspielende Marmoush ein Gewinn für das Stuttgarter Spiel – und zählte bei den Gastgebern neben der Mittelfeld-Arbeitsbiene Wataru Endo und neben Waldemar Anton zu den Aktivposten.
Gewaltig waren derweil auch im Anschluss an das 1:0 die Löcher im Abwehrverbund der Gäste. So nutzte Philipp Förster den Berliner Nichtangriffspakt und erzielte mit seinem ersten Saisontor ins rechte Toreck das 2:0 (19.). „Positionen halten“, das hatte Tayfun Korkut nimmermüde aufs Spielfeld geschrien – doch der neue Hertha-Trainer fand bei seinen Spielern auf dem Rasen in dieser Szene kein Gehör.
Der VfB, bei dem vor allem die Torschützen gut ins Spiel kamen, wirkte spritziger, schneller und motivierter als die anfangs zu behäbigen Berliner, die sich aber steigerten. Nach 40 Minuten agierte der VfB seinerseits zu passiv, als Stevan Jovetic mit einem für Stuttgarts Torhüter Florian Müller unhaltbar gezirkelten Schuss auf 2:1 verkürzte.
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Die Matarazzo-Elf hatte es also verpasst, den schwer in den Seilen hängenden Hauptstädtern den frühen Knock-out zu verpassen. Vorne hing Hamadi Al Ghaddioui als vorderste Spitze zu oft in der Luft. Auch weil von Borna Sosa diesmal keine gefährlichen Flanken kamen. Nach der Pause brachte der mutige Pellegrino Matarazzo mit der Hereinnahme von Teenager Alexis Tibidi noch mehr Jugendstil auf den Platz – und der VfB agierte jetzt als Kollektiv wieder engagierter. Allerdings gerade im letzten Spieldrittel ohne den letzten Biss.
Stevan Jovetic ist mit der Moral zufrieden
Den zeigten die Berliner, für die erneut Jovetic („Wir haben nach dem 0:2 einen guten Charakter gezeigt“) nach feiner Vorarbeit von Ishak Belfodil aus kurzer Distanz zum 2:2 traf. Das halbe VfB-Team hatte dabei im eigenen Strafraum Spalier gestanden (76.). Den Stuttgartern ging im Schlussspurt gegen keinesfalls überragende Berliner dann sichtlich die Puste aus. „Wir haben nach dem 2:0 aufgehört, Fußball zu spielen. Das ist sehr nervig“, sagte Torhüter Florian Müller. „Es wäre mehr drin gewesen.“
Für den VfB hat es das Restprogramm bis Weihnachten nun in sich: Am nächsten Samstag (18.30 Uhr) tritt die Elf beim VfL Wolfsburg an, dann kommen die Bayern, ehe es zum Jahresabschluss nach Köln geht.